von am 8. Oktober 2012

Donnas Gästehaus in der Herrfurthstraße wirbt mit schummerigen Zimmern, billigen Preisen und allerlei „Büroservice“. Die Besitzerin kennt sich aus im Kiez und hat mit der Öffnung des Tempelhofer Feldes nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

Text: Insa Eekhoff

Das Gästehaus in der Herrfurthstraße wird schnell übersehen. Oder belächelt. Nahezu unscheinbar fügt es sich in die Häuserreihe. Lediglich der angepriesene „Büroservice“ mit Management, Lohnsteuer und sonstigem allerlei in Kombination mit romantischen Fotos von Zimmern in roter Beleuchtung lassen Vorbeiziehende aufschauen. Mit ausgelegtem Kunstrasen vor der Tür, zahlreichen Vorhängen und einem meist geschlossenen Fliegengitter ist das kleine Hotel eine Rarität in Zeiten großer Hostels.

Beim Eintreten steht man etwas hilflos in dem kleinen Eingangsraum, der eher an ein Wohnzimmer als an eine Lobby erinnert. Wer Pech hat, muss sich auch gleich vor der aufgebrachten Chiwawa Hündin verteidigen, die Gäste nur mit großem Argwohn begrüßt. Doch auch Donna, Besitzerin des Gästehauses, scheint die Skepsis Ihres Hundes anfänglich zu teilen. Die Berlinerin, mit dunkel-lila Haarpracht und rosa Trainingsanzug, berichtet bei einem kleinen Rundgang durch die wenigen Zimmer von ihrem Gästehaus, das sie ganz alleine führt, und dem Wandel im Kiez. Werbung scheint sie nicht nötig zu haben. Während des Besuchs klopfen immer wieder Leute an und fragen nach freien Zimmern. Doch Donna ist ausgebucht. Eigentlich wie immer.

Donna, wie lange gibt es Dein Gästehaus schon?

Ich habe das Gästehaus 2004 mit meinem Sohn eröffnet, der die Räume noch gleichzeitig für sein Büro genutzt hat. Ich habe am Anfang auch noch einen Büroservice angeboten. Leuten aus der Nachbarschaft bei Formularen von Behörden geholfen, kleinere Übersetzungen gemacht. Ich habe früher BWL und Management studiert, habe dann aber früh mein erstes Hotel mit 60 Betten in Berlin gehabt. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich mich verkleinern. Mein Sohn ist 2005 mit seinem Büro umgezogen und seitdem betreibe ich das Gästehaus alleine.

Wieviele Zimmer gibt es?

Grüner Teppichboden und rote Bettbezüge: Ein Zimmer in Donnas Gästehaus.

Nach der Renovierung 2005 haben wir von drei auf fünf Zimmer aufgestockt. Es gibt Zimmer mit jeweils zwei Betten oder auch einem Doppelbett. Allerdings gibt es in den meisten Zimmer kein eigenes Bad, sondern nur ein Waschbecken. Das Gemeinschaftsbad steht dann allen zur Verfügung. Aber hier muss keiner nackt über den Flur laufen. Jeder Gast bekommt von mir einen Bademantel.

Was habe ich zu erwarten, wenn ich ein Wochenende bei Dir wohne?

Ach, das ist gar nichts besonderes. Ich zeige dir dein Zimmer, die Küche, das Bad, wie das Internet funktioniert und so weiter. Wenn du nicht aus Berlin kommst, drück ich dir noch einen Stadtplan in die Hand. Wenn man will, kann man sich hier auch zusammensetzen und Fußball gucken.

Gibt es typische Gäste für Dein Gästehaus?

Großteils sind es Monteure, die für kleines Geld eine Unterkunft brauchen. Aber auch Touristen wohnen bei mir. Viele Gäste kommen immer wieder, daher kennt man sich schon.  Es gibt schon Stammkunden, die immer wieder kommen.

Was kostet eine Nacht?

Zwischen 30 und 40 Euro für ein Doppelzimmer für zwei Personen. Das heißt 15 Euro pro Nase. Das ist schon unschlagbar.

Wie hoch ist die Auslastung? Gibt es Flauten?

Ich habe eine 97 prozentige Auslastung der Zimmer. Egal ob Ferienzeit, Winter oder Sommer. Und auch unabhängig von der Öffnung des Feldes.  Wir haben langjährige Stammkunden und brauchen nicht mal Werbung zu machen. Das funktioniert irgendwie über Mundpropaganda. Ich verstehe manchmal selbst nicht, wie die ganzen Leute auf mich kommen und sich hier bei mir einmieten. Ich muss auch regelmäßig Leute wegschicken, weil ich ausgebucht bin.

Wie beobachtest Du die Veränderung im Viertel? Gerade aufgrund der direkten Nähe zum Tempelhofer Feld.

Es ist schlechter geworden. Nachts ist es laut und es wird viel kaputt gemacht. Früher hatte ich draußen immer noch Blumentöpfe und Stühle stehen. Die wurden mir aber alle geklaut oder kaputt gemacht. Die Leute randalieren hier mitten in der Nacht, wenn die Gäste schlafen wollen, pinkeln an die Hauswände und nehmen einfach Blumen mit. Deswegen dekoriere ich gar nicht mehr draußen. Früher gab es noch mehr Vertrauen zwischen den Nachbarn. Es hat sich jeder geduzt und jeder kannte jeden. Egal ob Alkoholiker, arbeitslos oder sonst was. Es gab da keine Wertungen. Das ist jetzt komplett weg.

Hattest Du schon Erfahrungen mit Mieterhöhungen oder ähnlichem?

Klar, hatten wir auch schon Mieterhöhungen. Aber das war noch ok. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass die mich hier raushaben wollen. Aber ich sehe es bei den Nachbarn, die aus ihren Wohnungen gedrängt werden. Ich habe nichts gegen die jungen Leute, die hier herkommen, aber die Art wie auf alte Mieter von den Hausverwaltungen Druck ausgeübt wird, finde ich nicht in Ordnung. Jetzt fange ich wieder an Nachbarn und Bekannten zu helfen, wenn sie Briefe von den Verwaltungen bekommen.

 

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