von am 20. Februar 2013

Rechtsanwalt John beschäftigt sich, neben Zivilrecht und Strafrecht, auch mit dem von so vielen Anwälten ungeliebten Sozialrecht. Vom täglichen Kampf mit fiesen Vermietern, dem Jobcenter und der neuen Armut.

Besorgte Mieter und Hartz IV-Empfänger kamen zuletzt häufiger in Roland Johns Büro in der Flughafenstraße. Denn der 53-jährige Rechtsanwalt beschäftigt sich, neben Zivilrecht und Strafrecht, auch mit dem von so vielen Anwälten ungeliebten Sozialrecht. Im Interview spricht John über Mietwucher, Anzeigen wegen Lärmbelästigung und warum er, trotz seiner Wut auf die vielen Missstände, nach wie vor Spaß an seinem Beruf hat.

neukoellner.net: Herr John, Haben sie Feinde?
Roland John: Persönlich nicht. Von Berufswegen: Ja. Da sind einige Vermieterfirmen mit denen stehe ich auf Kriegsfuß. Beispielsweise gibt es in Neukölln ganze Häuserblocks, die von ausländischen Investoren erworben werden und sich von örtlichen Hausverwaltungen vertreten lassen. Da werden Mieten systematisch hochgetrieben, die Bewohner gnadenlos rausgeklagt. Bis vor zwei Jahren war es noch kein so großes Problem. Jetzt werden immer mehr Leute in die Außenbezirke gedrängt.

Nord-Neukölln ist ein begehrter Wohnraum für junge Leute. Haben sich ihre Mandanten verändert?
Viele kommen aus Spanien, Griechenland, Italien. Junge, studierte Leute, die hier alles toll finden. Natürlich sind das die Vorboten der Gentrifizierung. Aber das sind auch die Leute, die so ein Viertel attraktiv machen. Die Medaille hat ja immer zwei Seiten. Meine Generation war früher auch nicht anders. Junge Zugezogene, die in Kreuzberg und Schöneberg um die Häuser zogen. Manchmal denke ich aber: Es könnte hier ruhig noch ein bisschen so bleiben, wie es gerade ist.

Sind die steigenden Mietpreise noch aufzuhalten?
Ein Beispiel. In der Kopfstraße steht ein Haus, das gehört einem ehemaligen Insolvenzverwalter. Der schmeißt rigoros Leute raus und vermietet nur noch an WGs. In eine Wohnung die bislang 500 Euro kostete, ziehen nun drei Leute, die jeweils 400 Euro zahlen. Die Richter sehen das Problem, können aber nichts tun. Man bräuchte eine straffere Mietpreisbindung. Dann würde die ganze Spekulationsblase platzen und dieser Mietwucher wäre kaum mehr möglich. Bis sich da aber was bewegt, dauert es Jahre.

Neben Mieterberatung, treten Sie auch als Rechtsbeistand von Hartz IV-Empfängern auf. Ist das Jobcenter eher Freund oder Feind?
Weder noch. Es führt nur das aus, was die Politik entscheidet. Und Anwälte können auch nur unterstützend eingreifen, wenn das Amtsgericht Beratungshilfe einräumt. Es gibt aber Dinge, da liegt es am guten Willen des Jobcenters.
Arbeitslose, die zu einem Termin geladen werden und nicht erscheinen, kriegen eine Sanktion von bis zu 30 Prozent. Das ist hart. Bei diesen Terminen passiert oft nichts. Da werden oft nur Tipps gegeben wie „schreib mal ein paar Bewerbungen.“ Andererseits, wenn das Jobcenter genauer bei den Anträgen hinsähe, würden viele gar kein Hartz IV mehr bekommen.

Fühlen Sie sich nicht manchmal mehr als Sozialarbeiter?
Absolut. Viele haben Probleme mit den einfachsten Dingen, zum Beispiel mit der Rechtschreibung. Ich habe da ein paar Sozialfälle, wo ich sage, hier helfe ich und nehme aber nichts dafür. Dann gibt es andere Fälle, da habe ich wenig Arbeit und verdiene relativ gut. Ich betreibe da so eine Art Quersubventionierung. Aber die Wut über manche Zustände, die ist schon da, etwa auf das gestiegene Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich.

