von am 24. Juni 2012

Wer Farbbeutel-Attacken gegen Geschäfte im Kiez für das richtige Instrument gegen Verdrängung hält, disqualifiziert sich selbst.

Ein Kommentar von Dominik Sindern und Sabrina Markutzyk

In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde auf die Schillerbar ein Farbanschlag verübt. Wie der Tagesspiegel berichtet,  beschmierten vier Maskierte den Laden mit roter Farbe und schlugen Fensterscheiben ein. Die taz reiht den Anschlag in die vielen Protestaktionen gegen Gentrifizierung ein und fragt, ob sich die Proteste langsam radikalisieren. Dienstag Abend (18.6.) wurde auf Indymedia dann ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Die anonymen Verfasser begründen den Anschlag mit ihrer Wut auf den „Ausverkauf ihrer Stadt“:

Wo noch vor wenigen Monaten ein Kiezbäcker die Anwohner_innen jeden Morgen mit frischen Brötchen versorgte, soll jetzt eine Szene Yuppi Cocktailbar für reiche Weststudent_innen eröffnen. Wir haben kein Bock auf solche Kiezaufwertungsaktionen. Denn mit dem Bäcker müssen auch die Anwohner_innen bald gehen, weil auch sie sich die Wohnungen nicht mehr lange leisten können und mit den Cocktailbars kommen auch die Hippsters! Die Mieten steigen ins Unermessliche und nichts wird bleiben, wie wir es uns leisten können.

Ziel verfehlt

Drei Aspekte stoßen besonders negativ auf. Zuerst natürlich die Form des Protests. Die Attacke trifft mit der Besitzerin der Schillerbar eine Einzelperson, und wer sich mit Gentrifizierung beschäftigt, der weiß, dass es sich dabei um einen vielschichtigen Prozess handelt. Die Besitzerin der Schillerbar ist als Einzelperson nicht für steigende Mieten verantwortlich zu machen. (Liebe Nk44: Da spielt es auch keine Rolle, was die Besitzerin sonst so macht.)

Die Eingangstür der Schillerbar ging zu Bruch.

Und wenn schon mit dem Kampf gegen Aufwerter argumentiert wird, warum dann nicht ganz konsequent die Schließung des Tempelhofer Felds fordern? Das Gelände, für dessen Offenheit insbesondere linksverortete Gruppen kämpfen, ist für viele ein Hauptgrund, in den Schillerkiez zu ziehen.

Der Protest trifft die Falschen: Die gewählten Vertreter in BVV und Senat könnten das ein oder andere politische Instrument in die Hand nehmen, lassen jedoch eine  Profitorientierung der Immobilienbesitzer zu Lasten der Mieter und Wohnungssuchenden zu. Anstatt den Schulterschluss in der Gemeinde zu suchen und durch die Masse Druck auf die Politik in dieser Frage auszuüben, isolieren sich die Gentrifizierungsgegner mit ihren Aktionen und bewirken das Gegenteil. Mitstreiter, die in der Sache die gleiche Meinung vertreten, zum Beispiel unter Studenten, gewinnen sie damit nicht.

Feindbilder helfen nicht

Mit der Reduktion des Komplexes Gentrifizierung auf eine Bevölkerungsgruppe (den Studenten) und der Schaffung eines Feindbilds entfernt sich die Aktion vom Protest gegen Gentrifizierung hin zu einer eindimensional gedachten Hetze gegen Fremde (Zugezogene). Studenten sollen nicht in den Kiez ziehen? Fremde sind unerwünscht? Mit diesen Polemiken bewegen sich die Bekenner in Argumentationsmustern, derer sich auch Nazis bedienen. Wenn sich Widerstand gegen Gentrifizierung als „Kiez-Nationalismus“ äußert, geht das zu weit. Wer hat denn das Recht, hier zu leben oder zu arbeiten und wer nicht?

Da stellt sich auch die Frage, wer mit „wir“ im „wir können uns bald unsere Mieten nicht mehr leisten“ überhaupt gemeint ist. Repräsentieren die Täter die 80 Prozent der Bewohner mit Migrationshintergrund, die im Schillerkiez leben? Das bezweifeln wir.

