von am 22. März 2014

Die verlassene Kleingartenkolonie „Hand in Hand“ ist Schauplatz von Miriam Wuttkes Projekt „Secret Garden“. Die künstlerischen Arbeiten, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, kann man sich an diesem Wochenende in ihrem Atelier ansehen. Die Ausstellung ist Teil des Kunstrundgangs „Frühlingserwachen“.

neukoellner.net: Miriam, Wie bist du auf den Garten gestoßen?
Miriam Wuttke: Ich kenne den Garten seit drei Jahren und beobachte, was dort passiert. 2012 wurde die Kleingartenkolonie ganz schnell dicht gemacht, wegen dem Ausbau des Campus Rütli (wir berichteten, Anm. d. Red.). Es gab einen Kompromissvorschlag von den Pächtern, die auch mit der Schule kooperieren wollten, davon wollte aber niemand was wissen. Innerhalb von ein paar Tagen wurde das platt gemacht. Und seitdem ist kaum etwas passiert. Da ist jetzt eine Brachfläche, und hin und wieder kommt mal ein Bulldozer und schiebt einen Hügel weg. Ich laufe jeden Tag mit meinem Hund dran vorbei und habe letztes Jahr gemerkt, dass sich immer wieder Leute dort aufhalten, obwohl es eigentlich verboten ist.

Was genau hat dich an dem Ort fasziniert?
Ich fand diese Brache einladend. Das hat mich sofort an meine Kindheit erinnert, an das Spielen an verbotenen Orten und an Bücher, die von versunkenen Städten handelten. Der Wildwuchs ist ein Zeichen für die Kraft der Natur, die sich immer gegen den Menschen durchsetzen wird. Als ich begann, den Ort zu erkunden, habe ich mich gerade viel mit Zerstörung auseinander gesetzt im Rahmen eines Projektes in Remagen. 1945 wurde dort eine Brücke gesprengt und an den Brückenpfeilern, die davon noch übrig sind, habe ich eine Performance gemacht. Das Verschwinden des Gartens ist einerseits interessant und inspirierend für mich, aber natürlich auch traurig. Es wurde so viel Energie reingesteckt von Menschen, die dort etwas aufgebaut haben. Mit einem Mal ist das weg. Die Fläche wurde ja seit 1935 genutzt.

Miriam Wuttke Secret GardenWie kam es dann zu der Idee, daraus ein künstlerisches Projekt zu machen?
Irgendwann hatte ich den Titel „Secret Garden“ im Kopf, zunächst ohne mich dabei auf etwas zu beziehen. Ich habe ein paar Fotos auf Facebook gestellt und das hat viele Menschen angesprochen. Sie fühlten sich an ihre Kindheit erinnert, an den Garten von der Oma, Besuche auf dem Friedhof, oder auch an den Garten Eden.


Wie hast du das schließlich künstlerisch umgesetzt?

Zum einen habe ich Fotos gemacht rein zur Dokumentation, die ich später vielleicht für ein Buch nutzen werde. Außerdem gibt es Instagram-Bilder, die ich drucken lassen habe auf dickes Aquarellpapier, wodurch sie sich ähnlich wie Polaroids anfühlen. Die dritte Komponente war meine Performance im Garten, die der Fotograf Petrov Ahner begleitet hat. Er kommt eigentlich aus der Modefotografie und die Bilder sollen auch wie eine Modestrecke wirken. Zwischen Zerfall und Zerstörung einerseits, und Erotik und Kraft andererseits.

Miriam Wuttke Secret GardenDu hast die Ergebnisse deines Projekts erstmals vor kurzem in der Emerson Gallery ausgestellt. Wie waren die Reaktionen darauf?
Auf einem der Bilder stehe ich mit ausgestreckten Armen und einer Maske vor dem Gesicht in dieser Brachfläche. Das wurde sehr unterschiedlich interpretiert. Von indianischen Ritualen über eine Burka, die mit feministischen Elementen versehen ist, bis hin zum Auftritt einer Hexe. Ich denke dadurch, dass das Gesicht nicht zu sehen ist, sind die Bilder sehr offen. Es gibt schon eine erzählerische Komponente, aber es ist kein Theater. Meine Performance-Kunst steht immer im Zusammenhang mit dem Ort und mit dem Moment.

Hast du auch etwas verändert an dem Garten?
Für die Bilder gar nicht. Für die Ausstellung in der Emerson Gallery habe ich einige Artefakte mitgenommen und daraus Installationen gebaut. Ein bisschen fühlte ich mich dabei wie ein Kind, das mal Archäologin werden will.

Inwiefern ist „Secret Garden“ ein politisches Projekt?
Am Anfang war es rein biografisch und sehr persönlich. Aber ich habe dann so viel Feedback von außen bekommen und mich ja auch mit der Geschichte des Grundstücks beschäftigt. Ich würde mich gerne auch mit Leuten unterhalten, die dort gegärtnert haben. Eine Frau habe ich schon getroffen, sie kam zu meiner Ausstellung in der Galerie. Für sie waren meine Bilder sehr berührend, da darauf auch ihre Parzelle zu sehen ist. Es geht mir aber nicht darum, den Ort für mich zu beanspruchen. Ich bin dort nur Gast.

Alle Bilder © Petrov Ahner

StudioGalerie Miriam Wuttke
Weichselstraße 53
Sa 22.3. 14- 22 Uhr (mit Performance der Künstlerin Angelika Sikorska-Mazur um 20 Uhr), So 23.3. 14-19 Uhr.
Weitere Infos auf der Website von Miriam Wuttke und von Frühlinsgerwachen 2014.

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