von am 17. Juni 2012

FLU-11: In einem Massage- und Yogastudio im Flughafenkiez wird ernsthaft behauptet: Willkommen im Paradies. Es gibt Bio-Smooties und richtig geile Brownies. Und Massagen umsonst.

Das Paradies ist eine Erdgeschosswohnung in der Erlanger Straße 13. Das Fenster zur Straße steht offen. Draußen hört man kleine Neuköllner Jungs, die von dem alten, grießgrämigen Nachbarn vom Balkon aus angeschimpft werden. Drinnen aber, im Paradies im Erdgeschoss ist ein Ort der Ruhe. In einer Ecke liegt eine Luftmatraze, verdeckt durch ein breites Tuch. Dort kann man sich hinlegen, zur Ruhe kommen vom Stress. Es werden Smoothies verkauft. Bio-Smoothies, natürlich. Sie heißen „Neukölln Cooler“, „Mrs. X“ und „Paradise Now“. Uli, die die Smoothies macht, sagt jedem der fragt, dass die Smoothies richtig lecker sind. Währenddessen werde ich von Rebecca massiert. Oh ja, das gibt es hier auch. Sogar kostenlos.

Ihre selbstgemachten Bio-Smoothies sind richtig lecker, sagt Uli.

Ihre selbstgemachten Smoothies sind richtig lecker, sagt Uli.

„Willkommen im Paradies“ nennt sich FLU-13. Die Kunst ist hier Nebensache. Unspektakuläre, mit Photoshop verhunzte Photographien zieren alibimäßig die Wände. Denn hier geht es nicht um Kunst oder um Photographie oder den ganzen Heckmeck. Es geht darum, sich wohlzufühlen. Im Flur gibt es richtig geile Brownies, die so schokoladig sind, dass sie fast im Mund zerfließen.

Die Kunst ist eher Alibi

Die Kunst ist eher Alibi

Rebbeca drückt auf eine Stelle an meinem linken Schulterblatt und erklärt mir, dass es weh tun müsste. In der tat, das tut es. Dann atme tief ein, atme gegen diese Stelle. Ich atme ein und dann wieder aus. Danach trinke ich einen „Neukölln Cooler“, der bei weitem nicht so lecker ist wie der „Paradise Now“.

Um 17 Uhr macht Janai eine Shiatsu-Show im Nebenzimmer. Die Wände sind mit bunten Tüchern verhangen, auf dem Boden liegen Matten. Auf einem Plakat erklärt eine gezeichnete Frauenfigur mit großen Brüsten, die grundlegende Yoga-Stellungen. Sie guckt irgendwie genervt.

Ihr Blick sieht irgendwie angestrengt aus.

Monoton dudelt Musik aus dem iPhone, von der weitgehend behauptet wird, sie trage zur Entspannung bei. Die Show besteht im Grunde darin, dass eine Person massiert wird, während die anderen zuschauen. Außer mir sind das noch zwei Frauen mittleren Alters. Eine dritte wird massiert. Janai macht einen sehr professionellen Eindruck. Geradezu sinnlich, wie sie ihren Körper während der Massage wiegt, im Rythmus der Musik. Ich bin nicht der einzige, der so denkt. Als sie fragt, wer als nächstes möchte, stürzt eine der Frauen dahin, bevor ich meinen Arm heben kann.

Ich gehe raus und treffe wieder auf Rebecca.  Sie erklärt mir, sie habe mich nach der Grinberg-Methode massiert. Eigentlich. Denn was ich bei dir gemacht habe, sagt sie lachend, war eher Freestyle.

Bisschen wenig Action: Im Paradies soll man entspannen

Bisschen wenig Action: Im Paradies soll man entspannen

Es ist nicht verkehrt, eine Stunde dort zu verbringen, sich zu erholen von dem Stress der letzten Tage. 48 Stunden können sehr hart sein, wenn man sie mit Kunst füllt. FLU-11 ist ein freundlicher Ort mit freundlichen Menschen. Man fühlt sich wohl. Aber irgendwie, wenn es mal dazu kommen sollte, wünscht man sich, dass im Paradies doch ein bisschen mehr Action wäre.

 

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