von am 22. April 2012

Der Frühling sprießt. Die Ideen, was man auf dem Flughafen Tempelhof alles machen kann, auch. Zwei frische Projekte – das eine geht diesen Sonntag los, das andere in zwei Wochen über die Bühne.

„Ich hab den Traum von einem Neuköllner Sportfest. Das soll ein Sportfest werden mit Ton und Technik und mit Menschen, und an dieser Vision rüttelt nichts.“ Wenn es um sein „Rücktrittrennen“, ein Sportfest für alte Fahrräder geht, flammen in Robert Lenk Emotionen auf. Zielstrebig und siegessicher hat er sämtliche bürokratischen und finanziellen Hürden in Kauf genommen, um seinen Traum wahr werden zu lassen.

Am 5. Mai also wird das Flugfeld Tempelhof zum ersten Mal als Austragungsort für das Rücktrittrennen herhalten, ein Wettrennen auf den Fahrradklassikern: Räder mit Rücktrittbremse. „Den Fixies und den ganzen anderen Rädern wird immer gehuldigt. Jetzt ist das Rücktrittfahrrad mal dran, da hat jeder eins irgendwo stehen.“ Um das eingezäunte historische Flugzeugwrack in der Nähe des Eingangs Columbiadamm, wird sich der Parcours entlang von martialisch anmutenden Teilstrecken wie dem „Bombenkrater“ und der „Grünen Hölle I“ schlängeln. Fünf Disziplinen stehen zur Wahl, darunter der „Rücktritt“ um die längste Bremsspur, das Beschleunigungsrennen „Antritt“ und die „Todesbahn“.

Vorbereitungen für den Bau der Hüttenstadt „Gecekondu“

Einmal quer über das große weite Tempelhofer Feld spaziert (oder geradelt), finden sich schon die ersten ernstzunehmenden Spuren eines weiteren Freiluftprojekts, für die das Feld wie geschaffen scheint. Hinter der allmählich wieder zum Leben erwachenden Freigarten- und Gemüsebeetlandschaft des Allmende Kontors ziehen Stöcke und Äste einen großen Kreis und umrunden Plastikplanen, Sperrholz, Sand und eine kleine Konstruktion, die wie ein Baumhaus ohne Baum aussieht.

Es sind die Vorbereitungen zu einem Bauspielplatz für Kinder und Jugendliche. Die Juks Neukölln, die Jugendkunstschule Neukölln, wird dort am 22. April um 15 Uhr mit dem Bau der Hüttenstadt „Gecekondu“ beginnen. Inspiriert ist das Projekt von den „Gecekondular“, die türkische Bezeichnung für „informell entstandene Siedlungen in türkischen Großstädten“. Mit den Bauten aus überwiegend vorgefundenen oder gespendeten Materialien wollen die Organisator/innen den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit und den Freiraum bieten, sich kreativ und handwerklich zu betätigen, ohne dabei auf gestalterische Normen oder strenge Baurichtlinien achtgeben zu müssen – frei nach dem Do-It-Yourself-Prinzip. „Darüber hinaus wollen wir die praktische Tätigkeit mit theoretischen Inhalten verknüpfen und mit den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten der Stadtpartizipation erörtern“, heißt es auf der Internetseite der Kunstschule.

„Im Moment sitze ich im Büro und mache einen standard Bürojob.“

Von Aufbauten und Streckenposten für das Rücktrittrennen ist noch nichts zu sehen, obwohl die Vorbereitungen auch hier auf Hochtouren laufen. 220 Euro hat Robert Lenk bislang für sein Projekt lockermachen müssen. Davon gehen 60 Euro Miete bzw. „Standgebühr“ an die für das Gelände zuständige Gesellschaft und 160 Euro an die Haftpflichtversicherung, deren Abschluss ihm als Bedingung gesetzt wurde. Die Zusammenarbeit sei schnell und unkompliziert. „Egal, was du machen willst, welche Größe die Veranstaltung hat. Du füllst ein Formular aus, dann rufen die dich zurück, zwei, drei Emails, und das Ding ist gegessen.“

Streckenplan vom K.O.-Rundrennen

Lenk hat zwar seine fünf, sechs Leute, die ihn später als Orga-Team unterstützen, aber vorerst muss er sich alleine um Verträge, Pressearbeit und Sound kümmern und das Geld zahlen. Woher er die Motivation für dieses Engagement nimmt?

„Im Moment sitz ich im Büro und mach einen standard Bürojob. Schlimm ist das nicht, aber diese Akkordarbeit ist austauschbar, die brauchen mich nicht. Das Rücktrittrennen in Berlin braucht mich aber.“

Ursprünglich stammt die Idee des Rücktrittrennens aus Gera. In der dortigen Mountainbiker-Szene wollten „Lokalaktivisten“, wie Lenk sie nennt, neben Downhill-Meisterschaften einmal einen Spaßwettkampf für Nicht-Profis organisieren, der auch einen lokalen Bezug hat. „“Rücktritt“ ist jedem Ostkind ein Begriff. Da gab es gar nichts anderes als Rücktrittbremse. Nur die teuren Sporträder hatten eine Felgenbremse hinten. Die konnte sich aber keiner leisten.“

Robert Lenk bekommt heute noch gute Laune, wenn er an das Rennen in Gera denkt. Und weil es ihn mittlerweile nach Neukölln verschlagen hat, hat er die Idee aus seinem Bekanntenkreis mit hierher getragen.

Weiter Infos unter ruecktrittrennen.de / jugendkunst-neukoelln.de

 

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