von am 19. November 2013

unco-sala-da-mangiare-700-1 Marcella hat Mauro in seinem Restaurant in Neukölln für das Interview-Magazin Uncò Mag aus Verona besucht und uns freundlicherweise ihren Text zur Verfügung gestellt. Ein Gespräch unter Italienern über Super 8, über Italien – und natürlich: über Essen.

Text & Fotos: Marcella Bianchi / Übersetzung: Holger Eichinger

Mauro Paglialonga, 30 Jahre, aus Ravenna lebt seit vier Jahren in Berlin. Die Tür ist angelehnt und die Rolläden sind noch halb unten, es ist 11 Uhr und ich stehe vor dem „Sala da Mangiare“ in der Mainzer Straße und man ist hier heute mit der Zubereitung der „Tortelli alla Mantovana“ beschäftigt.

Mauro begrüßt mich in seinem Lokal, mit mehligen Händen und bietet mir einen Café an. Einer von der Sorte, die mit Liebe gemacht sind, so wie früher: mit Ruhe zubereitet und mit einer Maschine die sehr alt aussieht, und die man vor allem nach dem Lärm beurteilen kann, den sie verursacht: Sagen wir, entweder man unterhält sich oder man macht Café oder man brüllt. In alle Lokalen, in denen ich Station mache, scheint es Usus zu sein sehr alte und laute Maschinen für die Zubereitung des Cafés zu benutzen, aber nach dem Geschmack zu urteilen, verstehe ich die Wahl.

Mauro ist Besitzer dieses Restaurants dessen Spezialität die nach alter Art selbst gemachte Pasta ist. So wie sie die Oma gemacht hat. Mauro zieht die Pasta mit der Hand und zeigt mir stolz seine Werkzeuge, einfach aber wirksam.

neukoellner.net: Mauro, warum bist du hier nach Berlin gekommen?

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„Unsere Spezialität ist hausgemachte Pasta aus hervorragenden Zutaten und nach unseren traditionellen Rezepten zubereitet.“

Mauro: In Italien habe ich Film studiert und ich bin schon vorher über die Universität nach Spanien und Kolumbien gereist. Dann wollte ich Filmschaffende finden, die mit Super 8 filmen. Die Filme die man in den Siebzigern verwendet hat, sind meine große Leidenschaft und so habe ich beschlossen nach Berlin zu kommen um nach dieser Realität zu suchen.

Darauf zeigt er mir eine auf seinen Unterarm tätowierte „superotto“, die Super 8, und eine auf der Anrichte für die Gläser. So eine Kamera habe ich bisher noch nie gesehen.

Mauro: Aber ich habe damit nicht viel Geld verdient, also haben ein Freund und ich angefangen, Bruschette auf den Märkten und während den Musikfestivals in Berlin zu verkaufen. Es ist aus dem Spaß an der Sache heraus entstanden und dann ist es zu einem Vollzeitjob geworden. Zwei eisige Winter haben mir gereicht, um mich zu entscheiden, mich nach einer festen und vor allem geschlossenen Lokalität umzusehen.

Also hast du dieses Lokal eröffnet, ist das schwierig gewesen?

Ich würde sagen nein. Hier war eine Küche, ein Tisch, und einen Kühlschrank habe ich auf der Straße gefunden. Den Rest habe ich komplett selber gebaut, außer diesen Schrank. Für den Rest habe ich nur Recyclingmaterial benutzt, so wie beim Tresen, der aus einer Tür gemacht ist, die ich in einem verlassenen Haus draußen auf den Feldern bei meiner Stadt gefunden habe.

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Seit etwas über einem Jahr gibt es die Sala di Mangiare in der Mainzer Straße

Und hast du vorher schon mit Gastronomie zu tun gehabt?

Eigentlich nicht. Was ich in der Küche meines Restaurants mache, ist nichts anderes als eine Umsetzung dessen, was ich in meiner Küche daheim auch mache.

Wann hast du das „Sala da Mangiare“ eröffnet?

Seit Kurzem ist es mehr als ein Jahr her und ich muss sagen, dass es sehr gut geht. Ich bin zufrieden. Unsere Spezialität ist hausgemachte Pasta aus hervorragenden Zutaten und nach unseren traditionellen Rezepten zubereitet.

Mauro unterbricht einen Moment als ihn Alessandro, sein italienischer Mitarbeiter aus der Küche, ruft, um zu fragen wie viel Gramm Mehl man für den Tortelli Teig braucht.

Wie viele Leute arbeiten hier?

Einer in der Küche mit mir und zwei Mädels die den Service machen – alles Italiener.

Fehlt dir das Filme machen, was du ja eigentlich studiert hast?

