von am 4. Februar 2014

Der Späti International steht zum Verkauf, obwohl der Laden in der Weserstraße nach wie vor floriert. Besitzer Dogan Karaoglan hat dennoch die Schnauze voll und will nur noch weg.

Dogan Karaoglan wirkt müde. Wenn er hustet, klingt das nicht gesund. Schuld an diesem schrecklichen Husten seien zu viel Filterkaffee und Zigaretten, sagt er. „Vom Alkohol mal ganz zu schweigen“, brummt der 46-Jährige und nimmt einen weiteren Zug an seinem Glimmstängel. Seit fünf Jahren führt der gebürtige Türke den Spätkauf International in der Neuköllner Weserstraße 190. Übernommen hat er den Kiosk damals von Freunden, die nach seiner Ansicht „mit allem überfordert waren. Und bevor ihn ein anderer genommen hätte …“, sagt Karaoglan, der gelernter Fußbodenleger ist.

„Mir ist egal, wer den Laden kauft“

Bald wird es einen neuen Besitzer geben. Karaoglan hat seinen Späti beim Internetportal Craigslist inseriert. Er will 45.000 Euro für seinen Laden haben – ohne Inventar versteht sich. Bisher gibt es acht Interessenten aus Berlin, die mit dem populären Späti liebäugeln. „Mir ist es egal, wer den Laden kauft und ob der seine Berühmtheit beibehält“, meint Karaoglan. Er ist froh, wenn er den Späti los ist und sich um nichts mehr kümmern und sorgen muss. Dann kann er endlich die Stadt verlassen und nach Äthiopien auswandern. „Ich liebe die Musik des Landes. Und ich kenne dort auch ein paar Leute mit denen ich vom Erlös leben will“, erklärt er und nimmt einen großen Schluck Kaffee aus einem Pappbecher. Seine zwei erwachsenen Kinder bleiben in Berlin. Sie haben kein Interesse an einer Geschäftsübernahme. Auch seine Nichte, die ihm ab und zu hilft, will nicht. Selbst seine Frau ist weit davon entfernt, den Laden weiterzuführen. Von der ist er seit längerem getrennt.

Das gleiche Sortiment wirkt hier trotzdem besonders

Das gleiche Sortiment, trotzdem mehr Kunden. Ob’s an den Fotos der Filmstars liegt?

Obwohl der Späti International das gleiche Sortiment an Alkohol, Softgetränken und Snacks wie Chips, Erdnüsse und Weingummi anbietet wie zig Andere im Kiez, hat es Karaoglans Laden zu einer gewissen Popularität geschafft. Im Sommer hocken seine Kunde, meist Studenten aus der Nachbarschaft, auf einer Bank, die um einen Baum herumgezimmert wurde oder trinken ihr Flaschenbier in einem Raum, der mit Sperrmüll-Möbeln ausgestattet ist. „Wer hier trinkt, bezahlt weniger für sein Bier“, erklärt Karaoglan und knipst die hängenden Lampen über den runden Holztischen an.

Die Nachbarn teilen seine Passion nicht

An diesem späten Samstagnachmittag war noch kein Kunde da. Kein Student. Kein Hipster, der noch fix Schnaps für die Geburtstagsparty am Abend braucht oder Toast für das Katerfrühstück. Nur zwei Männer vom Lieferservice wuchten leere und volle Getränkekisten in den Späti. Karaoglan schätzt, dass im Sommer täglich bis zu 200 Kunden zu ihm kommen. Im Winter sei es nur die Hälfte. Um seiner Kundschaft etwas Besonderes zu bieten, veranstaltet der Inhaber kleine Konzerte. Sogar der Rapper MC Fitti ist schon bei ihm aufgetreten. „Ich liebe Musik. Deshalb wird auch immer welche gespielt. Entweder aus Jamaika, Cuba oder Äthiopien“, sagt er. Nur die Nachbarn teilen seine Passion nicht.

 

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

Des Öfteren musste schon die Polizei kommen und ihm den Saft abdrehen. Sogar um ein Bußgeld ist Karaoglan nicht herumgekommen. „Ach, mich haben Leute angeschwärzt, die eifersüchtig sind, weil mein Geschäft so gut läuft“, behauptet der 46-Jährige und blickt finster drein. Aber bald, so hofft er, habe er damit nichts mehr am Hut. „Dann sollen sich andere mit diesem Ärger rumschlagen. Ich kann nicht mehr“, ruft er resigniert und schlürft in seinem dunklen Jogging-Outfit hinter den Verkaufstresen. Müde lässt er den Blick durch den Laden schweifen und zieht gedankenlos an seiner Zigarette. Vor nicht allzu langer Zeit steckte noch mehr Elan und Freude in dem Späti-Inhaber, noch als Spiegel-Online Mitte Oktober vergangenen Jahres einen Artikel über sein Geschäft veröffentlichte. Da trug er ein breites Grinsen auf den Lippen. Seine Augen funkelten freundlich. Jetzt wirkt er verkatert, groggy, lustlos.

Wenn alles nach Plan läuft, will Karaoglan seinen Späti International in zwei bis drei Monaten verkauft haben. Bis dahin wird er sich wohl oder übel mit seinem Späti und der Weserstraße arrangieren müssen.

Bald wechselt der berühmte Spätii den Besitzer

Eine Marke, mit der bald jemand anderes sein Geld verdient. (Fotos: Anne Stephanie Wildermann)

 

2 Kommentare:

  • Holger sagt:

    So ein Quark
    Ich kenne jemanden der direkt gegenüber diesem Späti wohnte.
    Nacht um 3 Uhr 150 Leute, samt Musiker.
    Dummerweise muss mein Bekannter arbeiten, um zu Leben.
    Und das Schlafzimmer war zur Strasse.
    Deswegen die Polizei geholt, und nicht wegen „Neid“.
    Ja, der Laden soll ruhig zumachen, eine Wohltat für die Anwohner, die ihr Geld mit arbeiten verdienen müssen.

  • […] Auf Nachfrage wurde uns bestätigt, dass der Späti International inzwischen verkauft wurde. Käufer und zukünftige Verwendung […]

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