Ähnlich sieht es auch ein Kommentator bei indymedia:

Tapfere Gallier_innen! (Verfasst von: Chewbacca am Fr, 22.06.2012, 17:22 Uhr)
Dieses Bekenner_innenschreiben wirkt wie der Prolog zu einem Asterix & Obelix Reenactment. Ein tapferes gallisches Dorf wehrt sich gegen das römische Imperium. Ebenso simple Projektionen ziehen die Angreifer_innen heran, um ihren Anschlag zu rechtfertigen – die Rhetorik ist entlarvend: Der „Kiezbäcker“, der „die Anwohner_innen jeden Morgen mit frischen Brötchen versorgte“ verkörpert dabei die ursprüngliche, harmonische Gemeinschaft, die innerhalb dieses peinlich simplen Weltbilds von ungreifbaren, von außen kommenden Kräften bedroht wird. Diese spuken in den Köpfen der Angreifer_innen als „Weststudent_innen“, „Yuppi“ oder „Hippsters“ (sic!sic!sic!) herum. 
Anstatt sich also um eine Kritik zu bemühen, die nach den größeren politisch-ökonomischen Zusammenhängen  fragt, werden die Probleme in einem dichotom eingeteilten Weltbild einseitig der konstruierten „Feindgruppe“ angelastet. Der Weg zur Gewalttat ist damit bereits gepflastert. Unwillig zur Reflexion auf die eigenen Ressentiments, die offenkundig die Motivation dieses Angriffs boten, wird er so zum gerechten „Racheakt“ in einem einseitig geführtem „Kampf“ verklärt. Schade, weil solche Kurzschlüsse auch eine Kritik, die diesen Namen verdient unmöglich machen – Solidarität mit den Betroffenen!

Eine ganz andere Interpretationsmöglichkeit lieferte ein inzwischen entfernter  Kommentar des Bekennerschreibens bei Indymedia:

Man könnte die Farb Aktion auch einfach als eine Neuköllner Art der Willkommensgrußes verstehen. – Etwas roh, aber auf gewisse Art eben die Feuertaufe. – Herzlich willkommen im Kiez! – Ab heute habt ihr in mir und meinen Freunden ein paar wohlgesonnene Kunden mehr in Eurem Burger-Laden

So oder so war die Attacke eine 1a-Promoaktion für die Schillerbar.

 

17 Kommentare:

  • hartz4 sagt:

    Ziel verfehlt?

    Der Artikel auf nk44.blogsport.de zeigt, das es sich bei den Betreibern eben nicht um arme,kleine Jungunternehmer handelt, die sich hier eine Existenz aufbauen wollen. Sie sind nur die Strohleute für andere Interessen im Hintergrund und fürs schnöde kapitalistische Geschäft. Da geht es ums Steuersparen, um Abschreibung und darum, langfristig Orte zu belegen und Terrain zu sichern. So werden erstmal billige Preise gemacht und viel Verständnis für den Kiez geheuchelt. Später, wenn die jetzt hier noch lebenden Armen vertrieben sind und eine finanzkräftige Mittelschicht das Viertel okkupiert hat, kann dann richtig abkassiert werden. Die Pioniere, die den Schillerkiez jetzt interessant machen, können dann auch gehen, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen können.

  • Kreuzbergerin sagt:

