von am 15. Juni 2013

Wie verhalten wir uns im Alltag gegenüber Menschen, die aus fremden Ländern zu uns kommen, um ein Teil unserer Gesellschaft zu werden? Lassen wir sie spüren, dass sie fremd sind? Sozialpädagogin Silke Buchner befragte im Rahmen ihrer Ausstellung „Shift Happens“ Migrantinnen  was Deutschsein für sie bedeutet und zeigt die Antworten in Fotografien, Bildinstallationen und einem 20-minütigen Gesprächsmitschnitt.

Fotos: Anke Hohmeister

neukoellner.net: Silke, wie kam dir die Idee zu deiner Ausstellung „Shift Happens“?

Ich interessiere mich für das Thema Identität und die Fragen, die damit verbunden sind: Wer bin ich und was macht mich aus? Ich habe meine Diplomarbeit zum Thema Staatsangehörigkeit verfasst und bei meiner Recherche viel über die Identitätsprobleme von Migranten erfahren. Viele von ihnen, die sich nach §29 des Einwanderungsgesetzes für eine Staatsangehörigkeit entscheiden mussten, erlitten dadurch eine Art von Identitätskrise. Und ich interessierte mich für das Bild, das immigrierte Frauen von den Deutschen haben, denn in den Medien hört und liest man immer nur, was die Deutschen über die Migranten denken. Ich wollte den Frauen die Möglichkeit geben, zu beobachten statt immer nur beobachtet zu werden.

Letzte Vorbereitungen

Wie hast du die Frauen für dein Projekt gewonnen?

Zuerst konnte ich meine Mitbewohnerin Theresa, sie ist Spanierin, zum Mitmachen bewegen. Für die meisten Spanier sind wir Deutschen eher kühl und verschlossen. Theresa hat dazu eine schwarz-weiße Fotowand erstellt, weil sie Deutschland zu Beginn als farblos empfand. Außerdem lernte ich über den Verein TIO e.V. und dem Neuköllner Kulturverein e.V. viele interessante Frauen mit Migrationsgeschichte kennen. Meine Projektidee wurde dort sehr unterschiedlich aufgefasst. Viele Frauen fühlten sich bereits durch die Fragestellung diskriminiert, weil sie impliziert, dass die Befragte keine Deutsche ist. Andere Frauen erkannten darin die Chance, den Spieß umzudrehen und zu zeigen, wie es sich anfühlt, in ein Klischee gepresst zu werden.

Wie haben die Frauen die Zusammenarbeit empfunden?

Wir hatten alle großen Spaß beim Kreativ Sein. Viele haben umgesetzt, was ihnen bei den Begriffen „Deutschsein“ und „Deutsche“ spontan in den Sinn kam. Obwohl das Thema sehr unterschiedlich umgesetzt wurde, sind sich einige Bilder erstaunlich ähnlich. Daran sieht man, dass die Frauen häufig mit den gleichen Vorurteilen kämpfen. Auf keinen Fall wollten sie selber in die Rolle des Diskriminierenden fallen, sondern schlicht einen Spiegel vorhalten.

Wie haben die Projektteilnehmerinnen das Thema in ihren Werken umgesetzt?

Sehr unterschiedlich: Mit Pinsel und Farbe, in Fotografien oder in Skulpturen und Installationen. Funda erstellte zum Beispiel „Ohrfeige“, eine Art Büste aus Alufolie, die zeigt, wie eine große Figur eine kleine ohrfeigt. Erklärungen zu den Werken gibt es nicht, es soll sich jeder Besucher sein eigenes Bild machen.

Durch die Kooperation mit dem Kulturverein Neukölln e.V hast du eine Spendenbescheinigung erhalten. Gelang es dir, die angestrebten Gelder zusammenzubekommen?

Angedacht oder erhofft hatten wir 400 Euro. Leider haben wir diesen Betrag bisher nicht zusammen, weshalb wir hier zusätzlich eine Spendenbox aufgestellt haben. Viele haben uns aber mit Sachspenden unterstützt, Bastelmaterial und Handwerkszeug zum Beispiel. Dafür sind wir sehr dankbar.

Bist du zufrieden mit der Ausstellung?

Ich bin stolz auf die Frauen und das Endergebnis. Ich bin auch sehr froh, dass Olly Hewitt, der als Künstler arbeitet, mir bei der Installation geholfen hat. Ohne ihn hätte ich es nicht so gut umsetzen können, denn er ist auch handwerklich sehr begabt. Kritikpunkte gibt es immer, meistens von einem selbst. Etwa, wenn man ein Bild schräg aufgehängt hat oder das Licht nicht optimal ist. Das sind aber nur Kleinigkeiten. Ich hoffe sehr, dass unsere Mitmenschen mit Migrationsgeschichte durch unsere Ausstellung noch besser verstanden werden.

Shift Happens – Ausstellung von Silke Buchner, Sa 14 – 23 Uhr, So 14 – 18 Uhr im Gelegenheiten (WILD-02), Weserstraße 50

Die Fotos dieses Artikels wurden mit der Olympus OM-D E-M5 erstellt,
mit freundlicher Unterstützung von

 

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