von am 1. August 2013

Jüdisches Leben ist heute aus Neukölln verschwunden – eine Hörführung macht jetzt erlebbar, wie es zwischen Hermannplatz und Maybachufer ausgesehen hat.

In den 1920er Jahren gab es viele jüdische Geschäfte in Nordneukölln, die ganz selbstverständlich zum bunten Stadtbild im Kiez gehörten. Zum Ende des Jahrzehnts hatten sie zunehmend mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Den größten Einschnitt stellte jedoch im Frühjahr 1933 der Aufruf der Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte dar.

Ein Projekt der Humboldt Universität ermöglicht nun eine historische Spurensuche in Form eines Audioguides, nicht nur rund um das jüdische Leben, sondern aufbereitet mit vielen Infos zur Zeitgeschichte der 1920er und 30er Jahre. Außerdem werden einzelne jüdische Persönlichkeiten hervorgehoben, die mit ihren Geschäften die Straßen prägten, und auch Zeitzeugen kommen zu Wort und halten die Erinnerung an früher lebendig.

Am Hermannplatz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Ausgangspunkt ist der Hermannplatz, damals auch „Potsdamer Platz des Südostens“ genannt. Über die ehemals beeindruckende Größe des Karstadt-Gebäudes berichteten wir bereits in einer Zeitreise. Über die Karl-Marx-Straße geht es in die Hobrechtsraße zu Maybachufer und über den Kottbusser Damm wieder zurück zum Hermannplatz. Die einzelnen Hörstücke sind um die fünf Minuten lang und beinhalten meist einen O-Ton eines wissenschaftlichen Experten oder eines Zeitzeugen.

Die Audioführung ist qualitativ gut gemacht und interessant zu hören, selbst ohne zugehörigen Spaziergang am heimischen Laptop oder MP3-Player. Wie ein Radiofeature nimmt er den Hörer mit auf eine Zeitreise durch die Straßen des Viertels und es ist vor allem die Mischung aus geschichtlichen Fakten und Hintergründen mit persönlichen Schicksalen und Erlebnissen, die die Lebendigkeit der Hörstücke ausmacht.

Die Audiofiles können als MP3-Datei kostenlos auf der Website des Fachbereichs Geschichte der HU Berlin heruntergeladen werden. Einen Flyer mit den Stationen gibt es ebenfalls.

Zur Hörführung „Auf dem Damm“
Zum Infoflyer 

Archivmaterial ©Museum Neukölln – In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

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