von am 20. März 2017
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Ein Ort des Dialogs und der Zusammenkunft für Kinder und Jugendliche geschützt durch einen Sicherheitszaun: das Anton-Schmaus-Haus in Britz. (Foto: Iris Gleis)

Brandanschläge, Bedrohungen, Polizeischutz – in den vergangenen Jahren standen die Neuköllner Falken, ein sozialistischer Zusammenschluss von Kindern und Jugendlichen, des Öfteren im Fokus rechts motivierter Angreifer. Um die Sicherheit zu gewährleisten, musste ein Zaun und Sicherheitspersonal her. Ein Ortsbesuch.

Bedrohlich und abschreckend wirkt er, der alles umschließende Zaun aus grobmaschigen Gitterstäben, knapp drei Meter in die Höhe ragend, der das Anton-Schmaus-Haus (ASH), in der Gutschmidtstraße seit 2012 absichern soll. Polizeistreifen patrouillieren alle zwei Stunden, Security-Fachkräfte der Firma Sicherheit Nord wurden zusätzlich mit dem Schutz der Anlage betraut. Das scheint auch nötig.

Das ASH ist die Versammlungsstätte der Neuköllner Jugendorganisation Falken, die immer wieder zur Zielscheibe rechter Gewalt wird. In den vergangenen elf Jahren kam es zu Brandangriffen auf das Gebäude und Autos von Mitarbeitern, Bedrohungen einzelner Personen sowie Schmierereien mit nationalsozialistischem Charakter. Zuletzt brannte Anfang 2017 das Auto von Falken-Gruppenleiterin und BVV Neukölln-Mitglied Mirjam Blumenthal (SPD), welche nun unter Polizeischutz steht. Drei Monate zuvor wurde in Rudow das Fahrzeug der Geschäftsführerin des ASH in Brand gesteckt. Das ASH selbst wurde 2011 zweimal durch Brandanschläge stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die wollen uns einfach vertreiben

Wie kommt es, dass ausgerechnet eine Jugendorganisation in den Fokus scheinbar rechts motivierter Gewalttäter rückt? Laut Enrico Thiemann, Kreiskassierer und langjähriges Mitglied der Falken, ist dies dem Umstand geschuldet, dass politisch rechts denkende Menschen in dem Jugendverband einen Feind sähen. Die Falken hätten als sozialistische Organisation per se schlechte Karten beim Pendant. „Wir gehen sehr offen damit um, welche politische Haltung wir haben – und wenn man natürlich entgegengesetzt dieser Richtung denkt und handeln will, ist es am effektivsten, die Anschläge irgendwo zu beginnen, wo sofort klar wird, gegen was man arbeitet“, konstatiert Thiemann.

Für Tim Haverland, Kreisvorsitzender und ebenso langjähriges Mitglied, könnte auch der Umstand, dass es sich um Kinder und Jugendliche handele und diese, aufgrund ihres Alters, vom Gegner unterschätzt würden, eine Rolle spielen. „Die wollen uns, glaube ich, einfach vertreiben“, sagt er. Wenn das so weitergehe, könne man längerfristig betrachtet auch keine Kinder- und Jugendarbeit mehr betreiben. „Somit können aus den jungen Menschen auch keine erwachsenen Sozialisten werden. Das Feindbild wäre demnach geschwächt“, so Haverland. Enrico Thiemann bestätigt diese Annahme: „Die Eltern der Kinder machen sich seit geraumer Zeit große Sorgen“. Es erfordere viele Gespräche und Überzeugungsarbeit ihnen klarzumachen, dass die Gefahr durch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen zwar nicht beseitigt, jedoch zu großen Teilen eingedämmt sei, erklärt er.

Geschlossen im Kampf gegen Rechts

Wer in Nord-Neukölln lebt, tut sich freilich schwer damit, Springerstiefel und Bomberjacke tragende Glatzköpfe zu entdecken. Ganz anders sehe die Sache im Süden, besser gesagt in Rudow aus, findet Tim Haverland. Bereits als Kind vernahm er dort NPD-Aufmärsche und Kundgebungen – und nun käme es ihm so vor, als wären die Nazis mit jedem Wohnungswechsel, den er gen Norden vornahm, ebenso ein Stückchen weiter in nördliche Gefilde gewandert. „Man hat das Gefühl die kommen hinterher, das nimmt Überhand“, stellt er fest.

Von Resignation jedenfalls, trotz der Tatsache, dass die vermutlich rechte Gewalt in Neukölln nicht abzuebben scheint, will man bei den Falken nichts wissen. „Momentan, gerade mit dieser Welle der Terroranschläge in Neukölln, fühle ich mich in meiner Arbeit bestärkt. Ich habe das Gefühl, dass es sinnvoll ist, dass es der richtige Weg ist, dass es das richtige Ziel ist und, dass ich eigentlich nur noch mehr Energie hier rein stecken möchte“, so Enrico Thiemann. Laut ihm stünden die Falken, trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten bei gewissen Themen, geschlossen im Kampf gegen Rechts zusammen.

 

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