von am 28. Juni 2015
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Zeichnung von Felix Hülpüsch, zu sehen bei Hi-ReS!

Die 48 Stunden sind gezählt, das Festival ist rum. Wir zeigen, was ihr am letzten Veranstaltungstag alles verpasst habt und ziehen ein nicht ganz versöhnliches Fazit.

21 Uhr – S.O.S. Rette das Fazit!

Nach einem langen Festival-Wochenende gehört das Fazit wohl zur Chronistenpflicht. Was bleibt also hängen von den 48 Stunden 2015? Um ehrlich zu sein: Nicht so viel wie in den vergangenen Jahren. Die Highlights hielten sich diesmal ebenso in Grenzen wie die Besucherzahlen, was sicher auch der starken Konkurrenz von CSD und Fusion geschuldet war.

tunnelWie soll es weitergehen?

Brauchen wir wieder mehr Klasse statt Masse bei den 48 Stunden? Mehr Innovation statt Stagnation? Vielleicht sollten sich auch mehr Künstler wieder am Leitthema des Festivals orientieren, anstatt es als Plattform für ihre ohnehin getätigten Arbeiten und Themen zu missbrauchen? Wie es funktionieren kann, zeigte exemplarisch das LIVEBOAT Chapter 5 auf dem Tempelhofer Feld. Ein klares Konzept, ein Mahnmal, das Jung und Alt gleichermaßen dazu einlud, etwas zu entdecken, das ein aktuelles politisches Thema klar umriss. Ein Ort der Zusammenkunft und(!) der Reflektion. Solche Orte waren auch die Ida Nowhere oder das Musikschiff oder die Laika-Lesebühne oder die Aktion RentARentna. Ein gläserner Konsumtempel an einem verkaufsoffenen Sonntag gepaart mit etwas durchschnittlicher Kunst ist es nicht!

 

20:25 Uhr – Closing im Kinski

Die 48 Stunden sind so langsam Geschichte. Zeit, die letzten zwei Tage Kunst und Kultur Revue passieren zu lassen. Und wo könnte man das besser tun als in einem Neuköllner Urgestein – dem Kinski auf der Friedelstraße. Doch leider ist heute ein sehr trauriger Tag, denn das Kinski macht nach fast zwei Jahrzehnten dicht. An dieser Stelle zitieren wir einfach mal von der Facebook-Seite des Kinski Kulturvereins: „Die Bar ist nicht das erste Urgestein, das der Gentrifizierung des Kiezes, der mittlerweile durch Immobilienverkäufe und Wucherpreise geprägt ist, zum Opfer fällt. Somit sind die 48h Neukölln eine unwiederbringliche Gelegenheit, nochmal vorbei zu schauen und dem nicht nur wegen seines Namens legendären Kulturverein im Norden Neuköllns Adieu zu sagen.“

 

18.30 Uhr – Erinnerungen an Neukölln

Den Künstlern des „Dienstleistungszentrums“ geht es nicht darum, icht darum, Kunst als Ware zu verkaufen, sondern Kunst als Austauschmöglichkeit zu nutzen. Die französische Künstlerin Barbara Cousin ist interessiert an den Erinnerungen der Besucher: In ihrem selbstgebauten Pavillon darf jeder solange er will Platz nehmen und ihr eine Geschichte erzählen aus Neukölln, etwas Persönliches, eine Erinnerung, Begegnung oder anderes. Während des Gesprächs zeichnet Barbara Cousin ein Portrait der Person, die wiederum auf einem Zettel ihre Erinnerungs-Notiz hinterlässt. Beides wird danach aufgehangen und reiht sich ein in die Zettelsammlung voller schriftlicher Fundstücke, von jemandem, der in  Neukölln immer vom Fahrrad fiel, bis zur schicksalhaften Begegnungen im Kiez. Da Barbara Französin ist, die Gespräche aber ebenso auf anderen Sprachen halten konnte, sind die Zettel ebenso multikulturell verfasst, wie Neukölln es selbst ist. Wer will, kann am Abend zurückkommen und sein Portrait wieder abholen. Für Barbara bleibt der Wunsch, weiter mit den Erinnerungen zu arbeiten, als „Memory Map of Neukölln“.

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Künstlerin Barbara Cousin im Pavillon des Dienstleistungszentrums. Foto: Florence Freitag

 

18:10 Uhr – Huch, wer hat den denn verloren?

 

18:00 Uhr – Kunst, die tröstet

Zufällig stießen wir auf Dirk Verschures neu eröffnetes Atelier „Big Bunnies“ in der Emser Straße. Der gebürtige Niederländer lädt während der 48 Stunden zur „Sprechstunde„: Die Besucher dürfen ihm seine Sorgen und Nöte erzählen und er zeichnet dazu einen passenden Cartoon. Das Event wird er zukünftig regelmäßig anbieten, voraussichtlich an jedem ersten Dienstag im Monat.

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Dirk Verschures heilender Comic für Chefredakteurin Regina Lechner.

 

17:40 Uhr – Inferno in der Reuterstraße

 

17:30 Uhr – Huldigung eines Komposthaufens

Gleich wird am Karl-Marx-Platz einem Komposthaufen mit Musik und Gesang gehuldigt. Leider ist der Haufen nicht so groß geworden wie gehofft, so die Künstlerin und Bio-Chemikerin Martina Kolarek. Trotzdem können die Besucher spüren, wie die Gärung den Berg warm werden lässt. Hand auflegen erlaubt!

