von am 18. August 2017

Für ihre Show sucht, findet und bequatscht Simi Simon ihre Gäste stets in Eigenregie. Wie genau sie dabei vorgeht und welche Gedanken sie dabei plagen und quälen, berichtet sie in dieser Kolumne. Simi Will: einen Mann für Cesy Leonard.

Wie sonst auch facebookte ich auf der Suche nach einem möglichst direkten Kontakt in der Gegend rum. Cesy Leonard, die Chefin des Planungsstab des Zentrums für Politische Schönheit war längst auf der Liste der „interessanten potentiellen Gäste“. Schon mit der spektakulären Aktion des ZPS 2015 hatte dieses Kollektiv meine vollste Aufmerksamkeit. Ein aufrechter Facebookfreund linkte mir dann auch die E-Mail-Adresse von Cesy Leonard und die Mailfreundschaft nahm ihren Lauf. Cesy antwortete prompt, musste aber immer wieder wegen Kinderkriegen, Urlaub, Aktionsstress und diverser anderer Unwegsamkeiten die Teilnahme an der Show verschieben. Nun aber ist es endlich soweit: Cesy Leonard öffnet uns ein Zeitfenster. Enorm zuträglich ist, dass das Zentrum für Politische Schönheit just im Juni die Aktion „Scholl 2017″ gestartet hat.

Nun startete natürlich meine Suche nach dem „Mann an Cesys Seite“ – wer sollte es werden? Ich durchstöberte meine Besetzungswunschliste:

Frederick Lau – bis Ende August beim Auswärtsdreh
Claus Kleber – muss ich die Freundschaft neu aktivieren; das braucht noch bisschen Zeit, denke ich
Konstantin Wecker – noch auf Tour, hat aber für Anfang 2018 fest zugesagt!

Bei einer meiner zahlreichen Kellnerschichten bekam ich einen „heißen Tipp“: Christian Lindner – ja, stimmt, hm – aber für den Besuch eines Schlagersängers bin ich innerlich noch nicht bereit. Vielleicht später mal. Der tolle Aykut Kayacik war schon da und bei Bela B. hat das nette Management zwar prompt geantwortet, aber ich soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder anfragen. Immerhin ein Etappensieg.

Wer soll denn nun im August dabei sein?

Nach vielseitigen Überlegungen fiel mir die in jüngster Vergangenheit aufgeblühte, aktive Facebook-Korrespondenz mit Wolfgang Müller ein: „Bezaubernd, wie dieser Gegengeschlechtler zu schreiben versteht.“ Charmant, empathisch und wortgewaltig. Ergänzend hab ich mir sogleich das von ihm herausgegebene Werk „Geniale Dilletanten“ besorgt – zugegebenermaßen keine leichte Kost, aber dieses Büchlein sollte Pflichtlektüre für die 10. Klasse Musik/Deutsch/Kunst sein. Unbedingt!

Ich frage also an: „Sehr geehrter Wolfgang Müller…“ usf. Wolfgang Müller äußerte sich zunächst skeptisch, da er ein „Talkshowgezeter“ befürchte, wegen seiner eher kritischen Haltung gegenüber dem Zentrum für Politische Schönheit und sendet mir dann sicherheitshalber das hier aus der Berliner Gazette zu. Okay, das wäre dann wohl eine Herausforderung denk ich mir und antworte:

„Lieber Wolfgang Müller,
oh lala, das wäre sicher eine echte Herausforderung für mich. Sie müssen wissen, ich verstehe mein kleines Format als eine Art narzißtische Party, bei der möglichst verschiedene Kreative aus diversen Bereichen der ‚Schöpferei‘ quasi in erster Linie den Nachkommen vorgestellt werden sollen. Ja und natürlich dabei auch aufs Feinste abgefeiert werden für das, was sie tun und dass sie es tun.

So ungefähr ist das bei Simi Will, daher bin ich als Gastgeberin (ich feiere mich auch selbst dabei) bis dato wenig mit echtem Diskurs konfrontiert gewesen. Aber ja – da Sie ja grundsätzlich Ihre Teilnahme zugesagt haben, lieber Wolfgang Müller, schlage ich vor, wenn es zeitlich für Sie zumutbar wäre, Anfang August einen Drehtag zu vereinbaren.

Mit den besten Grüßen
Simi Simon“

Gesucht, gefunden: Wolfgang Müller

Es war der längste Dreh ever – fünf Stunden kompaktes Kunsterlebnis. Unter anderem weiß ich jetzt, dass es Elfen gibt, dass Hören viel mehr ist, als ich bisher geglaubt habe und Island unbedingt eine Reise wert ist. Warum wir die Kunst „suchen gehen sollten“ und dass das „Offensichtliche eine Nebensache ist“, „die Gründung eines privaten Goethe-Instituts mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein kann“, Joseph Beuys ein großzügiger Mensch war undundund.

Frei nach Goethe: Ich weiß auch nicht, was Schönheit ist. Aber seit der Begegnung mit Wolfgang Müller habe ich wieder ein bisschen mehr Ahnung davon, was für mich Schönheit sein könnte. Wir sehen uns am 20. August im Valentin Stüberl:

SIMI WILL DIE 33.
Sonntag, 20. August 2017, 20.15 Uhr
Valtentin Stüberl Neukölln, Donaustraße 112

 

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