von am 29. Juni 2014
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„Mother Courage“ (links) mit Crackkumpel „Bernie“. Foto: Fabian Friedmann

Abermals hat das Kollektiv rund um die Ida Nowhere eine Simulation auf die Beine gestellt, die durch Einfallsreichtum und Detailverliebtheit besticht. Wer sich „entcourageiert“, kann viel über sich selbst lernen.

Um eine Sache vorab klarzustellen: Bei Ida Nowhere geht es weder ums Saufen noch um den Exzess. Vielmehr ist das offene Non-Profit-Kollektiv auf der Donaustraße, ein Platz für kreativen Output jeglicher Couleur. Wer in die Ida hineingeht und sich auf die gestellten Aufgaben einlässt, der kann viel über sich lernen. Denn hier herrscht Partizipation und Reflexion – schlicht das Ida-Prinzip.

En[t]Couragiert Euch!

Wie geht das in diesem Jahr? En[t]Courageiert Euch lautet das Motto für die 48 Stunden. Die Theorie: „Stelle dich Ida-esken Mutproben und verliere die Angst vor Courage!“ Die Praxis: Eine Mitmach-Simulation, die durch Einfallsreichtum und Detailverliebtheit besticht. Acht Mutproben gilt es für den Besucher zu bestehen. Der meldet sich beim Infopoint, bekommt dort ein Stickeralbum ausgehändigt und begibt sich anschließend auf die Reise durch die Stationen.

MutShoot, Barbeichte und Newsroom

Beim MutShoot muss die eigene Facebook-Timeline dran glauben, wenn wahlweise ein Foto mit einem Gezi-Protestler oder Jean-Claude Juncker im eigenen Profil gepostet werden muss. Nebenan wird vom „eiligen Kanonenrohr“ die Barbeichte abgenommen, während im Courageloch der Protagonist Ekel und Platzangst überwinden muss. Im Keller haben die Ida-Macher einen Newsroom aufgebaut. Wer schon immer mal skurrile Horror-Meldungen aus aller Welt verbreiten wollte, kann das hier tun. Das Video des eigenen News-Auftritts wird später auf Youtube veröffentlicht.

Mother Courage und Adornos F-Skala

Aber die Ida, wäre nicht Ida, wenn sie sich auf Bespaßung seiner Gäste beschränken würde. Wer alle Sticker gesammelt hat, auf den wartet die finale Mutprobe. Eine Siegeszeremonie. Auf der Bühne trifft man „Mother Courage“, eine cracksüchtige, alte Schlampe, die von einem verlangt, eine Aussage von Adornos F-Skala zu rechtfertigen. Das „F“ steht bei Adorno für Faschist. Und so mancher muss hier deutlich über seinen Schatten springen, um vor Publikum seiner autoritären Persönlichkeit freien Lauf zu lassen. Als Belohnung für die Teilnahme am Spießruten-Theater erhält man den Edward Snowden-Gedächtnisanstecker ans Revers geheftet.

Spötter würden nun sagen, die Ida möchte sich hier an der Peinlichkeit seiner Besucher weiden. Das sagt aber nur der, der sich nicht auf das Spiel einlässt und die Fantasie entwickelt, eigene Grenzen zu überwinden. Die Ida will keinen besseren Menschen aus dir machen, sie will dich zum nachdenken bewegen. Man darf gespannt sein, wie sie sich im nächsten Jahr neu erfindet.

PAS-20, En[t]Courageiert Euch!, Ida Nowhere, Donaustraße 79, So 12:00 bis 19:00.

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