von am 22. Juni 2011

48 Stunden Neukölln frönte dem Luxus und bot Ambitioniertes und Abwegiges.

„Luxus“ lautete das Thema des Kulturfestivals 48 Stunden Neukölln in diesem Jahr. Doch meistens waren die Ansätze der Künstlerinnen und Künstler, die sich in ihren Arbeiten damit auseinander setzten, doch recht mit dem Holzhammer gezimmert. In der Kindl Brauerei schrien einem übergroße Buchstaben „Kein Geld“ entgegen und ein Performance-Künstler schlief auf Pappkartons. Sich in Neukölln mit Luxus zu beschäftigen heißt also zwangsweise, sich mit Armut zu beschäftigen? Manche Idee hätte vielleicht noch einen Schritt weiter gedacht werden können.

Versteht man die 48 Stunden von Neukölln als eine Leistungsschau in Wowereit’schem Sinne, zeigte sich wieder ein buntes und ambitioniertes Gesamtbild der künstlerischen Aktivitäten im Kiez. Angesichts des dicken Programms verließ man sich am besten auf die Mundpropaganda der um einen herum flanierenden Besucher, um zu erfahren, wo sich die interessantesten Kunststücke versteckten. Darunter etwa die Ausstellung im Gefängnis in der Schönstedtstraße oder der Performance-Marathon im bunten Strobo-Licht im SPAR*K. Mit langen Gesichtern verließen dagegen die meisten am Sonntag Nachmittag die Schillerpromenade, als sich das lang und breit angekündigte Subwoofer-Konzert „Tiefdruckgebiet“ auf eine Hand voll brummender Familienkutschen beschränkte und keiner genau wusste, ob es jetzt überhaupt schon los gegangen war.

Wirklich bekannte Künstler suchte man auch im diesjährigen Programm vergebens. Dafür bietet das Festival einen Rahmen, um unabhängig von Erfolgsdruck oder großen Erwartungen einfach etwas zu machen, auf das man Lust hat. Für den Besucher ist 48 Stunden Neukölln dann wie eine Pralinenschachtel: man weiß nie, was man kriegt.

 

 

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