von am 21. November 2013
Der Eingang der ehemaligen Frauenklinik

Der Eingang der ehemaligen Frauenklinik

Bewohner statt Patientinnen: Auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik im Mariendorfer Weg sollen 2014 über 900 Wohnungen entstehen.

Allmählich erwacht Dornröschen aus seinem achtjährigen Schlaf. Mitgenommen sieht es aus. Der Putz bröckelt von der Fassade der ehemaligen Frauenklinik im Mariendorfer Weg in Neukölln. Graffitikünstler haben sich auf dem Mauerwerk verewigt, das zum Teil unter Denkmalschutz steht. Fensterscheiben sind eingeschlagen. Schutt, Dreck, Kleiderreste und Bierdosen säumen das Grundstück. Türen wurden eingetreten oder aufgehebelt, ebenso alte Fensterläden.

Krankenhaus_Relief

Relief am Haupteingang

Bis vor einigen Wochen konnte man den mit bunten Reliefs und Figuren verzierten Haupteingang zum historischen Gebäude, das während des Ersten Weltkrieges erbaut wurde  und 1917 in Betrieb ging, noch nicht sehen. Alles lag schlummernd hinter wilden Hecken, Büschen und Bäumen. Inzwischen haben Arbeiter den Haupteingang freigelegt. Es tut sich also etwas auf dem insgesamt 58.674 Quadratmeter großen Areal. Miteinbezogen in diese Fläche ist auch das Gebäude, welches direkt gegenüber der ehemaligen Klinik steht. Das mehrgeschossige Haus wurde damals als Babystation genutzt. Daran kann sich die 86-jährige Seniorin, die ihren Namen nicht nennen will, noch erinnern. „Mein Kind lag damals dort. Und ich ein halbes Jahr auf Station im Hauptgebäude. Aber letztlich sollte es nicht sein mit dem Nachwuchs“, erzählt die kleine Frau mit den weißen Haaren und der Brille. Sie selbst wohnt nicht weit von der ehemaligen Klinik entfernt: im Pflegeheim „Sunpark“. Dunkelrot gestrichene Fassaden, moderner Bau. Die Bewohner haben laut der Seniorin des Öfteren Briefe an das Bezirksamt geschrieben, um zu erfahren, was mit dem maroden Bau passiert. „Ich würde mich freuen, wenn was Schönes aus den alten Gebäuden werden würde. Wohnungen sind doch eine gute Idee, so lange der Altbau erhalten bleibt“, sagt sie und geht mit ihrem Einkauf nach Hause.

Geplanter Wohnraum ist das Stichwort. Laut eines Berichts im „Tagesspiegel“ will der Investor „Comer Immobilienmanagement GmbH“, der im Juli 2007 die Klinik von dem Krankenhauskonzern „Vivantes“ gekauft hatte, über 900 Appartements zu einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro bauen. Bereits Mitte des kommenden Jahres soll es losgehen.

Der Grund für die Schließung der Gebäude im Januar 2005 war, „dass die Bereiche Gynäkologie, Geburtsmedizin sowie Kinder- und Jugendmedizin in das neu errichtete Mutter-Kind-Zentrum im Hauptstandort des Vivantes Klinikums Neukölln umgezogen sind“, erklärt „Vivantes“-Sprecherin Mischa Moriceau auf Anfrage und verweist bezüglich weiterer Nachfragen an den Investor. Allerdings hat sich dieser bis Redaktionsschluss nicht zu den Wohnungsplänen geäußert.

 

 

2 Kommentare:

  • richard sagt:

    Endlich und vielen Dank! Nach Brandstiftungen und geduldeter Verwahrlosung mit offenem Dach kümmert sich mal wieder jemand um den Schatz! Der „Investor“ entpuppte sich in den letzten Jahren offenbar als verantwortungsloser Spekulant. Der Bezirk/das Land (?) lehnte wegen des „ausländischen“ Eigentümers Ersatzvornahme (Dachreparatur) ab, weil dessen Inanspruchnahme zu aufwendig sei! Obwohl man auf das Grundstück hätte zugreifen können! Ich fürchte, da werden uns noch einige Überraschungen bevorstehen.

  • […] ging das Areal durch die Hände von zwei Wohnungsbaugesellschaften (sh. nknet-Artikel “Wohnen auf der Babystation”). Zuletzt kauften sich die Petrus-Werke der katholischen Kirche die verfallenden Gemäuer. Wie die […]

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