von am 25. Januar 2017
Päfgens_Telefon

Päfgens bei ihrem Konzert in der Bar Alter Roter Löwe Rein. (Fotos: Marion Rukavina)

Wer Musik liebt und gerne Konzerte besucht, hat bekanntlich in Berlin zahlreiche Möglichkeiten. In Neukölln präsentiert die Konzertreihe Heimspiel in regelmäßigen Abständen Berliner oder durchreisende Nachwuchsmusiker in heimeliger Atmosphäre. Bei der 21. Edition, die in der Rixdorfer Bar Alter Roter Löwe Rein stattfand, gaben Päfgens und Lake Felix ihre Kunst zum Besten.

Päfgens hat sich in Warschau gegründet, die beiden Musiker Jana Kočišová und Filip Drábek kommen aber ursprünglich aus der Slowakei. Eine eigene Fanbase scheinen sie sich auf jeden Fall schon erspielt zu haben: Der schummrig beleuchtete Hinterraum des „Löwen“ ist gut gefüllt und dem Stimmenwirrwarr im Publikum zufolge, scheinen hier viele slawische Wurzeln zu haben. Jana und Filip wirken so jung und zerbrechlich wie ihre Musik: Hörbar ist der Einfluss von The Cure, gepaart mit verzerrten Gitarrenloopings und Hall-Effekten. Dazu gesellen sich dann Fieldrecordings, Baselines und Janas leiser, fast wispernder Stimme. Ihren letzten Song singen sie auf Polnisch durch einen angekoppelten Telefonhörer – Nostalgie pur! Päfgens machen Musik, die hervorragend zum Berliner Winter passt und zu der man sich gemütlich mit Tee auf das heimische Sofa zurückziehen kann.

One-Woman-Band und Looping Wunder

Melancholisch mutet auch die Musik der One-Woman-Band Lake Felix an. Gekonnt und scheinbar mühelos vereint die Berlinerin Katharina Kollmann Singer-Song- Writer-Elemente mit virtuoser Loopingtechnik. Die kraftvolle Stimme, manchmal fordernd, gepaart mit teils anstrengenden Melodien und poetischen Texten, macht ihre Musik dabei definitiv zu etwas Besonderem. So lässt Lake Felix beispielsweise Gesprächsmonologe mitlaufen („Sind die Ostdeutschen wirklich anders?“) und kombiniert diese mit Beats und Fieldrecordings und auch mit der Mundharmonika.

Poetische Text, zum Teil anstrengende Melodien und gekonnte Loopings machen die Musik von Lake Felix aus. (Foto: Marion Rukovina)

Poetische Texte, zum Teil anstrengende Melodien und gekonnte Loopings machen die Musik von Lake Felix aus. (Foto: Marion Rukavina)

Nach dem zweiten Lied kommt es allerdings zu einer abrupten Pause. Eine Gitarrensaite ist gerissen. Lake Felix kommentiert den Fauxpas mit den Worten: „Jetzt ist etwas passiert, vor dem ich immer Angst hatte“. Sie verlässt kurz die Bühne und sucht unter dem aufmunternden Beifall des Publikums nach einer Ersatzsaite. Die ist dann schnell gefunden und die Musikerin, die ihren Sound selbst als „Crooked Psych Rock“ bezeichnet, kann ihr Konzert im „Löwen“ beenden. Genauso mysteriös und poetisch wie ihre Lieder, mutet übrigens auch die Beschreibung ihres Bandnamens an: Auf Facebook heißt es: „Lake Felix … ist der sehr optimistische Name für einen kratzgitarren-gepushten, rumpeligen Versuch, diese Pfütze aus all den widerborstigen und hässlichen Kreaturen, die ein Mensch so sein kann, in einen tiefen Klarsee aus glänzenden kleinen Fischen zu verwandeln“.

 
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