von am 6. Februar 2014
boddinale_unpaved

Screenshot: Robot Koch – Unpaved, by Lukas Feigelfeld

Mit der Boddinale geht es in den Berliner Underground. Gezeigt werden Low- und No-Budget-Produktionen aus dem Dunstkreis der Stadt. Einziges Kriterium bei der Auswahl der Filme vorab: Es musste eine Geschichte erkennbar sein. 

„Also, wenn sie wollen würden“… „Nein, ich bitte dich!“ … „eine Verbindung“ … „nein“… „fände ich“… „nein“. Die hypothetische Frage nach einer irgendwie gearteten Kooperation mit der Berlinale ruft bei den beiden anwesenden Loophole-Machern Uneinigkeit hervor. „Es ist nicht so, dass wir gegen irgendetwas sind“, versucht Gianluca zu vermitteln, „aber wenn Kooperation heißen sollte, dass wir uns auf irgendeine Art verändern müssten – dann nein.“ Den Zeitraum habe man sich von der Berlinale abgekupfert, schließt Gianluca das Thema mit einer Unschuldsmiene ab. Und fügt mit einem breiten Grinsen hinzu: „Aber der Name ist reiner Zufall.“

Die Boddinale startet, nach ihrem Debüt im letzten Jahr, an diesem Donnerstag zum zweiten Mal mit einem umfangreichen Programm. Zwischen dem 6. und 16. Februar – zeitgleich zur Berlinale – werden täglich ab 18 Uhr fünf Stunden lang No- und Low-Budget-Produktion auf drei Leinwänden im Loophole gezeigt, gefolgt von einer Aftershowparty. Fünf Awards werden verliehen – drei Awards prämiert die Jury, einen das Loophole-Team und der Community Award wird durch das Publikum bestimmt.

Viele Szenen in der U-Bahn oder im Spätkauf

Zwei Tage vorher ist im ‚Boddinale-Palast‘ von Aufregung oder Vorbereitungsstress kaum etwas zu spüren. Das Loophole in der Boddinstraße dient als Atelier und Projektraum von Jan Gryczan, Gianluca Baccanico, Zoran Stevanovic und Mattias Turini, die sich als „soziale Architekten“ verstehen und mit Parties oder eben Veranstaltungen wie der Boddinale eine Plattform für Kreative schaffen.

Jan entpackt gerade eine Kiste und zaubert daraus einen neuen Beamer hervor, während Gianluca weiter auf die Besonderheiten der Veranstaltung eingeht. Thematisch und erzähltechnisch könne man bei der Filmauswahl keine wirklichen Tendenzen ausmachen oder verallgemeinernde Aussagen treffen, zu unterschiedlich seien die Filme insgesamt. „Es gibt schon viele Szenen in der U-Bahn oder im Spätkauf, aber die Geschichten variieren komplett.“ Das sei dann auch das eigentliche Problem beim Erstellen des Programms: Die Filme auf die einzelnen Tage aufzuteilen, so dass sie einigermaßen zusammenpassen.

„Deutsche Filme sind oft ziemlich verkopft“

Auch die Filmemacher selbst sind bunt zusammengewürfelt. Am Sonntag gebe es erstmals eine Nacht, in der nur deutsche Filme mit Untertiteln gezeigt werden, aber sonst würden die Macher „aus allen Ländern, die man sich vorstellen kann“, stammen. Bei den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen der Regisseure, deren Traditionen und Denkweisen ließen sich teilweise doch ein paar Tendenzen erkennen, in der Art der Erzählweise oder der Kameraführung. Es gebe zum Beispiel Länder, deren Regisseure eher theatralischere Bewegungen einbauen. Im Gegensatz dazu seien deutsche Filme oft ziemlich verkopft.

 

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Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Einsendungen mehr als verdoppelt. Über 70 Filme standen zur Auswahl, darunter Animationsfilme, Kurzfilme, Langfilme (über 30 Minuten) und Musikvideos. Nur sehr wenige sind am einzigen Ausschlusskriterium gescheitert: Keine Geschichte oder kein erkennbarer Sinn. Eine Auswahl nach Geschmack gab es nicht. „Natürlich mag man nicht alles, aber sehr viele Filme mochte ich sehr gerne“, bringt Gianluca die Kehrseite dieser Auswahlmethode auf den Punkt: Es werden sicher einige interessante und spannende Perlen zu sehen sein. Aber auch Trash. Das muss man dafür in Kauf nehmen.

Theoretisch würde das Loophole-Team, dem Namen entsprechend, für die Boddinale gern mehr von den kreativen Nachbarn der Boddinstraße einbeziehen. „Eine Verbindung von vielen kleinen Orten in der Straße, die zusammen sozusagen ein 300-Sitze-Kino ergeben. Das wäre eine tolle Erfahrung.“ So malt sich Gianluca die Zukunft des Festivals aus. Doch dafür ist es noch zu früh. Man sei selbst noch genug mit der eigenen Planung beschäftigt. Erst einmal schauen, dass dieses Jahr am Ende nicht wieder einer, nach 10 Tagen kostenlosem Kino, den Beamer durch ein Kopfkissen ersetzt. „Sehr viel schlechtes Karma“ – mehr kann man dem nicht hinzufügen.

Boddinale
06. bis 16. Februar 2014
Loophole, Boddinstraße 60
Screenings von 18 bis 23 Uhr – Eintritt frei

 

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