von am 4. Mai 2011

Nur drei Schläge hat er gebraucht, dafür hat das Gelaber seines Vorredners um so länger gedauert. Treffsicher hat Bürgermeister Heinz Buschkowsky die 46. Neuköllner Maientage eröffnet.

In der letzten Sekunde gerade noch einem Kotzeflecken auf dem Asphalt ausgewichen, riecht es schon nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Stimmenwirrwarr, Rummelgeräusche und aus der Ferne schallt das ewige Echo der Schausteller: „Hopp, hopp. hopp!!! Los, los, los!! Super, super, super!“

Die 46. Neuköllner Maientage haben soeben ihren Anfang genommen und in wenigen Augenblicken wird die Weltöffentlichkeit Zeuge werden, wie Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky mit einem Fassbieranstich, das laut Veranstaler „größte Parkfest Berlins“ eröffnet. Bis dahin gilt es aber noch das etwas zähe Vorprogramm mit Gelasseneit über sich ergehen zu lassen.

Deutliche Veränderungen

Es ist Freitag, 17 Uhr und noch versteckt sich die Neuköllner Prominenz aus Politik und Wirtschaft hinter einer Absperrung und genießt das Buffet. Aus den Boxen dröhnt „sie isn Börlin City Girl“. Wie so Einiges, hat sich auch der Bierausschankbereich in diesem Jahr deutlich verändert. Während in den letzten Jahren das kleine Bierzelt noch leicht übersehen werden konnte, bildet der Bereich um Bar, Biergartengarnituren und Bühne diesmal eher den Mittelpunkt des Festgeländes. Das Zelt wirkt zwar deutlich kleiner, dafür hat man eine große Freifläche zum draußen Sitzen geschaffen.

„Sie ist so frech, so laut, so cool, haut Dich sofort vom Stuhl“, tönt es weiter aus der Konserve. Flankiert wird die Bühne von übergroßen Werbebannern zu beiden Seiten, auf denen Menschen in Tracht mit Maßkrügen anstoßen und sich dämlich angrinsen. Was diese schlechte Bayernfolklore mit Neukölln zu tun haben soll – das Bier ist ja nicht einmal in Maßkrügen zu bekommen – bleibt wahrscheinlich ein Geheimnis Thilo-Harry Wollenschlaegers .

Lange Rede, wenig Sinn

Dieser hat nun endlich die Bühne erklommen und damit die feierlichen Eröffnungsreden eingeläutet. Wollenschlaeger hat erstmals die Organisation der Maientage übernommen und die Hans Purwin KG nach 45 Jahren abgelöst. Einer kleinen Revolution kommt das schon gleich. Allerdings hätte er es sich sparen können, jedem Anwesenden einzeln für sein Erscheinen zu danken, bishin zum „Herrn Giebler von der BVG mit seinem gesamten Team“. Die Öffnungszeiten dürften die Wenigsten interessiert haben, und dass der Eingang am Columbiadamm liegt, noch weniger, schließlich waren die Besucher schon vor Ort. Aber die Bermerkung, „das Tollste ist, der Eintritt ist frei“, ist eine grenzdebile Frechheit. Das haben Volksfeste schließlich ansich.

Trotz aller gefühlten Kumpaneien der Anwesehen, der grauenhaft bayerndeln Werbebanner und des als Rede getarnten Ablesens der Gästeliste, muss man Wollenschlaeger wirklich zugestehen, dass sich bei den Maientagen vieles sichtlich verbesssert hat. Der Bierbereich wirkt wesentlich liebevoller gemacht, das Gelände ist allgemein besser strukturiert und das Musikprogramm bemüht sich zum ersten Mal der Neuköllner Lebensrealität gerecht zu werden. Vom 6. bis zum 8. Mai findet ein Arabisch-Deutsches Freundschaftsfest statt, bei dem verschieden arabische Musikgruppen spielen werden. Eine Woche später hat man mit dem Türkisch-Deutschen Zentrum e.V. vom 13. bis 15. Mai das Türkisch-Deutsche Freundschaftsfest geplant.

Endspurt: Preisverleihung und Fassbieranstich

Nach Wollenschlaeger darf denn auch Buschkowsky noch ein paar Worte an die Gemeinde richten. Zuerst werden den wartenden Schülern im Hintergrund auf der Bühne endlich ihre Preise für den Plakat-Malwettbewerb verliehen. Der erste Platz geht an den 15-jährigen Isa Genc der Albert-Schweitzer-Schule in Neukölln, dessen Kunstwerk derzeit in 1500-facher Ausführung im Bezirk zu bewundern ist. Letztendlich schnallt sich der Neuköllner Bürgermeister eine schicke grüne Schürze um und nimmt den Hammer in die Hand.

Drei zarte Schläge und schon fließt das Bier. Leider handelt es sich hierbei um die handelsübliche Berliner Plörre und nicht etwa um ein ansässig gebrautes Rollberg oder Quatiermeister. Wurscht is, O’zapft is und Freibier ist Freibier. Auf friedliche Neuköllner Maientage!

Die Neuköllner Maientage gehen noch bis zum 22. Mai, eine „Eventliste“ und mehr Infos gibt es hier.

 

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