    Nun ja, immerhin handelt es sich den Angaben auf nk44.blogsport.de nach auch „nur“ um Berliner, die sich in bestimmten Branchen (Gastronomie) etabliert haben und sich gut laufende Existenzen aufgebaut haben und jahrelang in Berlin ansässig sind. Das sie nun ihr Einzugsgebiet erweitern möchten – bitte. Sie nun als großkapitalistisches Feindbild darzustellen, finde ich sehr überspitzt.
    Das Problem sind doch nicht Menschen, die Bars eröffnen oder Studenten und Familien, die sich im Kiez ansiedeln. Berlin hat immer Zugezogene, Studenten, Künstler und auch Touris, etc. angezogen und es erfolgte immer eine ausgewogene Durchmischung, mit günstigen Mieten und Kreativszene. Das hat jahrzehntelang funktioniert.
    Das Problem sind die Investoren, die Landesregierung und der Abbau des sozialen Wohnungsbaus sprich alle rein kapitalistischen Interessen an der Stadt, die das Ziel haben, die Stadt nicht mehr für ihre Bewohner zu gestalten, sondern um sich finanziell an Berlin zu bereichern.
    Wenn wir (und hier meine ich nun alle in Berlin „normal“ lebenden) anfangen, uns gegenseitig fertig zu machen und hinter jeder neuen Bar/jedem Rollkoffer ein neues Feindbild wittern, machen wir diese Stadt und die lebendigen Kieze zu einem unerträglichen, spießigen und einödigen Ort. Auf diese Weise rauben wir selbst dem Kiez jedes Leben. Besser ist der Zusammenhalt und Aufklärungsarbeit ALLER Anwohner. Und die neuen Barbesitzer und Kleinfamilien müssen da mit einbezogen werden – denn nicht sie sind der Feind, sondern Immobilienfirmen, Investoren, etc. die sich im Hintergrund ein goldenes Näschen verdienen.

  • jan sagt:

    ziel verfehlt!
    die rote farb-attacke wirkt wie eine kleinbürgerliche rethorik, die dekonstruktive handhabungsweise des protestes so unreflektiert und persönlickeitsverletzend umgesetzt, wie überschriften großer boulevard-zeitungen. plakativ. die qualitative schädigung von einzelpersonen, zur alleinigen gegewärtigung des protestes der aktionisten, kann niemals mittel eines zielorientierten dialogs sein und werden. hier wir protest gegen windmühlen gemacht. wer nur gegen symbole kämpft, aber nicht gegen seine träger, lässt vielleicht eine wahrnehmung verschwinden, aber nicht seine bedeutung. die profanisierung des farbanschlags, als mittel der markierung und sichtbarkeit, stellt den vergleich von seperation der aktivisten von „anderen“, und somit auch die ungleichheit vor und von anderen. allein die diskussion, ob ein subjekt, ein individuum und dessen soziale „klasse“ besser oder schlechter für einen stadtteil ist, ist rassistisch.

    solange sich regionale linke gruppen an mitteln rechter bedienen, sehe ich keine bedingung an dem protest gegen eine mögliche anstehende regionale gentrifizierung in deren bei- oder kielwasser teilzunehmen, nur damit sie ihre dekonstruktive und konservative position von ruhe und von vorstädtischer vorstellung urbaner evolution weiterführen können, da eine kreative diskussion schon im vorfeld unmöglich gemacht wurde. vielen dank an die farbbeutel spießbürger.

  • joana sagt:

    @jan

    „ziel verfehlt! die rote farb-attacke wirkt wie eine kleinbürgerliche rethorik, die dekonstruktive handhabungsweise des protestes so unreflektiert und persönlickeitsverletzend umgesetzt, wie überschriften großer boulevard-zeitungen. plakativ.“

    Zieht man den anmaßenden und stellenweise recht frappierend deplaziert wirkenden Gestus deines Jargon ab, bleibt nicht allzu viel. Was genau ist denn hier dekonstruktiv? Destruktiv, ok, aber Dekonstruktion ist irgendwie was anderes. Ob die „Attacke“ (man muss die unreflektierte kleinbürgerliche Übernahme von durch staatliche Stellen strategisch geprägte Terrorismusrhetorik einfach lieben) jetzt unreflektiert sein mag, whatever. Wenn du das, was du tust, als Reflektion bezeichnest, dann kann die Welt – und sicherlich auch die meisten Menschen in Neukölln – darauf verzichten. Persönlichkeitsverletzend ist die Aktion nicht. Plakativ war die Aktion, aber das ist eine Menge politischer Aktionen, ohne dadurch an Legitimität oder Effizienz zu verlieren.

