von am 20. November 2014
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Foto: Anna Blattner

Teil 2 unserer Mixtapereihe: Hanno und Hannes von der Band Fokko Wolkenstein haben uns eine Neuköllnkassette aufgenommen. Oder, sagen wir es besser so: Radio gemacht. Mit Songs, die sie lieben. 

Neuköllnkassette #2 von Fokko Wolkenstein: Musik fürs nach-Hause-Kommen – nach durchzechter Nacht, an einem nebligen Morgen, bei Zigaretten und bei Bier.

Mit der “Neuköllnkassette” stellen wir euch Musiker und DJ´s aus dem Kiez vor – eigentlich vielmehr sie sich uns. Mit einem digitalen Mixtape, zum anhören, runterladen, fühlen.

neukoellner.net: Könnt ihr uns was über das Mixtape erzählen?

Hanno: Sowas könnten wir eigentlich öfters machen. Wir haben uns getroffen, mit Laptop und Mikro einander gegenüber gesetzt und uns Musik vorgespielt. Können wir empfehlen.

Hannes: Gespielt haben wir Songs, die uns beeinflusst haben in unserer eigenen Musik, oder die uns was bedeuten. Songs, die wir geil finden.

Hanno: Und auch welche von uns. Die sind auch geil.

Davon abgesehen, dass das durchgehend deutsch-sprachige Musik ist: Eine Genre-Schublade für eure Auswahl kann man schwerlich aufmachen. In welcher Situation sollte man sich das anhören?

Hanno: Beim betrunken Autofahren, eine Zigarette rauchend, bzw. man hält irgendwo an. Es wird hell und der Nebel hängt in der Luft. Nur, dass man natürlich nicht betrunken Autofahren darf.

Hannes: Wir hätten auch die U-Bahn genommen.

Ihr habt gerade euer zweites Album („Nie wieder Hunger“) veröffentlicht. Inwiefern hat euch die Musik für euer Album inspiriert, wie schreibt ihr eure Songs?

Hannes: Die Ideen für die Songs auf dem Album haben sich so angesammelt. Entweder es gab eine Textphrase, einen Schnipsel, den wir dann weiterentwickelt haben.

Hanno: Ein Aha-Erlebnis gab es: Ein Fraktus-Konzert im Festsaal Kreuzberg

Hannes: …es war wunderschön.

Hanno: Das war eigentlich der Moment, wo wir beschlossen haben: Lass uns ein neues Album machen. Und wir dachten: Eigentlich müssen wir genau so was machen. Es gab Inspirationsmomente von verschiedenen Künstlern – und am Ende ist es doch ganz anders geworden.

Hannes: Wir haben uns für unsere Songs immer die Situation detailliert ausgemalt, von der der Song handelt – unser kleines Theaterstück im Kopf. Bei MegaCity One geht’s um dieses Judge-Dredd-Szenario. Wir haben uns den Filmschnipsel angeguckt, alles ist düster, robocop-mäßig…es gibt zu jedem Song so ein Setting.

Seit wann gibt’s euch eigentlich?

Hanno: Sehr lange. Wir hätten, glaube ich, schon 10-jähriges Jubiläum. Wir haben früher gemeinsam in einer Hardrockband gespielt – typisches Geprügel, Bass, Gitarre, Schlagzeug – und drauf. Dann haben wir angefangen, zu zweit angefangen. Das war aber mehr Lesebühne, wir haben Kurzgeschichten vorgelesen.

Hannes: Das mit der Musik kam erst später dazu. Weil das für die Leute extrem schwierig ist, einfach zuzuhören über eine gewisse Zeit hinweg.

Hanno: Wir hatten dann trotzdem erstmal 2 Jahre Pause. Und dann waren wir in Dortmund, auf einem wunderschönen Konzert von Mother Tongue. Wir landeten danach in einer Kneipe und haben bis morgens um 6 Uhr philosophiert. Und haben ganz kurz die Welt und das Universum verstanden.
Leider haben wir´s am nächsten Tag wieder vergessen. Aber: Wir haben entschieden, dass wir wieder Musik machen wollen.

Hattet ihr mal einen richtig schlimmen Auftritt?

Hanno: Wir hatten sehr viele sehr schlimme Auftritte. Wir haben mal auf einem Festival gespielt, wo wir, warum auch immer, für Sonntag abends, 19 Uhr, gebucht waren. Den ganzen Sonntag über war Open Air Techno Party. Die Leute waren richtig druff, hatten richtig Bock – und dann haben die denen den Saft abgedreht und uns dahin gestellt. Wir standen da und dachten nur: Wer hat sich denn die Scheiße ausgedacht?!

Spielt Berlin, spielen Neukölln und Kreuzberg, wo ihr lebt, irgendwie eine Rolle bei eurer Musik?

