von am 14. Juni 2013

Um 19 Uhr geht es offiziell los: 48 Stunden Kunst in Neukölln. Das Programm ist wie immer riesig – unsere Redaktion hat ein paar Empfehlungen zusammengestellt, um den Einstieg zu erleichtern.

Einen Rekord nach dem nächsten brach das Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln in den letzten Jahren, nun haben die Veranstalter interveniert: Auf „nur noch“ 400 Veranstaltungen an 250 Orten wird ausgestellt, gelesen, gespielt, mitgemacht und gefeiert.

Etwas kleiner ist manchmal eben doch feiner und wohl auch deshalb ist zum ersten Mal das Thema für alle Festivalbeiträge verbindlich.

In diesem Sommer wagen die Künstler und Künstlerinnen einen „Perspektivwechsel“. Was in der Pressemitteilung von 48 Stunden Neukölln etwas holprig und schwammig klingt, laut dieser stellen die Künster/innen „ihre Sicht auf die Lebensrealität einer urbanen, transkulturellen und vor unterschiedlichsten Herausforderungen stehenden Gesellschaft“ dar und „die BesucherInnen werden so in einem kunstspartenübergreifenden Programm mit vielfältigen Haltungen, neuen Deutungen und experimentellen Kunstformen konfrontiert“, wird einfacher und greifbarer, wenn man einen Blick in das Programm wirft. Da begegnen einem Begriffe wie „Glück“, „Sehnsucht“, „Reisen“, „Traumleben“, „Innen und Außen“, „Masken“ oder „Ich und Du“.

Wir haben das Programmheft vorab ein wenig durchforstet, um für den Anfang schon einmal die ersten Empfehlungen mit auf den Weg zu geben.

Morgen ist alles anders

Was ist, wenn plötzlich alles anders ist, fragte sie die Regisseurin Bianca Theis und ging in der Pannierstraße auf Spurensuche. Ihr Dokumentarfilm „Morgen ist alles Anders“, für den sie mit „acht LadenbesitzerInnen über ihre Perspektiven, Hoffnungen, Erwartungen und Sehnsüchte, aber auch über ihre Ängste, Befürchtungen und Sorgen“ gesprochen hat, ist am Freitag im Bruch und am Samstag und Sonntag im Vögel und Fische zu sehen.

Fr 20:00, Bruch, Pannierstr. 57
Sa & So 13:00 – 19:00, Vögel und Fische, Pannierstr. 26

SUPERmensch – Über die Superkräfte im Alter

Alte Menschen haben Superkräfte? Beim Altwerden denkt man eher an Rheuma, Rollatoren und Dialyse. Das nahm die Gruppe Brand – Verein für theatrale Feldforschung zum Anlass, die Bewegungsmöglichkeiten älterer Menschen zu untersuchen und in eine Performance zu übersetzen, die im Labor: Urbanes Altern in den Neukölln Arcaden zu sehen sein wird sowie – passend zum Thema – in einem Seniorenpflegezentrum.

Fr 20:00, So 14 & 17 Uhr, Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Str. 66  / Sa Casa Reha, Roseggerstr. 15:30 Uhr

Raum für nachhaltige Verdrängung

Gentrifizierung selbst gemacht: Die Ida Nowhere lädt auch in diesem Jahr wieder zum Mitmachen ein und stellt dafür jede Menge Stadtraum zur freien Verfügung. Mit einer Autobahntrasse bebauen, noch ein Einkaufcenter oder doch lieber mit einer Sitzblockade den Bauhaien einen Riegel vorschieben? Alles eine Frage der jeweiligen Perspektive. Wer sich gentrifiziert genug fühlt, darf anschließend in Idas Wunderland im Keller abtauchen. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Fr 19:00 — 22:00, Sa 14:00 — 22:00, So 14:00 — 19:00, Ida Nowhere, Donaustraße 79

Ich bin du und du bist ich

Einzig und allein von den Besuchern und ihrer Beteiligung lebt die Kunstaktion „ICH BIN DU UND DU BIST ICH“ am Photoautomaten (Weserstraße 7). Die Besucher sind eingeladen, sich zu fotografieren, ihre persönliche Perspektive, ihre Wünsche, Hoffnungen, Ansichten auf der Rückseite des Fotostreifens zu hinterlassen, diese an die nächsten Besucher weiterzugeben, sich kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Fr 19:00 — 22:00, Sa 18:00 — 22:00, So 15:00 — 19:00, Photoautomat, Weserstr. 7

Zeitsprünge und Szenarien

Zukunftsvisionen erwarten den Besucher auf der Südseite des Hermannplatzes. Der Architekt und Künstler Günther zur Nieden hat eine Szenenfolge erstellt, die in neun Szenarien eine mögliche Zukunft des Hermannplatzes prognostiziert. Der Künstler ist anwesend. Die Besucher können sich zu ihrer oder der Zukunft des Hermannplatzes äußern.

Fr 19:00  22:00, Sa 11:00 22:00, S0 11:00 19:00, Hermannplatz, Südlicher Ausgang U8

Michael Wookey und sein großes Orchester von kleinen Instrumenten

Schräg und exzentrisch geht es in der Frühperle auf der Boddinstraße zu. Ein Orchester von kleinen Instrumenten hat der britische Soundartist Michael Wookey zusammengestellt. Dutzende Mini-Instrumente ergeben sein Orchester mit Fahrradklingeln, Ketten, Minipianos und Gameboys. So kreiert der Künstler neue Perspektiven und Wege der Musik. Ein Sound, auf den man gespannt sein darf.

Freitag 20:30 – 21:30, Frühperle, Boddinstraße 57A

Klunkerkranich Pre-Opening

Der Zuhause e.V., der auch das Fuchs & Elster betreibt, hat sich mit dem Klangsucht-Kollektiv zusammengetan und auf dem Parkdeck der Neukölln-Arcaden den Klunkerkranich an den Start gebracht: Bar und Bühne für kulturelle Veranstaltungen sowie ein Urban-Gardening-Projekt, herrlich gelegen über den Dächern von Neukölln. Mehr verrät das Video, das in unserer heutigen Wochenschau zu sehen ist. Richtig los geht’s am 1. Juli, aber zu 48 h gibt es bereits einen Vorgeschmack mit umfangreichem Kulturprogramm und Party. Mehr Infos im Facebook-Event.

Fr 16-24, Sa 12-24, So 12-19 (und länger…), Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Str. 66

Die Weisen

Zum Schluss noch eine interaktive Audioinstallation und Parkbanktour für unterwegs. Stephanie Hanna hat sich mit der Frage nach einem guten Leben in das Rollbergviertel begeben und dort vor allem ältere Bewohner nach ihren Empfehlungen gefragt.

Texte: Elisabeth Wirth, Regina Lechner, Fabian Friedmann, Max Büch

 

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