    „die qualitative schädigung von einzelpersonen, zur alleinigen gegewärtigung des protestes der aktionisten, kann niemals mittel eines zielorientierten dialogs sein und werden.“

    Wer sagt, dass dies das Ziel derjenigen war oder die Aktion in dieser Form der Aushandlung situiert ist? Was soll eine „qualitative Schädigung“ sein? Was soll der Begriff „Gegenwärtigung“?

    „hier wir protest gegen windmühlen gemacht. wer nur gegen symbole kämpft, aber nicht gegen seine träger, lässt vielleicht eine wahrnehmung verschwinden, aber nicht seine bedeutung.“

    Hm irgendwie ist das Problem ja nicht ganz so leicht gelagert in der späten Modern (oder wie es auch genannt wird). Der Träger wäre einerseits der Staat (schelchte Sozialpolitik etc.), die Kommune (verfehlte Wohnungsbau und Stadtentwicklungspolitik) und natürlich der Kapitalismus als Wirtschaftssystem, das aber Dank alokalisierten Kapitals relativ schwer greifbar gemacht und ganz sicher nicht personifiziert werden kann.
    Ob ich die Aktion jetzt persönlich richtig finde oder nicht sei dahin gestellt, aber eine symbolische Exponierung, auch die eines einzelnen Ladens, hat durchaus einen Effekt (wie gering der auch sein mag).

    „die profanisierung des farbanschlags, als mittel der markierung und sichtbarkeit, stellt den vergleich von seperation der aktivisten von “anderen”, und somit auch die ungleichheit vor und von anderen. allein die diskussion, ob ein subjekt, ein individuum und dessen soziale “klasse” besser oder schlechter für einen stadtteil ist, ist rassistisch. “

    Hm irgendwie solltest du auch mal ausschlafen, anstatt Stammtischparolen rhetorisch aufzuhübschen und (wieder einmal sehr präzise Sprachverwendung an dieser Stelle, Kompliment!) deinen Senf in den Äther zu rotzen. Was genau willst du damit sagen?
    Rassismus ist im übrigen anders definiert, wie der Blick in irgendein Lexikon dir verraten hätte.

    „solange sich regionale linke gruppen an mitteln rechter bedienen, sehe ich keine bedingung an dem protest gegen eine mögliche anstehende regionale gentrifizierung in deren bei- oder kielwasser teilzunehmen, nur damit sie ihre dekonstruktive und konservative position von ruhe und von vorstädtischer vorstellung urbaner evolution weiterführen können, da eine kreative diskussion schon im vorfeld unmöglich gemacht wurde. vielen dank an die farbbeutel spießbürger.“

    Davon ab, dass eine jede soziale Bewegung ohne Individuen, die derart wenig Wert auf Inhalt, Ausdruck, Stringenz etc. legen, besser dran ist, ist das leider auch inhaltlich nonsense.

    Rechte gehen wählen, Rechte haben Internetplattformen, … also warum sollten „regionale linke Gruppen“ nicht eine gewisse Überschneidung ihrer Mittel mit Rechten oder der so genannten Mitte akzeptieren?

    Eine „dekonstruktive und konservative Position von Ruhe…“ … Alter, was hat dich bloß so ruiniert?

    Schönen Sonntag

  • […] davor, dass nichts bleibt “wie wir es uns leisten können”, neu eröffnende Bars im Schiller-Kiez mit Farbe umgestaltet. Andere sehen in KünstlerInnen und Kreativen die Sündenböcke, die “ihren” Kiez für […]

  • karl gustav sagt:

    joana, diesen geschwurbelten text, der da wohl irgendwas rechtfertigen soll, kann ja keiner lesen

  • Seobastian sagt:

    Geile Marketing Aktion…halb Berlin kenn jetzt die „Schillerbar“ könnte Ihr bitte bei mir auch vorbei kommen ich möchte auch gratis PR! Im ernst was besseres konnte der Bar doch nicht passieren.

