Als das “Ende der Welt” wurde Neukölln vor der Wende bezeichnet. Der Mauerfall von 1989 beendete die Randlage des Bezirks. Und auf der Massantebrücke in Rudow kamen alte Nachbarn wieder zusammen.

Brücken verbinden – nicht nur sprichwörtlich. Die Massantebrücke am Rudower Westhafen wurde im Herbst 1989 nach langer Zeit wieder zu einem für alle Anwohner nutzbaren Bindeglied zwischen Neukölln und Treptow. Anstoß dafür war die Maueröffnung. Die Bezirke waren vorher 28 Jahre durch die deutsch-deutsche Demarkationslinie getrennt. Weitestgehend eingeschlossen zwischen Ostberlin und dem DDR-Umland war Neukölln so zum “Ende der Welt” degradiert, wie es das Stadtmagazin “Tip” 1983 erklärte.

Die Maueröffnung ist im Kontext der jüngeren Berliner Geschichte medial allgegenwärtig, jedoch heute an vielen Orten im direkten Stadtumfeld von Neukölln kaum noch präsent. In Erzählungen zum Thema “Berliner Grenze” treten die Elsenstraße oder die Lohmühlenbrücke auf. Auch der ehemalige Grenzübergang an der Sonnenallee, der im gleichnamigen Film ein Sinnbild für das Leben vor und hinter dem “antifaschistischen Schutzwall” wurde, zählt dazu.

Ein etwas anderer Mauerort

Ein Handschlag im Licht der Kameras: Die Bürgermeister Frank Bielka und Günter Polauke (re.) begrüßen sich.

Doch auch abgelegene Berliner Orte spielten im November 1989 eine wichtige Rolle. Die Massantebrücke, die die Stubenrauchstraße über den Teltowkanal führt, verband nun die lange Zeit getrennten Berliner Stadtteile Neukölln und Treptow. Deren Ortsteile Rudow und Johannisthal wurden von ihren damaligen Bezirksbürgermeistern Frank Bielka und Günter Polauke am 14.11.1989 symbolisch unter den Kameras des SFB mit einem Handschlag wieder vereinigt. Nach der Maueröffnung und der Beseitigung aller Grenzkontrollen half dieser zusätzlich eingerichtete Übergang dabei,  die Besucherströme besser zu steuern. Die in diesem Moment noch vorhandenen Absperrungen sowie die skeptisch dreinblickenden Grenzpolizisten im Hintergrund zeigen erst einmal nur eine provisorisch geöffnete Mauer. Grenzpolizisten und Barrikaden hatten jedoch nach diesem politischen Ritual ihre Arbeit als Requisiten im Schatten der Mauer getan.

„Rudow grüßt Johannisthal“

Freude und Taumel vereinigen sich an diesem Tag auf der Massantebrücke im Hintergrund der Kameras. Den Verbindungen zwischen den „Nachbarn“ scheinen die 28 Jahre Trennung nichts angetan zu haben. Die herzliche Begrüßung und Begeisterung zu diesem Anlass bezeugen diese Tatsache. Aber auch Neugier und Interesse an den neuen/alten Mitbürgern ist in den Gesichtern abzulesen.  Doch wo ansonsten die Mauer als Bauwerk mit aufgemalten Botschaften im Westteil und ihrem grauen Anstrich im Ostteil im Zentrum der Medialisierung steht, wird im Rudower Westhafen  eine gründerzeitliche Brücke mit eckiger Stahlkonstruktion überschritten.

Mauerstücke auf der Rudower Höhe

Kaum Anzeichen von Geschichtsträchtigkeit: Die Massantebrücke im Herbst 2012. (Foto: A. Löffler)

14 Jahre nach der Maueröffnung wurde im Zuge von Straßenbaumaßnahmen zur Stadtautobahn das Gerüst der Massantebrücke gegen einen stählernen Stabbogen ersetzt. Heute brummt in Sichtnähe der Verkehr auf der A113 – einer Verbindungsautobahn zum Berliner Ring. An die Zeit der Mauer, deren Bau, deren Opfer und deren Öffnung erinnern nur noch kleine Hinweisschilder. Allein der geteerte Weg am Teltowkanal, auf dem heute Jogger, Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind und der als Berliner Mauerradweg ausgeschildert ist, lässt erahnen, dass dieser Platz früher für ganz andere Zwecke genutzt wurde. Unweit von hier – jenseits des Teltowkanals – stehen noch erhaltene Mauerstücke auf der Rudower Höhe, einem Neuköllner Ausflugsziel. Diese stehen seit 2001 unter Denkmalschutz.

Archivmaterial ©Museum Neukölln – In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

 

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