von am 26. April 2015

Zwangsräumung leicht gemacht: Das Jobcenter Neukölln ist eines der härtesten der Stadt, heißt es seit Jahren.  In Sachen Mietschuldenübernahme bestätigt das jetzt eine Studie der HU Berlin von Andrej Holm. Die Initiative „Zwangsräumung verhindern“ hat dem Jobcenter dafür den „Goldenen Prügel“ verliehen. Um den Sicherheitsdienst kümmerte sich eine Gruppe von Clowns.

Wem wegen Mietschulden die Zwangsräumung droht, der kann beim Jobcenter Antrag auf Übernahme der Schulden stellen. Kein anderer Bezirk ist dabei so ungnädig wie Neukölln: 85 Prozent der Anträge lehnt das Jobcenter Neukölln ab. Zum Vergleich: berlinweit werden 47 Prozent dieser Dahrlehensanträge abgelehnt. Unerträglich findet das die Initiative „Zwangsräumung verhindern“ und stürmte das Amt vergangenen Freitag.

Rund 60 Menschen nahmen laut Initiative an der Aktion teil. Anlass: Die Ergebnisse einer Fallstudie über Zwangsräumungen in Berlin der HU Berlin, die der Soziologe Andrej Holm (Gentrification Blog) mit zwei Kolleginnen veröffentlicht hat.

GoldnerKnueppel

Foto: http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/

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Zwangsräumungen yeah: Konfettiregen zur Preisverleihung. Foto: zwangsraeumungverhindern.blogsport.de

 

Neukölln mal wieder vorne

Im Eingangstext der Studie heißt es: „Die fast 70.000 Anträge zur Miet- und Energieschuldenübernahme, die im Untersuchungszeitraum 2007 bis 2013 bei den Bezirksämtern eingegangen sind, verweisen auf das erhebliche Ausmaß der Mietschuldenproblematik. Rund 10.000 Anträge gibt es in Berlin pro Jahr, in den vergangenen Jahren haben fast fünf Prozent aller Berliner einen solchen Antrag gestellt. Mit über 7.700 Ablehnungen konzentriert sich fast ein Viertel aller Ablehnungsfälle auf den Bezirk Neukölln.“

Das bleibt nicht ohne Folgen: Ohne eine Mietschuldenübernahme führten viele Räumungsklagen zur Zwangsräumung. Zum 31.12.2012 waren in Neukölln 2.047 Menschen wohnungslos gemeldet – so viele wie nirgendwo sonst in Berlin.

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Zweisprachigkeit obligatorisch: das Flugblatt der Initiative Zwangsräumung verhindern wird in die Eingangshalle gepinnt. Foto: zwangsraeumungverhindern.blogsport.de

 

Die Angestellte eines freien Trägers, der sich um die Unterbringung von Wohnungslosen kümmert, berichtet:

„Ich sach‘ immer: Das Jobcenter Neukölln sichert mir hier meinen Arbeitsplatz. Wir hatten wirklich häufig schon Leute, die nur weil das Jobcenter wahlweise Sachen zu spät bearbeitet oder nicht richtig bearbeitet, Mietschulden haben und deswegen fristlose Kündigungen und Räumungsklagen erhalten.“ (Quelle: Studie „Zwangsräumung und die Krise der Hilfssysteme„, S. 47)

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3 Kommentare:

  • Sabine Niemann sagt:

    geile Aktion, hoffe noch mehr von euch zu sehen und zu hören,
    weiterhin viel erfolg

  • Kim sagt:

    stimmt! die spinner brauchten 2 monate damit sie meinen antrag überhaupt angeschaut hatten und habens auch noch versäumt mich anzurufen falls etwas fehlen sollte -_-

  • Petra Nebatz sagt:

    Hallo zusammen, gratuliere, wunderbar. Bin selbst lange aktiv gewesen zu 48 Std und Mitglied Werkstadt. Ich hätte zum Thema Betreuung, Zwangseinweisungen und psychiatrische Übergriffe durch Soz.psych. Dienst gerne eine Art Teamsitzung mit euch. Ginge das ????????? Tausnd Dank, weiterhin so erfrischende Arbeit für Neukölln und alle. Petra

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