    „Ziel verfehlt“

    Ich glaube das hier der Markt Gedanke noch nicht angekommen ist. Wenn ihr die Bar nicht mögt geht doch einfach nicht rein…wenn die Bar also, wie ihr meint keiner will, dann sollte sie doch leer bleiben und das Problem sich von selbst auflösen.

    Wenn aber nun doch Leute die Bar besuchen – dann gibt es wohl auch einen Markt.

    Warum habt „ihr“ nicht den Laden gemietet nachdem „euer Kiezbäcker“ raus gegangen ist – und mit etwas betrieben das „eurem Kiez“ gerecht wird.

    Vielleicht weil meckern soviel leichter ist. Anstatt an alten Dingen festzuhalten lieber kreativ neue schaffen. Finde ich die bessere Variante. Wer seinen Kiez erhalten will muss eben auch anpacken.

    Meiner Meinung nach – liegt das problem doch auch in der „geiz ist geil“ mentalität.
    Nach dem Motto „schön die Schrippe für 10ct.“ das der Bäcker damit aber lang nicht überleben kann (höhere mieten zahlen kann) wird oft übersehen.

    Wer im übrigen keine „Veränderung“ will soll nicht in Berlin wohnen, sondern aufs Land/ Insel ziehen. Eine (jede) Stadt lebt vom Wechsel.

  • kein_markt sagt:

    Seobastian, du hast recht. Der Markt ist nicht angekommen. Deshalb beten wir jetzt jeden Tag:

    O heiliger Markt,

    Wir beten dich an
    Erhöhe die Profite der Banken und Unternehmer
    Bezahle die Politiker
    Steigere die Mieten
    Senke die Löhne
    Erlöse uns

    dein verblödetes Volk

  • Seobastian sagt:

    kein_markt ist auch keine Lösung – leider hast du es noch nicht verstanden.

  • Urs sagt:

    Lieber Neuköllner, liebe Autorinnen,

    Ihr habt offenbar leider auch ein paar Lücken und Veständnisprobleme.

    1. Ja, wer mit Herkunftsstereotypen und Heimat-Argumenten Gentrifizierungskritik betreiben will und einen strukturellen Prozess auf exkusiv ausgewählte Feindbilder verengt, der begibt sich auf einen politischen Pfad, der in die Vergangenheit führt.

    Was aber auf gar keinen Fall stimmt, ist, dass die Betreiber und Eigentümer der Schillerbar für die Entwicklung in ihrem Kiez keine Verantwortung tragen. Irgendwer hat mal gesagt, Gentrifizierung ist wie ein Pups: Am Ende will es keiner gewesen sein. Ihr sagt selbst, solche Verdrängungsprozesse sind ein komplexer Vorgang, dann stellt bitte auch in Rechnung, dass auch das kommerzielle und kulturelle Wirken von Einzelpersonen im Kiez in der Summe zu Gentrifizierung beitragen kann.
    Macht die Schillerbar auf, kann sie durchaus anschlussfähig an die Lebensstile einer statushöheren und noch nicht dort wohnenden Bevölkerung sein, was von Vermietern umliegender Wohnungen selbstverständlich beobachtet und bei ihren Mietberechnungen miteinbezogen wird. Da sollte man sich keine Illusionen machen.

    2. Natürlich wird nicht die Schließung des Tempelhofer Feldes gefordert, um dadurch gegen steigende Mieten zu kämpfen. Ih tut so, als ob man sich entscheiden müsste zwischen dem offenen Tempelhofer Feld einerseits und günstigen Mieten andererseits. Das man nicht beides gleichzeitig haben könne, hört sich für mich eher nach Sachzwanglogik an, wie sie im Berliner Stadtentwicklungssenat zu Hause ist. Wir sollten dafür kämpfen, dass wir in Zukunft beides realisieren können und uns nicht gegeneinander argumentativ ausspielen lassen!

    3. Nazivergleiche in der ganzen Verdrängungsdebatte anzubringen sind für mich immer eine Spur too much. Selbst bei autoritären Linken, die gegen Yuppies und Touis polemisieren. Erfahungsgemäß sind Diskussionen dann meist sehr schnell vorbei, wenn jemandem das Nazietikett aufgeklebt wird. Die Bezeichneten ziehen sich zurück, wenden erst recht Gewalt an. Beschreibt doch einfach inhaltlich wie deren Denke und Handeln ist: autoritär, personifizierend, herkunftsbezogen… usw. Das allein sind doch ausreichend starke Wörter.