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„Ich rufe oft in Italien an, um zu fragen wie oder wie lange etwas gekocht wird.“

Ich würde sagen nein. Auch, weil ich nicht aufgehört habe zu filmen. Der einzige Unterschied ist, das ich viel weniger produziere als vorher. Aber die Welt, in der ich mich gerade befinde, erlaubt es mir all die notwendigen Erfahrungen zu machen, die nötig sind um meine Arbeiten weiter zu entwickeln, die dadurch unausweichlich von meinem Alltag inspiriert sind. Ich schaffe es vielleicht nur einen Kurzfilm im Jahr zu machen, aber das ist schon in Ordnung.

Bekommst Du mit, ob viele Italiener hier nach Neukölln kommen?

In den letzten zwei Jahren sind viele Italiener hierher gekommen. Man sagt, dass täglich 50 Italiener in Berlin ankommen. Wenn ich mich auf das stütze was ich im letzten Jahr gesehen habe, fällt es mir leicht das zu glauben. Es reicht ja schon zu hören, wie viel italienisch auf der Straße gesprochen wird.

Und hast du hier in Berlin mit vielen Italienern Kontakt?

Ich würde sagen ja, es gefällt mir mit Italienern zusammen zu sein, und ich kenne viele die hier eine Bar, Restaurants oder Eisdielen eröffnet haben und dann bin ich auch immer mit meinen Freunden von daheim in Kontakt. Ich rufe oft in Italien an, um zu fragen wie oder wie lange etwas gekocht wird.

Gibt es hier keinen Konkurrenzkampf zwischen all den Italienern die sich hier in der Gastronomie betätigen?

Ach was! Im Gegenteil, ist doch wunderbar! Das man aus dem selben Land kommt, schweißt zusammen. Und dann ist da keine wirkliche Konkurrenz, weil wir alle verschiedene Sachen machen. Jeder Italiener, der hier was aufmacht, will das typische seiner Stadt oder Region mitbringen, weil das ja gerade die Stärke von Italien ist. Wir haben verschiedene Traditionen, vor allem kulinarischer Natur. Überall.

Was vermisst du am meisten an Italien?

Gut, unsere Produkte und unser Essen sind ein Magnet. Um gar nicht erst von unserem Land, den Regionen und den Situationen dort zu sprechen, wenn du eine romanische Kirche in einer ein bißchen dekadenten Ausführung vor dir hast: Das ist Geschichte und Emotion. Dann sind da natürlich die kleinen Gässchen der italienischen Städte oder der Sumpf von Ravenna im Winter, das ist etwas sehr düsteres, mystisches. Das sind Stationen, die ich nicht auslassen kann, wenn ich für vier Tage nach Hause komme. Ich kann den Sumpf einfach nicht auslassen, diese ursprüngliche Natur, die Fischerhütten aus den den vierziger Jahren nahe dem Hafen. Es sind alles diese Momente, die mehr oder weniger mit der Natur zu tun haben und mehr oder weniger aus anderen Epochen Italiens kommen. Davon ist das Land wirklich durchtränkt. Italien erweckt das Vergangene und die Nostalgie von etwas, das einmal war, wieder zum Leben. Das ist überall sichtbar vorhanden. Berlin ist eine neue Stadt, die einem wenig Möglichkeit bietet, in Nostalgie zu schwelgen. Hier spürt man die Vergangenheit anders.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf italienisch auf Uncò Mag erschienen. Wer sein Italienisch mit der Originalversion ein bisschen auf die Probe stellen möchte: hier entlang.

Sala di Mangiare
Mainzer Straße 23
12053 Berlin-Neukölln

Di – Fr: 12:30 – 14:30 Uhr
Di – Sa: 19:00 – 22:30 Uhr

 

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Und wenn der nette Italiener um die Ecke mal nicht offen haben sollte: Einfach den passenden Lieferservice in Neukölln auf pizza.de finden und das Essen nach Hause kommen lassen.

 

2 Kommentare:

  • wodenn sagt:

    Da sind ein paar Übersetzungsfehler drin. Dieser Absatz müsste folgendermaßen heißen:

    „Ich würde sagen nein. Hier war eine Küche, ein Tisch, und einen Kühlschrank habe ich auf der Straße gefunden. Den Rest habe ich komplett selber gebaut, außer diesen Schrank. Für den Rest habe ich nur Recyclingmaterial benutzt, so wie beim Tresen, der aus einer Tür gemacht ist, die ich in einem verlassenen Haus draußen auf den Feldern bei meiner Stadt gefunden habe.“

  • Max Büch sagt:

    Hallo wodenn,
    danke für die Mühe!! Ist ausgebessert…
    Lieben Gruß vom neukoellner

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