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Foto: Phillip Zwanzig.

Hannes: Ich denke ja – jedenfalls wäre das so nirgendswo anders entstanden, weil du hier einfach so viel Input kriegst. Weil ganz viel, was in dieser Stadt passiert, zu Fragestellungen führt, die du dich sonst nicht hast.

Hanno: Die Stadt fordert dich immer wieder enorm heraus. Alle machen irgendwie was krasses, es gibt ganz viel neues und ständig ist man irgendwo dabei. Das birgt auch ein hohes Frustrationslevel.

Hannes: Man hat das Gefühl, es gibt ja alles schon.

Hanno: „Solange du tanzt“ ist unser heimlicher Berlin-Song.

Eigentlich wollen wir das ja nicht sagen, aber der persifliert natürlich die ganze Elektro-Feierszene.

Hannes: Aber anstatt diese Feierszene einfach nur blöd zu dissen, finde ich es schöner zu sagen: In dieser Stadt gibt es viel Sehnsucht. Diese krasse Sehnsucht wird hier so sichtbar, auf diesen ganzen Irrwegen, die man hier eingehen kann. Es gibt so viele offene Fragen in diesem Pool der unendlichen Möglichkeiten.

Als ich überlegt habe, was ihr da eigentlich macht, auch beim Anhören des Mixtapes, dachte ich: Das ist mehr Unterhaltungskonzept denn Musik.

Hanno: Wir sehen uns ehrlich gesagt auch nicht als Musiker.

Hannes: Unsere Musik funktioniert von Platte auch viel besser, wenn man uns vorher live gehört hat.

Vermarktungstechnisch ist das natürlich scheiße.

Hanno: Stimmt. Wir versuchen einfach, viele Konzerte zu spielen und die Leute einzufangen.

Im Song „Abgefahrn´und abgefuckt“ gibt’s die Zeile: „Alle ham kein Bock, mehr alles aus Pomm´Frit`“.

Hannes: Das war an diesem Abend, als jeder über Nacht diesen Song schreiben musste. Ich hab den Text einfach runtergeschrieben, ich hatte Bock.

Hanno: Es war ein epileptischer Anfall.

Hannes: Das kam so raus.

Hanno: Das machte für mich total Sinn: Abgefahrn und abgefuckt, alle machen mit, alle ham kein Bock mehr – und dann könnte man jetzt noch irgend etwas sinnvolles sagen, aber alles aus Pommfrit´ beschreibt es eigentlich am besten.

Hannes: Es is halt alles scheißegal, alles im Arsch.

Hanno: Pommes halt.

Hannes: Sinnbild für den geistigen Fast Food.

Hanno. Nix gegen Pommes. Aber das ist halt so ne zertretene Pommes, die auf der auf der Karl-Marx-Straße auf dem Boden liegt.

Am 28.11. findet die Videoreleaseparty zu „Solange du tanzt“ statt, mit Konzert und Party. Ihr müsst es nur über den Kanal schaffen, und über die Spree. Alle Infos dazu bei solange du tanzt, wtf oder bei Facebook.

Mehr Musik von Fokko Wolkenstein gibt’s auf bandcamp.

Tracklist:

01. Nachlader – Arbeitsgeld
02. Deichkind – Befehl von ganz unten
03. Flowin Immo – Urlaub am Attersee
04. Bratze – Zitate
05. Die Türen – Rentner und Studenten
06. Fokko Wolkenstein – Abgefah’n & Abgefuckt
07. Nils Koppruch – Die Aussicht
08. Rio Reiser – Strasse
09. Benedikt Gramm – Projekte
10. Fraktus – A.D.A.M.
11. Hubert Kah – Rosemarie
12. Brausepöter – Bundeswehr
13. Chuckamuck – Hitchhike
14. The Incredible Herrengedeck – Gangsta-Kommunisten e.V.
15. Joint Venture – Chronismus meines Alkoholismus
16. Blinker Links – Pimmel raus Mofa fahren
17. Fokko Wolkenstein – Suppenkaspar 2.0
18. Gisbert zu Knyphausen – So seltsam durch die Nacht
19. Cucumber Men – Schlagartig
20. Selig – Arsch einer Göttin
21. SDP – Ich bin eine(e) Biene, Grashüpfer
22. Fünf Sterne Deluxe – Ja, Ja Deine Mutter (Deejay Punk-Roc Remix)
23. Tsootsies – Minimal is Wack
24. Kinderzimmer Productions – Rrrh Rrrh
25. Olli Schulz – Loch in der Welt
26. Fokko Wolkenstein – Solange Du Tanzt
27. Ulla Meinecke – Die Tänzerin

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

 

 

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