    „Nazis“ sind ausschließlich Nazis und sonst niemand anderes. Das sind die, die Menschen wegen anderer Hautfarbe oder „unnormaler“ sexueller Identität jagen und töten.

  • […] Rahmen der Recherche zu unserem Kommentar über den Farbbeutelanschlag auf die Schillerbar vergangene Woche sind wir auf die Hipster Antifa […]

  • genova68 sagt:

    Mag ja sein, dass solche Farbbeutelattacken nicht der richtige Weg sind. Was aber ist der richtige Weg? Tatsache ist, dass die Läden der genannten „Jungunternehmer“ zur Gentrifizierung beitragen. Solange die Betreiber zu den negativen Folgen ihres Treibens nicht Stellung beziehen, hängen sie mit drin.

    Solche pseudovernünftigen Kommentare wie der hier von Sindern und Markutzyk zeigen jedenfalls nicht, wie man es besser macht.

    Es ginge doch eher um konkrete Forderungen wie beispielsweise die, dass die Mieten in den entsprechenden Vierteln nur noch zum Inflationsausgleich steigen dürfen, beispielsweise, oder um eine radikale Beschneidung der Maklergewinne (es bezahlt der den Makler, der ihn bestellt), um die Realisierung vorhandener Konzepte preisgünstigens Wohnungsneubaus auf einem Streifen auf dem Tempelhofer Feld, direkt angrenzend an den Schillerkiez und so fort.

    Würde so eine Debatte nun ernsthaft geführt, hätten die Farbbeutel ihren Sinn gehabt.

  • Bert sagt:

    Hallo,
    was sollen diese Anschläge! Verschandeln nur den Kietz! Beschmierte Wände, Dreck auf den Strassen und Parks, da die feiernden leider nicht mehr in der Lage sind ihren Müll zu entsorgen!
    Außerdem wurde der neu errichtete günstige nette Bäcker / Schillerback auch in Mitleidenschaft gezogen!
    Wir Mieter zahlen natürlich die Zeche für die Zerstörungswut der Chaoten!!!
    Noch höhere Mieten!!!!!! Ist dies so gewollt ? Diese Schmierer und Zerstörer wohnen warscheinlich noch nicht mal im Kietz, da es ihnen hier zu dreckig ist durch den Dreck den sie selber anrichten!!!!!

  • rOhesC sagt:

    also ich vermute, dass war eine klare PR-Aktion wie seobastian oben schon meinte.

    habt ihr noch nie von brad downey gehört?
    dann googelt mal seinen namen plus lacoste und kdw!
    oder lest hier:
    http://rebelart.net/brad-downey-employ-a-vandal-get-a-vandal/00554/

    und ist euch schon mal aufgefallen, wessen namen man nachts bei heruntergelassenem rolladen links neben dem schillerburgerladen lesen kann?!
    genau!

    BRAD DOWNEY

    na wenn das mal kein zufall war…
    aber wie gesagt, das ist nur ne vermutung…
    obwohl es einfach so gut zusammenpasst..

  • […] Schillerkiez führte derweil der Missmut bis hin zu Sachbeschädigungen von Geschäften, wofür wir wenig Verständnis hatten. Aus der Debatte um Sinn und Unsinn von solchen Aktionen entstand die Hipster Antifa, die eine […]

  • […] der Fassade sind die Überreste einer kleinen Gentrifizierungsfehde noch deutlich erkennbar. Einige Bürger haben dort ihrem Ärger über die vielen neuen Szenekneipen […]

  • […] Texte, die sich kritisch mit Gentrifizierung in Neukölln beschäftigen, gibts zum Beispiel hier, hier und hier. Und überhaupt überhaupt: NK44? Da war doch mal was. Dezente Immobilienwerbung […]

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