Wie gehen Sie damit um? Nehmen Sie diese Wut mit nach Hause?
Da kann und muss ich abschalten, sonst würde ich das nicht aushalten.

Warum sind sie Anwalt geworden?
Ich habe Jura studiert weil mir nichts Besseres einfiel. Mit Jura kann man alles Mögliche machen. Dass mir Behörden und Hierarchien nicht liegen, merkte ich aber recht schnell. Also wurde ich Anwalt, obwohl ich wusste, dass die Aussichten nach dem großen Geld nicht rosig sind, besonders wenn man keine große Kanzlei im Rücken hat.

Wohnen sie in Neukölln?
Ich wohne in Lichterfelde, gut bürgerlich, wie man so schön sagt. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen nach Neukölln zu ziehen. Ich mag es hier. Es ist noch nicht so schick wie in anderen Stadtteilen. Außerdem fühle ich mich sicher.

Und das, obwohl ein paar Häuser weiter zuletzt zwei Frauen erschossen wurden. Was ging ihnen da durch den Kopf?
Das war heftig, denn es zeigt: Es kann jeden treffen. Zumal auch bei mir komische Leute reinkommen und Theater machen. Einmal hat mir jemand vorgeworfen, er hätte durch mich einen Schaden erlitten. Der wurde richtig aggressiv. So etwas passiert, ist aber nicht die Regel.

Haben die Anzeigen wegen Lärmbelästigung neuerdings zugenommen?
Nein. Dieses Klientel scheint in Neukölln noch nicht angekommen. Was da gerade in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg passiert, das ist ein Übel. Die Leute kaufen sich Eigentumswohnungen und wissen ganz genau, wer sich da im Umfeld befindet und fangen an zu Klagen.

Wann sind die glücklich?
Immer wenn man etwas erreicht hat, zum Beispiel eine Wohnungsräumung verhindert. Dann ist das eine tolle Sache. Aber meistens geht es darum, den Schaden so gering wie möglich zu halten, da diese so genannten „Feinde“ meist besser organisiert sind als die kleinen Leute. Das hat mit der Qualität des Anwalts oft gar nichts mehr zu tun.

 

Der Artikel ist auch in unserer Printausgabe erschienen. Ihr findet sie in Bars, Cafés, sozialen Einrichtungen, kulturellen Institutionen und Geschäften überall in Neukölln.

 

2 Kommentare:

  • Das ist hochinteressanter Lesestoff.

  • Haben sie Feinde? Das ist eine gute Frage!
    Auf Kriegsfuß stehe ich mit denen die verantwortlich sind für die Werbeaussage: Extrem schlanke Behörde und Justiz in Berlin (Kontex, Stacken GmbH Berlin) machen hohe Gewinne im Grundstücksbereich möglich! Hier handelt es sich angeblich um Ausländische Investoren. Sie wurden bevorzugt
    umworben, auf Pump außerhalb des Amtsgerichtes 70 K 214/07, über verschleierte Forderungsausfall-Übertrageung per Notarurkunde über Fremndeigentum zu verfügen! Es handelte in einem Fall um zuvor teuer sanierte und modernisierte 14 Mietwohnungen. Sie wurden als eigenes Geschäft der landeseigener Tochtergesellschaft verbucht, aber gingen in Wirklichkeit auf Rechnung der Eigentümer des Miethauses Flurstück Nr. 181 , Flur 444, 12557 Berlin. 3 Jahre nach dem Mangels Masse Beschluss 36 C IN 884/05 wurde deren notleidend gemachter Kredit verschoben von der HSH -Nordbank an die Mittelbrandenburgische Sparkasse und von der an die Berliner Volksbank e. G. Spielelnd leicht konnte geltenden Recht umgangen werden! Denn die Federführenden sitzen in Amtstuben, verfügen über Siegel und Dienststempel und liebend gern spielen dabei örtliche Hausverwaltungen mit! Da werden Mieten systematisch hochgetrieben, die Bewohner gnadenlos rausgeklagt! Das passierte sogar ab 2002 in dem Außenbezirk Treptow-Köpenick! Dagegen war der über den Tisch gezogene rechtliche Eigentümer wehrlos, denn er wurde von über einem duzend Rechtsanwälte im Stich gelassen, darum war er zum Abschuß freigeben, wie Freiwild!

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