von am 21. Mai 2014
Saftiger Döner in selbst gebackenem Brot - lernt bestellen! (Foto: Deniz Julia Güngör)

Saftiger Döner in selbst gebackenem Brot – lernt bestellen! (Foto: Deniz Julia Güngör)

„Türkisch für Anfänger”, Lektion drei: Wir lernen, einen Döner zu bestellen und verraten, was gegen penetranten Zwiebelgeschmack hilft! Und ganz nebenbei geht’s um die große Vokalharmonie im Türkischen.

Das letzte Mal haben wir einen „Kebapçı“ besucht und gelernt, dass „kebapçı“ nicht gleich „dönerci“ ist! Döner ist nämlich nur eine Kebapsorte, und zwar die, die mit dem Fleisch des sich drehenden Spießes gemacht wird – daher auch der Name. Denn „döner“ bedeutet: es dreht sich.

Traditionell wird Döner in der Türkei auf dem Teller mit Reis – und nicht wie bei uns im Fladenbrot – serviert. Der Döner wie wir ihn kennen ist also eine Erfindung aus Deutschland, genauer: Berlin. Wer ihn ursprünglich erfunden hat, darüber scheiden sich bis heute die Geister. Es gibt zwei türkische Unternehmer, denen zumindest nachgesagt wird, sie hätten die Dönertasche erfunden.

Nun, uns interessiert das weniger. Wir wollen so schnell wie möglich in den Genuss des Lieblingsfastfoods der Berliner kommen! Anschließend machen wir noch ein klitzekleines bisschen Grammatik, damit ihr auch eigene Sätze konstruieren könnt! Ein leerer Bauch studiert ja bekanntlich nicht gern. Also erst mal: essen!

 

Lektion drei: döner sipariş etmek – Döner bestellen

Wie wir einen guten Döner mit den richtigen Zutaten auf Türkisch bestellen, das lernen wir in der heutigen Lektion. „Bir döner lütfen“, sage ich durch das Fenster zum „dönerci“ – dem Dönermann. „Nasıl olsun?“ fragt er mich. Wie soll er sein?

 

Soğan, salata, domates, sos? Hmm … ?

Ich mag keine Zwiebeln im Döner, schon gar nicht, wenn ich danach noch unterwegs bin. Und auch nicht, wenn ich weiß, dass ich anschließend nur eine Handvoll Petersilienblätter mampfen muss, die Abhilfe beim unangenehmen Geruch schaffen. Ich spare mir also die Zwiebeln und bestelle: „soğansız“!

Salat habe ich gern, und davon viel, deshalb sage ich „bol salatalı“ oder „bol yeşillikli“ – also mit viel Grünzeug.

Tomaten müssen auch rein! „Domatesli lütfen.“

Last but not least aber die wichtigste Frage des Tages: Welche Soße? Natürlich könnten wir auch auf „Deukisch“ bestellen: Schafesose, Kräutersose oder auch Joghurtsose und Knoblauhsose. Aber das ist ja nicht Sinn unserer Übung!

Wir bestellen original auf Türkisch! Von welcher soll’s denn nun sein?
„Hangisinden olsun? Acılı sos, bahartlı (yoğurtlu) sos veya sarımsaklı sos?“
„Acılı ve bahartlı sos lütfen!“
Auch auf die Knoblauchsoße verzichte ich heute …

Und jetzt schööön reinbeißen!
„Hmmmm çok lezzetli!!!“

„Teşekkürler, iyi günler!“ Vielen Dank, einen guten Tag!

 

Die große Vokalharmonie

Und nun können wir uns mit vollem Magen an die Verdauung der Grammatiklektion machen!