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Kompost: Wärme für 48 Stunden.

 

17:10 Uhr – Gender in Fiberglas

Das Werk „Gender in Fiberglas“ hängt im „Mohnlicht“ in der Mahlower Straße. Es gibt aber auch Blüteninlays in Schalen, Leuchten, Tassen … und eine Connection zur Designerin Virginia Rondeel – die sprach dort über Nachhaltigkeit in der Mode.

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Sie, sie, sie… auf Fiberglas.

 

16:45 Uhr – Outdoor-Lesung vor der Laika

Outdoor Lesung vor der Kneipe Laika in der Emser Straße 131, Geschichten vom Weltuntergang. Sehr unterhaltsam, aber auch blutig und brutal. Huiuiui!
Um 17 Uhr folgen nochmals drei Geschichten.

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Live. Lesung. Laika.

 

16:15 Uhr – Führung in den Glockenturm

Wer schon immer mal den Reuterkiez von oben betrachten wollte, der hat um 17 Uhr wieder die  Chance dazu. Pater Kalle Lenz führt zunächst durch die Kirche St. Christopherus und besteigt anschließend mit den Teilnehmern den Kirchturm. Extra Glockenspiel inklusive!

 

15:35 Uhr – Hier hängt der Besucher selbst

Der Schillerpalais verkauft Lose für zwei Euro das Stück. Bei Gewinn darf der Besucher zu Hammer, Nagel und Bohrmaschine greifen und eins der Bilder aufhängen. Für unsere Chefredakteurin gab’s leider nur ’ne Niete. Durfte sie aber trotzdem mit Klebeband an die Wand pappen.

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Dreimal Niete.

 

15:10 Uhr – LIVEBOAT’s everybodys darling!

Die Sonne lacht über dem Tempelhofer Feld und vorm LIVEBOAT des Künstlerkollektiv Plastique Fantastique bilden sich lange Schlangen. Trost: Es geht sehr schnell voran.

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Menschen, die durchs Boot gehen wollen: LIVEBOAT auf dem Tempelhofer Feld.

 

14:50 Uhr – Impressionen vom Wegesrand III

Monster, Pistolen und Pils – unsere Fotografin Anke Hohmeister sammelt Impressionen vom Wegesrand von den 48 Stunden.

 

14:15 Uhr – Spieglein mit Bildlein an der Wand

Wir wissen auch nicht, auf welche Weise uns diese Ausstellung entschleunigen soll. Die extrem spiegelnden Bilderrahmen machen ein Sinnieren über die Botschaften der Werke jedenfalls schwierig. „Entschleunigung durch Kunst“ im Nachbarschaftstreff im Schillerkiez (Mahlower Straße 27).

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Bildlein, Bildlein an der Wand, wer spiegelt am schönsten im ganzen Land?

 

13:40 Uhr – Startschuss in der Ida

Wer heute noch sein Kunstdiplom erwerben möchte, der kann das bis 19 Uhr an der Freien Irrationalen Universität in der Ida Nowhere. Hier alle Bilder von der gestrigen Studentensause in der Donaustraße.

 

12:58 Uhr – Ein bisschen Traum muss sein!

12:50 Uhr – Das Ist Nicht Kunst

Dass bei den 48 Stunden Neukölln am Wegesrand auch grenzwertige Artikel und Gewerke auf die Festival-Besucher warten, beweisen diese vier Impressionen von Nicht-Kunst.

 

12:35 Uhr – Der entspannte Bällepool

Sich fühlen wie ganz früher bei Ikea – ohne den Wahnsinn bei Ikea: In der Boddinstraße 8 kann man tauchen, im Ballscape von Spark! Ab 15 Uhr ist heute wieder Badezeit.

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Der Bällepool als Bal(l)sam für die Festival-Seele.

 

12:15 Uhr  – Schaufensterpuppen des Todes

Das Prachtwerk bietet nicht nur die Porträts verblasster Querdenker von Jonas-Caspar Sattler. Im Keller erwartet den Besucher die Arbeit der Künstlerin Judith Unfried. Zehn Schaufensterpuppen, teils hängend, teils stehend, zeigen auf ihrem Rücken Blut, Gewalt, Krieg, politische Ausbeutung und Intrigen. Offen gelegte Herzen spiegeln dabei die Auswirkungen auf unser Innenleben. „let man be a noble creature“ ist ein Marionettentheater der Macht, das unterlegt wird von düsteren Klängen. Der Betrachter kann die Raum der Skulpturen begehen, und so ein nachdenklicher Teil der Installation werden.

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Judith Unfrieds Schaufensterpuppen erzählen von Krieg, Intrigen, Ausbeutung und Gewalt.

 

12 Uhr – Shoppingtipps für den Sonntag

Die geschäftstüchtigen Neukölln Arcaden haben ausnahmsweise auch am Sonntag geöffnet, von 13 bis 18 Uhr. Als unkommerziellere Alternative möchten wir euch jedoch den Floh-Tausch-Schenke-Markt im Gemeinschaftsgarten Prachttomate ans Herz legen. Ab 16 Uhr spielt dort auch eine Band. Ebenfalls nett wird sicherlich der Hofflohmarkt in der Rue Bunte, alle Infos siehe unten im Bild.

Flohmarkt

 

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