von am 16. Oktober 2014
damen

„Rixdorfer Damen“, Foto: Sabine von Bassewitz

Sabine von Bassewitz fotografiert den Zauber des Alltäglichen im Bezirk. Die Ausstellung „Ordinary City“ ist noch bis zum 9. November in der Galerie im Saalbau zu sehen.

Der Name Neukölln steht im öffentlichen Bewusstsein wohl für vieles, nur nicht für Normalität und einen ruhigen Alltag. Dabei wird oft vergessen, dass Neukölln mehr zu bieten hat als Debatten über Integration und Gentrifizierung. In der Galerie im Saalbau stellt sich Neukölln gerade selbst aus; in allen Facetten.

Prollige Halbstarke vor der Rütlischule, ein älteres Paar auf einer Parkbank in der Gropiusstadt sowie eine lustige Garage in Britz hängen dort nebeneinander. Sabine von Bassewitz hat zwischen 2008 und 2014 in Neukölln gewohnt, jetzt lebt sie in Hamburg. Als sie mit ihrem Mann in die Kienitzer Straße gezogen war, reagierte ihr Umfeld irritiert. „Was, ihr seid nach Neukölln gezogen? Seid ihr wahnsinnig?“, musste sie sich immer wieder anhören. Die Nachfragen ihrer Freunde und Bekannten wurde zum Antrieb von fünf Jahren Fotografie im Bezirk.

fans

Fußballfans auf der Sonnenallee bei der WM 2010, Foto: Sabine von Bassewitz

„Ordinary City“ ist eine interessante Mischung an Fotos aus den Jahren 2009-2014, die zum einen die gesellschaftlichen Entwicklungen im Bezirk dokumentieren und Fotos, die fernab von den begehrten und gehypten Kiezen Nordneuköllns zeigen, was noch zu Neukölln dazugehört, weil der Radius der Fotografin erfreulicherweise bis hin zu dörflichen Ansichten in Rudow oder Britz reicht. Vor einigen Bildern dürfte somit mancher Besucher der Ausstellung seine Freude haben, zu rätseln, wo das Foto aufgenommen wurde. In vielen persönlichen Begegnungen sind Alltagsfotos von Neuköllnern entstanden; von Rentnern, posenden Jugendlichen, Kleinkindern oder Fußballfans.

Aufgedrückte Stempel: Hartz IV, Hundekacke und Hipster

„Neukölln ist ein Synonym für bestimmte gesellschaftliche Prozesse geworden. Als ich hierhin gekommen bin, ging es um Hartz IV, gescheiterte Integration und Hundekacke. Heutzutage sind die Hipster und die Gentrifizierung als Label für diesen Bezirk hinzugekommen“, erläutert Sabine von Bassewitz die öffentliche Wahrnehmung des Stadtteils. Sie möchte mich ihren Fotos weder die Lage beschönigen, noch ausschließlich irgendwelchen Klischees nachgehen: „Ich möchte nicht sagen, dass die Klischees gar nicht stimmen, aber ich möchte lustige und schöne Dinge in Neukölln einfach so zeigen, wie sie sind“, sagt die 40-Jährige.

Neukölln sei ein starkes Label geworden, genauso wie Prenzlauer Berg, aber im Grunde sei es trotzdem ein ganz gewöhnlicher Stadtteil, in dem sie gerne gewohnt hat. Vieles, von dem, was den Zauber des Alltäglichen in den Fotos ausmacht, geht über das hinaus, worauf Neukölln so oft reduziert wird. Sabine von Bassewitz‘ Bilder lassen sich nicht in eine Schublade zwängen. Dem Stempel des sozialen Brennpunktes setzt sie fröhliche Fotos entgegen oder auch Bilder, die den Betrachter zum Schmunzeln bringen. Manchmal geben die Aufnahmen dem Betrachter auch Rätsel auf. Denn: Wer denkt schon an Graugänse oder Kühe, wenn er an Neukölln denkt?

Sabine von Bassewitz: „Ordinary City“
Galerie im Saalbau
Karl-Marx-Straße 141
Di-So, 10-20 Uhr
Eintritt frei

schillerpromenade_2

„Schillerpromenade, Prenzlkölln“, Foto: Sabine von Bassewitz

weristdieserdeutschland-0487

Ohne Titel, Foto: Sabine von Bassewitz

 

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.