von am 22. April 2015

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Gut und günstig essen geht immer in Neukölln, aber fein dinieren? Das verspricht seit Kurzem „Industry Standard“ auf der Sonnenallee. Wer hier zu zweit schlemmen will, sollte 80 Euro aufwärts einplanen. 

Fotos: Anna Blattner

Wer macht das Industry Standard? Eine kunterbunte Truppe aus allen Ecken der Welt; darunter Mexikaner, Deutsche und Engländer – ein Koch kommt aus Quebec, der Chefkoch aus Dänemark. Vielleicht ist das der Grund, warum das Lokal selbst wie ein Stücken Skandinavien in Neukölln wirkt. Grand Design gibt es nicht – Die Essplätze trennt nur ein dürrer Raumteiler aus Holz vom Eingang. Teilweise wurde die weiße Wand mit Holzplanken verkleidet. Alles ist also im zeitgemäßen „basic and a little bit rustic“ – Stil gehalten.

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Ein dänischer Koch brutzelt Ochsenzungen

Und gibt es Grand Cuisine? Wir fingen mit dem Starter des Hauses an – Jeweils eine Auster plus einem Mexikaner-Shot. Fazit zu dem kulinarischen Herrengedeck: Die Muscheln waren frisch, der Mexi ebenso. Eine feine Idee, diese Kombi. Die harte Meersalzschärfe der Muscheln wird perfekt von der tomatigen Säure ausbalanciert.

Zu den Hauptgerichten: geschmorter Ochsenschwanz in Bratensauce nebst Fazzoletti, einer hauchdünnen Pasta in Taschentuchform. Unsere Bewertung: Das Fleisch war das, was man eine Gaumenfreude nennt, die Nudeln ebenso. Auch das zweite Hauptgericht war bestens: Ein Kotelett, ähnlich zubereitet wie in Portugal – das heißt obenauf mit Spiegelei, Anchovis und frischem Chili.

Zusätzlich orderten wir noch eine Gemüseplatte. Deren Highlight waren die krokantierten Grünkerncroutons plus dem blanchierten Rosenkohl. Zum Trinken hatten wir Kloster Andechs Helles und den billigsten Wein auf der Karte, einen Merlot zu 4, 50 Euro pro Glas. Der Wein war vollmundig fruchtig und lässt sich wärmstens empfehlen. Alles in allem lässt sich sagen, wer beispielsweise seiner Freundin zum Einjährigen eine Freude machen will, für den ist das Industry Standard bestens geeignet. Die Gerichte sind gut gemachte Neuinterpretation von Klassikern und die Karte eignet sich bestens zum Variieren und Ausprobieren. Erfreulich zudem: Die Portionen machen auch satt.

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Mal was anderes als Falafel, Döner & Co.

Nichtsdestotrotz eine kleine Warnung: Vorsicht beim Brot bestellen; dieses kommt mit einer Kräuterbutter, die eher die Bezeichnung Kräutersahne verdient hätte und extremst sättigt. Ansonsten gilt: Dinieren im Industry Standard kostet eine Stange, macht aber verdammt viel Laune.

Apropos: Die Küche hat nur abends geöffnet und der Andrang ist ziemlich groß. Wer Interesse hat, sollte im Voraus einen Tisch reservieren.

Industry Standard
Sonnenallee 83
Mi-So 18-23 Uhr
www.industry-standard.de

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