von am 27. Juni 2012


Uwe Köhler hatte keine Lust auf Chefs. Er wollte etwas anderes. Mit Martin Bernasch eröffnete er eine Bar – das „Zatopek“. Dort gibt es eine offene Bühne, die gerne von Musikern frequentiert wird. Ein Gastbeitrag des Open Stage-Blogs „Give Me  A Stage“.

 

Sie hatten die ganze Pizzeria auseinander genommen: Weg mit dem Holzdach überm Tresen, weg mit den Malereien an der Wänden, weg mit dem Stuck an den Decken. Warum? „Weil’s scheiße aussah.“ sagt Uwe Köhler. Und weil er und Martin Bernasch wussten, wie man aus den Trümmern eine neue Kneipe aufbaut. Uwe ist gelernter Tischler, Martin Elektriker. Das perfekte Duo, um den Traum von der eigenen Kneipe zu verwirklichen. Aus dem Pizzeriadach wurden ein DJ-Pult und ein Sofa. Den alten Tresen haben sie verlängert. Dann kamen ein paar Tische, Stühle, Sessel, Mustertapete, ein Kickertisch und eine Bühne dazu. Fertig war das Zatopek!

Studentinnen mit Büchern auf der Wiese

Bis es soweit kam, hatte Uwe die wahrscheinlich wichtigste Lektion seines Lebens gelernt: Chefs können ihn nicht leiden und er mag sie nicht. Während seiner Ausbildung zum Tischler bemerkte er es zum erstem Mal: „Die ganze Arschkriecherei, die man braucht, um irgendwie klarzukommen, die liegt mir einfach nicht.“ Aber es gab noch einen anderen Grund, warum er meinte, in dem Beruf nicht glücklich zu werden: „Unser Holzlager war neben einer Universität. Da hab ich immer den Studentinnen zugesehen, wie sie mit ihren Büchern auf der Wiese lagen. Dort wollte ich auch hin.“ Als ich anmerke, dass das etwas voyeuristisch klingt, muss Uwe grinsen. Der Tischler sei eben ein Männerberuf, erklärt er mir. Was ihn da störte, war also auch die Abwesenheit von Frauen.

Uwe fing dann an, Sozialpädagogik zu studieren. Ein Beruf, in dem zwar die Frauenquote stimmt, nur die Hierarchien an der Uni, daran hat er sich dann doch gestoßen. „Irgendwann habe ich überlegt, was mir in meinem Leben am meisten Spaß gemacht hat. Das waren meine Nebenjobs in Kneipen.“ Als Kneipengänger hatte Uwe oft gedacht: „Diese Kneipe ist ja gar nicht schlecht, aber auch nicht toll.“ Irgendetwas hatte immer gefehlt. „Wenn man so etwas sagt, dann muss man es auch besser machen können.“

Der tschechische Marathonläufer

Gesagt, getan! Wie Uwes Traumkneipe aussieht, das kann man in Neukölln in der Niemetzstraße 24 sehen. An der Außenwand prangt das Portrait eines Mannes. „Zatopek, das ist Emil Zátopek, ein tschechischer Sieger im Marathonlauf.“ erklärt mir Uwe. Eine lange Geschichte gibt es zu der Namenswahl nicht. Uwe und Martin waren sich einfach einig, dass Zatopek toll klingt. Aber ihr Logo, das hat eine Geschichte. Neben dem Zatopek-Schriftzug sieht man einen kleinen Hamster im Laufrad. Wer den tschechischen Marathonläufer nicht kennt, wird vielleicht diesen Hamster schon gesehen haben: In Werner Teil 1. Zu Beginn des Streifens sitzt Comiczeichner Brösel im Gefängnis und ein kleiner Hamster namens Zatopek strampelt im Laufrad, um Strom für Brösels Lampe zu erzeugen.

Meine Songs mit Cello

Zur perfekten Kneipe gehört für Uwe auch eine Open-Stage. „Ich finde es toll, wenn sich Leute auf einer Bühne zusammenfinden, die sich gar nicht kennen und einfach jammen.“ sagt Uwe. Selbst spielt er ab und zu Bass. Am Anfang saßen er und ein Freund allein da, mit Gitarre, Bass, einer Elektroorgel und Trommeln. Manchmal kamen auch andere Musiker. Manchmal gingen sie schnell wieder, weil zu wenig los war. Irgendwann kam ich mit meiner Gitarre und lernte die Vorzüge einer spärlich besuchten Open-Stage zu schätzen: Die Stage wird dann zu einem öffentlichen Proberaum und man hat mehr Zeit, seine Songs zu spielen. Aber am schönsten ist es natürlich, wenn andere Musiker mitmachen. Ohne das Zatopek hätte ich wohl nie herausgefunden, wie schön meine Songs mit Cellobegleitung klingen.

 

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