von am 21. September 2011

Eigentlich sollte es ja eine Homestory werden. Dann kam der Streichelzoo in der Hasenheide dazwischen. Eine Nachbarschaftsstory.

Schaut man sich die Bildergalerie vom „Besichtigungstermin der Nuntiatur“ an, wo Herr Ratzinger diesen Donnerstag abzusteigen gedenkt, ahnt man schon, dass die Homestory wahrscheinlich eh nicht so reißerisch und hautnah am Geschehen geworden wäre, wie gedacht.

Screenshot: Internetpräsenz der Apostolischen Nuntiatur Deutschland, http://nuntiatur.de, Bildergalerie "Besichtigungstermin der Nuntiatur"

(Die andere Galerie zur „Geistlichen Vorbereitung auf den Papstbesuch“ ist im übrigen auch sehr erhebend – spirituell gesehen!)

Als auch der zweite Ansatzpunkt für einen spektakulären Skandal, der Streichelzoo in der Hasenheide, sich im Gegenteil als Insel der Gleichgültigkeit der gebotenen Aufregung gegenüber herausstellt, sind die niederen Instinkte verflogen. Keine Topstory, kein „Papst bringt Esel hinter Gitter“.

Die Reaktion entschädigt für alles: „Welcher Papst? Ach, DER Papst!“ Der Tierpflegerin war es scheinbar gelungen, sich dem flächendeckenden Medienteppich des Besuchs vollkommen zu entziehen. Nicht nur, dass ihr nicht klar war, dass zumindest ihre Tiere in den Genuss kommen würden, in direkter Nachbarschaft zum Heiligen Vater aus Marktl am Inn, die Nacht zu verbringen. Sie muss tatsächlich erst einmal kurz überlegen, wen ich mit Papst meine. Eine beneidenswerte Resistenz gegen Massenmedien.

Die Apostolische Nuntiatur in der Lilienthalstraße

Der Mann vom polnischen Café mit Blick auf die Apostolische Nuntiatur weiß immerhin, worum es geht, auch wenn er kaum mehr Enthusiasmus an den Tag legt. Am Donnerstag, so die Anordnung von oben, müssen das Café sowie alle anderen Geschäfte und Büros in der Straße geschlossen bleiben. Zusammen mit den anderen Betroffenen habe man einen Antrag beim Senat eingereicht, um eine Entschädigung zu erhalten, aber ansonsten sei das halt so.

Nur, warum ist das so? Was in Gottesnamen möchte der Papst denn ausgerechnet hier? Im tiefsten Heiden-Dschungel und in so kurzer Zeit – eine „Begegnung mit Vertretern des Islam“? Um 9 Uhr geht’s los und um 10 Uhr geht der Flieger von Tegel nach Erfurt: „Liebe Vertreter des Islam, willkommen in der Apostolischen Nuntiatur. Danke, dass Sie gekommen sind! Ich muss dann leider auch schon wieder. Pace, Freunde!“

Wer sich das volle Programm geben möchte, sei hier an der richtigen Stelle. Wer demonstrieren oder stören will und Gleichgesinnte sucht, drücke bitte hier.

 

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