von am 13. Oktober 2015
Rad und Tat

Die Initiative Rad und Tat gibt es schon seit 25 Jahren im Schillerkiez. (Foto: Sophia Strauchmann)

An sozialen Initiativen mangelt es im Schillerkiez nicht. Für die „Woche des Besuchs“ öffneten viele Angebote ihre Türen und luden zum gegenseitigen Kennenlernen ein.

„Ich wünsche mir sehr, dass die Frauen, unabhängig von ihrer Herkunft, Lebensweise, sexuellen Orientierung oder Identität als vollwertige Menschen in dieser Gesellschaft wahrgenommen werden, und sich auch als vollwertige Menschen fühlen können. Ein Wort wie Frauendiskriminierung gehört einfach in die alte Kiste.“ Joanna Czapska von Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen formulierte diesen Wunsch auf der „Woche des Besuchs“. Organisiert von Socius und vom Nachbarschaftstreff im Schillerkiez gab es an drei Tagen geführte Spaziergänge durch den Stadtteil, zahlreiche soziale Einrichtungen öffneten ihre Türen.

Begrüßungsrunde

Begrüßungsrunde im Netzwerk behinderter Frauen (Foto: Sophia Strauchmann)

Hier ließ sich viel darüber erfahren, wie Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit in Neukölln funktioniert. Um Frauen und Frauenrechte ging es nicht nur bei Rad und Tat, die bereits vor 25 Jahren die gekachelten Räume einer ehemaligen Fleischerei in der Schillerpromenade bezogen haben. Im Netzwerk behinderter Frauen diskutierte die Teilnehmerrunde über Wahrnehmung von und Umgang mit Behinderungen. Die Bürgerhilfe klärte über den Unterschied zwischen Obdach- und Wohnungslosen auf und erzählte vom Alltag in der Miet- und Sozialberatung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender Mieten. Das Frauenprojekt Uğrak hilft vor allem türkischsprachigen Frauen, die Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen brauchen. Und der Besuch im Familienzentrum in der Karlsgartenstraße zeigte: Hier ist Platz für viele Kurse und Initiativen, darunter ein Bilderbuchkino, eine Nähwerkstatt oder ein Vätertreff.

Der zweite und dritte Tag drehte sich um die Themen Kinder, Jugendliche und Familie. „Familie ist für mich ein Ort, an dem man sich geborgen fühlt“, sagte Christian Schoon vom Nachbarschaftstreff im Schillerkiez, der die Besuchswoche zusammen mit Jana Gähler koordinierte. Im Yo!22 stemmten Jugendliche Gewichte, ein Angebot für jene, die von der klassischen Jugendarbeit nicht erreicht werden. In der Kinderwelt am Feld wurde Suppe im Kessel über einem Lagerfeuer gekocht, während drinnen Tischtennis und Billard gespielt oder gekickert wurde. Aber auch die Schilleria, das Warthe-Mahl, die Genezareth-Gemeinde, der palästinensische Wohltätigkeitsverein Al Huleh standen auf dem Programm.

Christian Baier von der Organisationsberatung Socius, der die „Woche des Besuchs“ in den vergangenen Jahren schon begleitete, sieht in der Veranstaltung die Chance, dass sich die Einrichtungen gegenseitig kennenlernen. „Wir gucken, wie Beziehungen entstehen und wie die Leute sich untereinander vernetzen.“ Und genau das funktionierte auch sehr gut – die Neugierde aufeinander war groß. Stößt die eigene Initiative an ihre Grenzen, empfiehlt man die Angebote anderer gerne, erst recht, wenn man nun die Köpfe hinter diesen kennt.

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