von am 1. Februar 2017
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Foto: Robin Stock

Was haben Handys, Hamsterräder und Hedgefonds gemeinsam? Eine Ausstellung, die sich kritisch mit Wirtschaftswachstum auseinandersetzt, erklärt’s. Wir waren bei der Eröffnung auf dem ehemaligen Kindl-Gelände.

Text: Leonie Sontheimer

Unendliches Wachstum in einer endlichen Welt – für FairBindung e.V. ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Das Berliner Kollektiv setzt sich seit 2009 für eine nachhaltige, solidarische und global gerechte Welt ein und stellt dabei den Zwang zum Wachstum infrage: „Warum soll die Wirtschaft ewig weiter wachsen? Wie kam es überhaupt dazu, dass Wachstum zum zentralen Leitmotiv für Politik und Wirtschaft wurde? Und was könnten Auswege sein?“ Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Endlich Wachstum!“, die FairBindung entwickelt und am 26. Januar  auf dem ehemaligen Kindl-Gelände eröffnet hat.

Alle zwei Jahre ein neues Handy 

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Hamsterräder verdeutlichen den Teufelskreis im Wirtschaftsalltag. (Foto: Robin Stock)

Um Punkt 18 Uhr sammeln sich die ersten Betrachter-Grüppchen vor den neun bunten Stationen, die im großen Raum des Berlin Global Village am Sudhaus 2 verteilt stehen. An einer improvisierten Bar kann man Fritz Brause bestellen. Die Besucher springen sofort auf die interaktiv gestaltete Ausstellung an, die ganz ohne Strom auskommt: Sie fassen Dinge an, drehen sie um und fügen sie neu zusammen. Auch der Witz kommt nicht zu kurz: Die Designerinnen Marion Reis und Golnar Mehboubi stellten auf Hamsterrädern Teufelskreise aus dem Wirtschafts-Alltag dar, die verständlich machen, warum wir alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen müssen. Direkt daneben steht ein anfassbares Lexikon, das wichtige wirtschaftliche Begriffe wie „Aktiengesellschaft“ erklärt. „Wir möchten auf niedrigschwellige Art Denkanstöße für eine Wirtschaft und Gesellschaft jenseits des Wachstums ermöglichen“, sagt Robin Stock von FairBindung.

„Sei schneller, sei schöner, sei besser!“

In welcher Reihenfolge man sich die vier thematischen Schwerpunkte anschaut, bleibt einem selbst überlassen. Besonders nachdenklich stimmt ein vierwändiger Aufsteller mit vielen bunten Aufforderungen nach dem Motto: „Sei schneller, sei schöner, sei besser!“. Steckt man den Kopf durch eine Öffnung in einer der Wände, verwandeln sich die Appelle in Fragen. So lernt man, dass Wirtschaftswachstum im Kopf beginnt. Wer Alternativen leben will, muss bei sich selbst beginnen und sich ehrlich fragen, ob man wirklich immer effizienter werden sollte.

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Kopf rein, Gehirn an! Denn genau da beginnt der Kapitalismus. (Foto: Robin Stock)

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Darstellung gelebter Alternativen, in Berlin und auf der ganzen Welt. Wer Inspirationen für den Wandel sucht, sollte sich die Ausstellung also in jedem Fall ansehen. Sie steht Besucherin noch bis zum 08.02. im Berlin Global Village offen und kann im Anschluss für Seminare oder Tagungen geliehen werden.

Endlich Wachstum!
Berlin Global Village
Am Sudhaus 2
12053 Berlin-Neukölln (ehemaliges Kindl-Gelände)

Genaue Öffnungszeiten findet ihr hier.

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