Um ausdrücken zu können, dass wir etwas „mit“ oder „ohne“ möchten, hat es uns die türkische Sprache eigentlich ganz leicht gemacht: Es gibt hierfür genau zwei Suffixe – sogenannte Anhängsel –, ein besonderes Merkmal der türkischen Sprache. Das Suffix für „mit“ sieht so aus: „-lİ”, das Suffix für „ohne“ so: „-sİz“ . Warum aber sind die „i’s“ großgeschrieben? Das große „İ” ist hier ein Platzhalter für die vier hohen Vokale ı, i, u, ü. Gleichzeitig gibt es vier tiefe Vokale (e, ö, a, o).

Vokalharmonie

 

 

 

 

 

 

Die Regel ist folgendermaßen: Haben wir ein Wort, das mit einem hohen Vokal – also ı, i, u, ü – endet, dann entscheiden wir uns natülich für den gleichen hohen Vokal im Suffix!

Wollen wir zum Beispiel sagen “mit Käse”, muss es also heißen: “peynirli” (peynir + li).
“Scharf”, wörtlich übersetzt “mit Schärfe”, heißt: “acılı” (acı + lı).
Für “salzig”, wörtlich “mit Salz”, sagt man: “tuzlu” (tuz + lu).
Und wenn wir ein Wort haben, das auf ein “ü” endet, so wie “süt”, türkisch “Milch”, und wir zum Beispiel sagen wollen “mit Milch”, heißt es: “sütlü” (süt + lü).

Haben wir allerdings ein Wort, das mit einem der tiefen Vokale endet, dann sieht die Sache folgendermaßen aus:

Domates -> domatesli „mit Tomate, Tomaten-“
Likör -> likörlü „mit Likör“
Baharat -> baharatlı „würzig, mit Gewürz“
Limon -> limonlu “mit Zitrone, Zitronen-”

Mit dem Suffix „-sİz“, also „ohne”, verhält es sich ganz genauso. Je nachdem, was für ein Vokal vorangeht, ersetzen wir das große „İ“ mit einem der vier hohen Vokale.
Nun habt ihr die sogenannte große oder vierförmige Vokalharmonie kennengelernt!

GrammSuffixDie Vokalharmonie ist übrigens auch der Grund dafür, dass wir das Gefühl haben, die türkische Sprache bestünde nur aus „ö’s“ und „ü’s“. Denn wenn einmal ein „ö“ oder „ü“ im Wort vorkommt, dann folgen in den Anhängseln zwangsweise weitere „ü’s“!

Zugegeben, das war gar nicht so leicht, aber ich bin sicher, ihr habt’s verstanden. Wenn nicht, schreibt doch einfach einen Kommentar! Oder schaut ein paar Tage später nochmal rein.

In der Zwischenzeit könnt ihr ja auf die Suche nach „lİ‘s“ und „sİz’s“ in Neukölln gehen!

Wer meint, er hat’s drauf, darf gerne selbst ein paar Wortkombinationen bilden, zum Beispiel „Börek mit Käse“, „scharfe Soße“, „sehr salzig“ und „Milchkaffe“.

Zusatzaufgabe: Was heißt „laktosefreie Milch“ und „glutenfreies Brot“? Die Auflösung findet ihr das nächste Mal am Ende der Lektion!

Viel Spaß! „İyi eğlenceler!“

 

Übrigens: Wir waren für euch noch mal bei Öz Samsun und haben einen Döner bestellt. Hört doch mal rein und horcht, was ihr wiedererkennt!

Sprachkurs & Fotos: Deniz Julia Güngör; Konzept, Texte, Sounds: Deniz Julia Güngör, Cara Wuchold; Illustrationen: Katrin Friedmann

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Ein Kommentar:

  • mattisihirba sagt:

    wie wenn nicht schon dein spielerisch- alltagspraxisbezogenes Sprachschulkonzept einfach und (somit) einladend ist und mir

    schon in Datca Feuer und Flamme beschert hat (caksanat 😉 ), umso mehr haut mich dein online-Sprachkurs schlichtweg um (Knoblauchsauce braucht es dabei beileibe nicht!).
    Begeisterung! Verzauberung!

    weiter so! Du hast meine bescheidene aber volle Unterstützung.

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