Nachgefragt: Martin Hikel

Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Foto:Emmanuele Contini

Vor rund einer Woche wurde Martin Hikel (SPD) zum neuen Bezirksbürgermeister von Neukölln gewählt. Am Tage seiner Vereidigung haben wir ihm einige Fragen zu der künftigen politischen Ausrichtung Neuköllns gestellt. 

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Martin Hikel hat es nicht ganz geschafft, der jüngste Bürgermeister Deutschlands zu werden. Diesen Titel hat ihm Martin Schreier aus der baden-württembergischen Kleinstadt Tengen abgerungen. Zum Zeitpunkt seiner Vereidigung als Bürgermeister war Schreier gerade einmal 25 Jahre alt, heute leitet er immer noch die Geschicke des kleinen Luftkurortes in der Nähe von Konstanz, an der Grenze zur Schweiz.

Dass Martin Hikel mit seinen 31 Jahren dennoch recht jung ist, wird indes wohl niemand anzweifeln. Doch während Schreier sich vermutlich mit touristischen Routen, Wanderwegen und ortsansässigen Vereinen auseinandersetzen muss, warten auf Martin Hikel vielfältige Aufgaben. Sozialer Wohnungsbau, Müll, Integration oder aber auch Bildung: Das alles sind Fragen, deren Lösungen die hiesige Kommunalpolitik seit Jahren beschäftigen.
Ob der neue Bezirksbürgermeister den von seiner Vorgängerin Franziska Giffey eingeschlagenen Kurs fortsetzen möchte, haben wir für euch rausgefunden.

nk.net: Herr Hikel, sie haben keine Verwaltungserfahrung und sind nun Bürgermeister von einem der bekanntesten Bezirke Deutschlands. Was qualifiziert Sie zur Ausübung dieses Amtes?

Martin Hikel: Es ist ja nun nicht gerade so, dass jeder Bürgermeister in Deutschland eine Verwaltungsausbildung hätte – und das wäre ganz sicher auch nicht wünschenswert. Ginge es nur um Verwaltungserfahrung, würde man eine Ausschreibung im Amtsblatt machen. Es geht um den Gestaltungswillen, den eine Person für solch ein Amt mitbringt. Ich bin Neuköllner durch und durch und mache seit über zehn Jahren Lokalpolitik in Neukölln. Ich kenne die verschiedensten Ecken unseres Bezirkes, den Süden und den Norden, die Probleme und die Potenziale. Ich weiß, wo der Schuh drückt. Und wir haben in Neukölln eine gut aufgestellte Verwaltung mit motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle Mitglieder des Bezirksamts beraten. Ich blicke deshalb sehr optimistisch nach vorne.

Welche neuen Impulse möchten Sie in Ihre Arbeit einbringen und welche von Frau Giffey angestoßenen Änderungen – wie zum Beispiel den nicht kostendeckenden Einsatz der „Müll-Sheriffs“ – wollen Sie rückgängig machen?

Im Jahre 2016 wurde die Neuköllner SPD mit Franziska Giffey an die Spitze gewählt – die Wählerinnen und Wähler haben für eine pragmatische und problemorientierte Politik gestimmt. Diesen Kurs habe ich als Bezirksverordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD mitgestaltet. Deshalb stellt sich diese Frage nicht, sondern die gemeinsamen Ziele bleiben Leitstern meiner Politik. Die Müll-Sheriffs sind ein guter Ansatz, um den öffentlichen Raum nicht weiter vermüllen zu lassen. Ich werde jedenfalls nicht dabei zusehen, dass unsere Kieze zum Endlager für alte Matratzen und Bauschutt werden. Und solange uns im Ordnungsamt das Personal fehlt, ist der private Dienst ab 22 Uhr sinnvoll. Manchmal muss man unkonventionelle Wege gehen, um sein Ziel zu erreichen – wo, wenn nicht in Neukölln, sollte man das wissen?

Frau Giffey war gegen eine höhere Quote von Sozialwohnungen bei Neubauten. Wie stehen Sie zur Wohnungsproblematik in Neukölln?

Als Bezirk haben wir verschiedene Möglichkeiten, um bezahlbare Mieten zu sichern. Dazu gehört der Milieuschutz genauso wie das Vorkaufsrecht des Bezirks. Diese und weitere Instrumente werden wir auch weiterhin nutzen und ausbauen. Klar ist aber auch, dass ohne Neubau nichts geht. Und dazu gehören selbstverständlich auch Sozialwohnungen. Ich erwarte aber vom Senat insgesamt mehr Verlässlichkeit beim Thema Wohnungsbau. Das Hin und Her der letzten Monate hat Slapstickcharakter – aber das können wir uns nicht leisten bei einem der wichtigsten und schwierigsten Politikfelder in der Stadt.

Was sind die drei ersten Dinge, die Ihnen zu Neukölln einfallen?
Zupacken mit Herz, Grillen im Schrebergarten und Herzlichkeit am Tresen in der Eckkneipe. 

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