von am 13. Mai 2015

2014_kitsch3Die Serie “Pieces of Neukölln” geht in die nächste Runde. Fotograf und Künstler Florian Reischauer stellt euch die neuesten, hiesigen Straßenstars vor.

Zum zehnten Mal präsentieren wir euch Florian Reischauers Bilder aus seinem Foto-Blog “Pieces of Berlin”. 2013 wurde das Projekt des Österreichers und Wahlneuköllners mit dem Annual Multimedia Award ausgezeichnet. Nach Ausstellungen in New York und in der österreichischen Botschaft in Berlin, hat Florian Reischauer, der beim Künstlerkollektiv Ida Nowhere ein Zuhause gefunden hat, seine gesammelten Werke in einem Buch veröffentlicht. Wir sagen: Sehr zu empfehlen!

Bereits seit August 2011 stellt uns der Künstler ausgewählte Arbeiten auf neukoellner.net zur Verfügung. Nach dem ersten Teil der Pieces of Neukölln, folgten Nummer zwei, drei, vier, fünf, die Späti Pieces, das Ringbahn-Special, Last Pieces of Summer und Old School Pieces.

Diesmal kommt der Frühling vorbei und hat abermals sechs Neuköllner Bewohnerinnen und Bewohner im Gepäck, die von ihrem Leben in Neukölln erzählen. Was ist so faszinierend an diesem Bezirk, und was stößt ab? Wie soll es weitergehen? Antworten liefern die Spring Pieces of Neukölln!

benno_kms_2014benno; leicht über 50; schlägt sich so durch als 1,50€ jobber;
der benno ist urneuköllner und grad fällt ihm etwas resignierend auch nur die gentri-geschichte zu seiner heimat ein. “schillerkiez, fressmeile herrfurthstraße, der rest sieht noch immer scheiße aus. ich hoffe ich kann in 10 jahren noch die miete zahlen, das haus in dem ich wohne wurde auch schon verkauft…”

gisela2gisela; 78; rentnerin;
die gisela ist eine urneuköllnerin. nur während des kriegs lebte sie mit ihrer familie in niedersachsen. ihr lieblingsort ist der körnerpark. “es gibt keinen grund von hier wegzuziehen, ich habe fast mein ganzes leben hier verbracht, viele bekannte, ja mein ganzes umfeld lebt hier. das ist mein kiez!” von der offenheit und direktheit der berliner ist sie immer hin und weg, die niedersachsen sind viel sturer meint sie zum beispiel.
aus der ruhe bringt sie nur selten etwas, das sind dann meist nur kleinigkeiten, wie beschmierte hauswände: “…wenn schön und es was bedeutet ist das ja ok, aber oft sind das halt nur so kritzeleien.”

uemit_neukoelln_2014ümit; 29; qualitätskontrolleur;
ümit ist frisch gebackener papa und gerade nach neukölln gezogen. “ich bin in kreuzberg aufgewachsen, das ist eigentlich mein bezirk, aber als alleinverdiener war es unmöglich für uns und dem nachwuchs eine größere wohnung dort zu finden.”
neukölln sei schon ok, aber ihm fallen sofort drei punkte ein warum er seine alte heimat vermisst. “1. die kreuzberger sind viel freundlicher und offener – die gehen auf einen zu – hier sind die leute zurückhaltender.
2. in kreuzberg wird einem nie langweilig, da ist immer was los!
3. der großteil meines freundeskreises ist noch dort und einem ist natürlich vieles vertraut, weil man als kind schon dort gewohnt hat. treffpunkt ist und bleibt kreuzberg.

xavi_neukoelln_2014xavi; 28; lernt gerade deutsch und ist arbeitslos;
der xavi lebt seit fast 3 jahren in berlin und kommt aus barcelona. er ist eigentlich übersetzer und möchte sein deutsch hier verbessern, aber wenn er so nachdenkt, will er zurück nach spanien und wieder zum studieren beginnen – dazu muss er aber noch viel geld hier sparen, sagt er. in berlin richtig anzukommen war für ihn ein nicht grad leichtes unterfangen: “die leute sind sehr kalt und es war schwierig freunde zu finden!”

micha_rixdorf_2014micha; 61; kneipenbesitzer;
der micha hat seine jugend in rudow verbracht und seit 1969 lebt er in rixdorf. bei einem eisenwarenhändler war er als verkäufer angestellt und nachdem der pleite machte ging sein eigentlicher traum in erfüllung: “eine eigene kneipe zu haben war eigentlich immer mein jugendtraum. ich muss das wohl von meiner oma geerbt haben, die war auch in der gastronomie tätig.”
98% seiner kundschaft sind stammgäste die abends vorbeischauen, aber das tagesgeschäft hat sich drastisch verändert – “die älteren, die auch tagsüber gekommen sind, sterben mir weg. allein in den letzten 3 jahren waren es 16 leute. das ist natürlich traurig. es gibt aber auch einen dart-club, der zieht auch junge gäste an. man schlägt sich halt so durch. lieber ein spatz auf dem dach als ne tote taube auf der erde!”
micha steht 7 tage die woche hinter dem tresen, das ist sein selbstgeschaffener mikrokosmos und schmunzelt: “von berlin bekomm ich wenig mit, das kann ich kaum beurteilen. alle 5 jahre fahr ich mal zum potsdamer platz, dort bekomm ich dann einen schreck, dann geht’s wieder nach rixdorf.” schade findet er, dass die karl marx straße so verramscht ist. “das war mal die fünft beliebteste einkaufsstraße berlins, aber kein wunder, sie hat sich halt dem niveau angepasst. jeder 4. hier ist hartzer.” mit dem vermieter versteht er sich gut und muss keine saftige mieterhöhung befürchten. “10 jahre will ich hier gern noch machen, dann können sie mich von hier raustragen.”

firewall3_2014

A Piece of Firewall

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