von am 25. August 2016
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Das Team von Off-Kultur, von links: Kevin Halpin, Michael Aniser, Anton Teichmann und Emma Czerny. Foto: Benedikt Ellebrecht

Nächste Woche findet in Neukölln nicht nur das Pop-Kultur Festival statt, sondern auch das Festival Off-Kultur. Es ist aus einer kritischen Haltung gegenüber der Veranstaltung Pop-Kultur entstanden und will Alternativen anbieten.

Pop-Kultur bespielt verschiedene Orte in Neukölln mit einem geballten Programm aus Konzerten, DJ-Sets, Talks, Lesungen und einer Ausstellung. Neben Diversität und Internationalität schreibt sich das Festival auf die Fahnen, der Berliner Szene mehr Geltung zu verschaffen. Darin geht die Veranstaltung, ein Projekt des Musicboards Berlin, aber manchen nicht weit genug. Emma Czerny, auch bekannt als Musikerin Magic Island, die Veranstalter Kevin Halpin (Shameless/Limitless) und Michael Aniser (Noisekölln) sowie Anton Teichmann vom Label Mansions and Millions haben aus diesem Grund das Festival Off-Kultur ins Leben gerufen. Worum es dabei geht, haben uns zwei der Organisatoren erzählt.

neukoellner.net: Warum braucht es Euer Festival Off-Kultur?
Anton Teichmann: Wir finden, Pop-Kultur hätte mehr lokale Veranstalter und Musiker aus Berlin ins Programm nehmen sollen, anstatt Bands, die ohnehin gerade auf Tour sind. Bei uns fallen vielleicht einige Namen auf, die ohne Probleme auch bei Pop-Kultur hätten spielen können. Wir versuchen zu zeigen, was das Festival hätte anders machen können. Und wir finden es schwierig, dass Neukölln so groß in der Marketingstrategie benutzt wird, ohne dass es eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bezirk gibt.

Auf dem Flyer wird zum Beispiel Neukölln in eine Reihe mit Tokio, New York und London gesetzt, auch auf den Plakaten ist der Name des Stadtteils groß zu lesen.
Michael Aniser: Gleichzeitig will Pop-Kultur aber nichts mit Neukölln zu tun haben und kein Stadtteilfestival sein. Als wir das angesprochen haben, hieß es, das sei ja nur ein Witz. Das finde ich bitter: Hier machen Läden zu, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können, und ein Festival mit riesigem Budget kann sich so einen Witz erlauben. Da wird Geld in ein Prestigeprojekt gepumpt, während die Infrastruktur vor Ort langsam wegbricht.

Geht es euch darum, Neukölln anders darzustellen?
Teichmann: Neukölln ist für uns nicht der Kronleuchter im Heimathafen, sondern eher das abgefuckte Klo im Loophole. Sowas sollen die Leute bei Pop-Kultur aber nicht sehen, das zieht die Investoren nicht an. Aber wir wollen uns ganz klar nicht als Sprachrohr der Neuköllner Szene positionieren. Dafür ist der Stadtteil viel zu vielfältig. Wir sind ein Teil der lokalen Szene, der einen gewissen Personenkreis umfasst. Und daraus wurde niemand gefragt, sich an Pop-Kultur zu beteiligen.

Ihr wart mittlerweile auch in Kontakt mit den Veranstaltern von Pop-Kultur. Wie lief das ab?
Teichmann: Am Tag der Ankündigung unseres Festivals habe ich einen Anruf bekommen. Schon am Telefon war mein Eindruck, dass auf unsere Kritikpunkte nicht eingegangen wurde. Dann haben wir uns an einen Tisch gesetzt, aber auch dabei kam wenig heraus. Wir wollten ja nicht nur kritisieren, sondern einen Diskurs starten, und das findet nun durchaus statt. Welchen Einfluss unser Festival haben wird, können wir aber noch nicht sagen.

Wie ist das Programm von Off-Kultur entstanden?
Aniser: Es war alles extrem kurzfristig. Jeder der vier Organisatoren hat schnell seine Leute zusammengetrommelt. Die einzelnen Promoter konnten dann selbst entscheiden, wie sie ihre Orte bespielen.

Wie finanziert sich euer Festival?
Aniser: Das Finanzielle regeln die Promoter selbst, also sie legen den Eintritt fest und verhandeln Gagen. Die Gewinne gehören ihnen. Jeder von uns vier Organisatoren macht auch eigene Veranstaltungen beim Festival und wir sind koordinierend tätig. Diese Arbeit erfolgt unentgeltlich und rein in unserer Freizeit.

Das Pop-Kultur-Festival wird veranstaltet vom Musicboard, einer Einrichtung, die 2013 vom Berliner Senat initiiert wurde. Diese Konstellation findet ihr problematisch – inwiefern?
Teichmann: Das Musicboards fördert verschiedene Festivals, die aus unserer Sicht bereits den Anspruch von Pop-Kultur erfüllen. Zum Beispiel das Torstraßenfestival, bei dem viele Berliner Bands spielen, und das besser abbildet, was im Moment in der Stadt passiert. Gleichzeitig ist das Musicboard mit Pop-Kultur selbst Veranstalter eines großen Festivals, das in Konkurrenz zu anderen geförderten Festivals tritt.

Off-Kultur findet zur selben Zeit wie Pop-Kultur statt. Erschafft ihr damit nicht auch eine Konkurrenz?
Aniser: Wir sind natürlich auf dem Konzertmarkt eine Konkurrenz zu den Veranstaltungen, die zeitgleich stattfinden. Aber wir versuchen Bands Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen und nehmen keine Künstler vom Markt. Wer bei uns spielt, kann gerne auch eine Woche später woanders spielen. Das macht es uns vielleicht nicht einfach, aber wir wollen den Künstlern keine exklusiven Konditionen diktieren. Anders ist es bei Pop-Kultur, was den Markt schädigt, anstatt ihm zu nützen.

Das Festival Off-Kultur findet von 31.8. bis 3.9. an verschiedenen Orten in Neukölln statt. Unter anderem gibt’s zum Auftakt eine Opening Party in der Grießmühle mit Omer, James K und Moon Wheel. Eine längere Fassung dieses Interviews findet sich auf der Website des Groove Magazins

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Ein Kommentar:

  • Max sagt:

    Interviews mit schlecht gekleideten Hipstern, die sich selbst zu wichtig nehmen, scheinen auf dieser Seite wohl einen höheren Stellenwert einzunehmen als die anstehenden BVV-Wahlen in Neukölln…

    Bitte, liebe Neuköllner.net-Redakteure, beschwert euch nicht mehr über zu hohe Mieten oder die sich ausbreitende Gentrifizierung im Kiez. Das nimmt man euch nach Promotion-Artikeln dieser Art nicht mehr ab.

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