von am 10. Dezember 2011

Die Hindus Berlins haben in der Hasenheide ein spirituelles Zuhause gefunden. Im Rahmen unserer Reihe Götter & Glaube sprachen wir mit Gemeindemitglied Hanumaiah Vaidyanathan über das neue Tempel-Projekt und warum Religiosität dort keine Rolle spielt.

Text: Anne Krüger

Ein kalter Novemberabend in Neukölln. Menschen laufen schnell die Straßen am Hermannplatz entlang, es herrscht Feierabendverkehr, weiße und rote Autolampen blenden. Gar nicht so leicht auf dem dunklem Gelände neben der Hasenheide einen Tempel zu entdecken. Doch hier müsste er eigentlich sein – der provisorische Tempel der Hindu-Gemeinde Berlin.

Hinter einem großen Schild auf dem der Elefantengott Ganesha lebhaft seine bunt verzierten Arme schwingt, steht eine Halle. Sie erinnert eher an einen riesigen Schuppen als an einen heiligen Ort. Beim Eintreten allerdings, eröffnet sich eine andere Welt. Die Halle ist voll mit mehrfarbigen Göttern und goldenen Schreinen, die von Lichtern beleuchtet werden. Es ist Puja, die Zeit des Gebetsrituals, welches täglich zwischen 17.00 und 18.30 Uhr abgehalten wird. Eine Glocke ertönt, der Klang schallt durch das kalte Gebäude. Am anderen Ende singt ein Priester Gebete in indischer Sprache.

Religiosität spielt keine Rolle

Die Zeremonie findet in einem etwas abgetrennten Areal der Halle statt und wird von Heizstrahlern erwärmt. Am Eingang stehen die Schuhe der Besucher. Hier ist jeder Willkommen. „Religiosität spielt keine Rolle.“ sagt der Geschäftsführer und Gründungsmitglied des Hindu-Tempels Hanumaiah Vaidyanathan, er lächelt freundlich. Der aus Indien stammende Diplom-Ingenieur kam bereits 1967 zum Studieren nach Deutschland. Herr Vaidyanathan spricht melodiös während er das Projekt des hinduistischen Tempels erklärt. Dieser wirke über die Grenzen der Religion hinweg. Yoga und Meditation seien hier möglich, teilweise werden dazu Kurse angeboten.

Bei den mehrmals im Jahr stattfindenden Festen gibt es neben Gebetsritualen auch Essen und ausgelassenes Miteinander. Jedem steht dieser Ort offen. „Es ist sehr familiär hier und man fühlt sich sofort wohl“ bestätigt die 32-jährige Neuköllnerin Christina. Sie hat einige Zeit in Nepal verbracht und kommt regelmäßig mit ihrer kleinen halbnepalesischen Tochter her, um ihr den Hinduismus näher zu bringen. „Der Tempel gibt uns sehr viel, weshalb wir immer gern kommen. Sehr schön sind die großen Feste, wie das Lichterfest Ende Oktober“, erzählt sie strahlend. Zirka 6000 Hindus leben in Berlin, der Tempel selber hat 100 feste Mitglieder auf Lebenszeit. Die offizielle Sprache in der Gemeinde ist Deutsch, Zweitsprache Englisch.

Ganesha verbindet alle Hindus

Die Gemeindemitglieder kommen aus Indien, Sri Lanka, Singapur, Südafrika und vielen anderen Ländern der Welt. „Wir haben Ganesha als Tempelgott gewählt, weil er alle Hindus online casinos australia miteinander verbindet. Er ist der liberalste Gott und wird von allen Hindus, egal woher sie kommen anerkannt.“ sagt Herr Vaidyanathan. Er zeigt die anderen Götterstatuen im Tempel, wie Vishnu oder Shiva und veranschaulicht die unterschiedlichen Denkphilosophien im Hinduismus. Auch die Traditionen und Gebetsrituale unterscheiden sich von Region zu Region.

„Teilweise praktizieren wir hier in Berlin unseren Glauben konservativer als in der Heimat. Die meisten sind schon vor langer Zeit hergekommen und haben ihre Traditionen von damals mitgenommen.“ In den Heimatländer modernisieren sich die Gebräuche oft schneller, so Vaidyanathan. Das in Indien übliche Kastensystem, welches die Bevölkerung hierarchisch in Klassen unterteilt, werde hier nicht angewendet. Generell seien die Menschen in den Hindutempeln weltweit gleichberechtigt, erklärt der 69-jährige.

Schwieriges Bauvorhaben

Wieder ertönt die Glocke vom Gebetsschrein. Der in weißes Gewand gewickelte Priester badet die Statue von Ganesha mit einer Mischung aus Milch, Jogurt und Honig. Der Schrein ist reich bestückt, bunt glänzen die Reliquien. Die Ausstattung im Rest der Halle ist jedoch notdürftig. Eigentlich sollte schon 2008 ein richtiger Tempel gebaut werden und die provisorische Halle ablösen. Doch aufgrund der Finanzkrise sprangen die Investoren ab. Hinzu kommt, dass das 5600 m² große Grundstück erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt.

Bei Bodenproben wurde festgestellt, dass sich bis in sechs Meter Tiefe unter der Erde Bauschutt befindet. „Das sind die Trümmerreste aus dem 2. Weltkrieg, die hier aufgeschüttet wurden“, erläutert Vaidyanathan. Dadurch wird das Bauvorhaben nicht nur schwierig sondern auch sehr viel teurer. Wann der Bau des Hindutempels beginnen und abgeschlossen sein wird, kann Herr Vaidyanathan zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Das Projekt wird durch Spendengelder finanziert und die müssen erstmal gesammelt werden.

Zum Abschluss der Puja-Zeremonie geht der Priester mit einem Spendenteller, Milch, Rosenblättern und Farben in die Reihen. Die Anwesenden nehmen ein paar Blütenblätter und tupfen sich mit der Farbe einen Segenspunkt auf die Stirn. Auf dass sie bald einen richtigen Hindutempel in der Hasenheide haben.

 

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