von am 4. Februar 2016

paten_NKZwei Freunde verlieben sich in die Film-Trilogie „Der Pate“ von Francis Ford Coppola. Und zwar so sehr, dass sie eine Theaterperformance daraus machen, die am Freitag ihre Premiere im Heimathafen feiert. Darin kommen Frank und Alper nicht nur den Filmfiguren, sondern auch ihrer eigenen Identität auf die Schliche.

Text: Meike Brülls, Foto: Heimathafen Neukölln

Frank reißt einen Arm in die Luft, sein Gesicht ist zu einer grinsenden Fratze verzogen. Zwei Finger und den Daumen spreizt er von seiner Faust ab – wie eine Pistole. Das Rattern eines Maschinengewehres ertönt, die elektronische Hintergrundmusik wird immer lauter, schneller, wird zu einem gluckernden Strudel. Mittendrin: Frank Oberhäußer und Alper Yildiz, die auf blauen Schreibtischstühlen sitzend wild über die Bühne rasen. Von der einen Seite zur anderen, im Kreis, wieder zurück. Sie klatschen und treten gegen Wände, trampeln, sind laut. Voller Euphorie. Bis die Musik umschlägt, zu einem gewaltigen Kugelregen wird, und Frank und Alper zuckend auf dem Boden liegen.

Kein Nachspielen

Die beiden Schauspieler proben gerade eine Szene ihrer Theaterperformance „Die Paten„. Es ist Montag, in vier Tagen wird das Stück im Heimathafen uraufgeführt. Zum ersten Mal kommen zu ihrem Spiel auch Licht und Musik zum Einsatz. Auf den Rängen sitzen Eva Plischke, Margret Schütz und Mona-Bawani Mühlhausen. Auf den leeren Plätzen um sie herum hängen Jacken über Stuhllehnen, liegen Weingummi-Tüten auf den Sitzen, stehen Getränke auf dem Boden. Der Raum ist geprägt von den seit knapp einem Monat andauernden Proben.

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Schauspieler bei der Probe zur Theaterperformance „Der Pate“. Foto: Milan Benak

 

Eva, Margret und Mona gehören wie Frank zum Neuköllner Theaterkollektiv Turbo Pascal, das das Stück zusammen mit dem erst 17-jährigen Alper und Schüler*innen der Hector-Peterson-Oberschule entwickelt haben. „Die Idee zu dem Stück kam eigentlich von Alper“, sagt Frank. „Nachdem wir beim Kurs für darstellendes Spiel festgestellt haben, dass wir beide den Film „Der Pate“ total gerne mögen, schlug er vor, daraus mal ein Theaterstück zu machen.“ Alper hatte davon sogar schon eine genauere Vorstellung – die Filme von Francis Ford Coppola bloß nachzuspielen war ihm zu langweilig. „Wir wollten etwas Eigenes daraus machen“, sagt Alper. „Erzählen, wie wir sie verstehen. Was uns wichtig ist. Warum wir die Figur des Paten so toll finden. Und was das mit uns selbst zu tun hat.“

Welche Rolle gibt einem die Gesellschaft?

In vielen Gesprächen über Macht, Familie, Mafia und Berlin näherten sich das Theaterkollektiv und die Schüler*innen nach und nach dem Thema des Stückes. Und stellten fest, dass viele Darstellungen von Parallelgesellschaften des Films auch auf das Leben im Norden Neuköllns zutreffen. Aus der vagen Idee des Schulkurses wurde eine Performance, in der Frank und Alper ihre eigenen Geschichten, ihre eigenen Persönlichkeiten und Erfahrungen, auf der Bühne mit denen der Figuren aus dem Film abgleichen. „In dem Stück verhandeln wir Themen der Identität“, sagt Frank. „Es geht um Rollen- und Besetzungsfragen. Wer könnte wen spielen? Welche Rollen kriegt man von der Gesellschaft zugeschrieben?“

Exemplarisch dafür steht die Szene, in der Alper einen Türken spielen soll, also den, den sie bei Copolla auch nur „den Türken“ nennen. „Das liegt ja auf der Hand, dass du den spielst“, sagt Frank auf der Bühne zu Alper. Der höhnt: „Na, was für’n Türken willst du denn? ‚N Drogendealer-Türken? Oder willst du lieber doch den Migrations-Türken sehen? Oder ’ne Wanna-be-High-Class-Türkin?“ Sie alle äfft Alper nach, spielt mit den Klischees – und schlägt zurück. „Weißt du was, Frank? Du bist der Senator. Dieser weiße, korrupte, rassistische Senator.“

Soundcollage „Die Paten“ Heimathafen Neukölln by neukoellner.net on hearthis.at

Viele Anweisungen müssen Eva, Margret und Mona nicht geben. Ab und zu fällt den Darstellern ihr Text nicht sofort ein, das Licht wird zu langsam oder die Musik zu schnell ausgeblendet. Friedrich Greiling, der auch zum Kollektiv „Turbo Pascal“ gehört, hat Motive der Filmmusik zu einem feinen technoiden Sound gemixt. US-amerikanische Klänge aus den Siebzigern treffen auf das 2016 Berlins.

Der Pate von Berlin

Auch der Schluss des Stückes überträgt die Ideen des Films in die Realität. Denn da steht die Frage: Was wäre, wenn es den Paten hier geben würde, in Berlin? Dazu werden Videos der Schüler*innen von der Hector-Peterson-Oberschule gezeigt, die persönliche Ängste und Wünsche in die Kamera sprechen. Für Frank war dieser Teil besonders spannend: „Das Kamera-Acting war eine besondere Herausforderung. Viele Schüler und Schülerinnen haben das vorher noch nie gemacht. Es war spannend, auch einzeln mitzuarbeiten und die Fragen des Stückes aufzuarbeiten.“

Alper Yildiz ist zufrieden damit, was aus seiner Idee geworden ist. „Ich mag das ganze Stück. Ehrlich! Und ich mache gerne Theater.“

Die Theaterperformance „Die Paten“ feiert am 5. Februar im Studio des Heimathafens Premiere, weitere Spieltermine sind der 6., 12. und 13. Februar, jeweils um 20 Uhr, am 11. und 12. Februar um 10 Uhr.

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