von am 3. November 2017

Nirgendwo in Neukölln muss man mehr aufpassen, wo man hintritt: Wir haben Hunde mit ihren Haltern zusammen portraitiert und mit ihnen über das Hundeleben im Schillerkiez gesprochen.

Texte: Max Büch / Fotos: Florian Reischauer (piecesofberlin.com)

 

Haarige GesellenSabine, 29 und Robert, 11

Zwei bis drei Stunden am Tag ist Sabine mit Robert unterwegs, oft am Hundespielplatz auf dem Tempelhofer Feld. Tüten für die Haufen hat sie immer dabei: „Ich spreche schon auch die Leute an, dass sie eine Tüte für die Haufen nehmen sollen oder ich biete ihnen eine Tüte an. Das hängt allerdings ein bisschen davon ab, welchen Hund ich vor mir habe. Bei einem Mann mit Kampfhund sag ich dann lieber nichts. Aber der schlechte Ruf färbt schließlich auf alle ab.“

 

Haarige GesellenJean, 39 und Brody, 7

„Ich weiß nicht einmal, ob das als Hund überhaupt zählt“, witzelt sein Kumpel. Jean kommt aus Frankreich und meint, dass er doch eher mit Besitzern von kleinen Hunden ins Gespräch käme. „Hunde vereinfachen oft die Kommunikation – manchmal machen sie die Sache aber auch komplizierter. Viele Menschen hier haben richtig Angst vor Hunden. Ich habe schon erlebt, dass ein Mann bei meinem kleinen Hund richtig ausgeflippt ist und auf eine Parkbank gesprungen ist. ‚Wenn er mich berührt, komm ich nicht in den Himmel‘, hat er gemeint.“

 

Haarige GesellenTina, 47 und Satchmo, 6

Ein kurzer Pfiff und Satchmo springt wie selbstverständlich in den Fahrradkorb am Lenker „Satchmo ist schon mein vierter Hund, aber einer der einfachsten. Von Haus aus relaxed. Der fährt super Auto, fährt super Fahrrad und der fährt super Bahn.“ Das Hundehalten in der Stadt sei an sich kein Problem, nur solche Fressmeilen wie die Bergmannstraße sind für die Hunde ein bisschen anstrengend, weil sie aus den Essengerüchen gar nicht mehr herauskommen.

 

Haarige GesellenLaetitia, 36 und Luchs, 22 Monate

Sein Alter sieht man Luchs nicht unbedingt an – er ist gerade in seiner Teenagerphase. Als Hundebesitzerin liebt Laetitia Berlin. „Supercool“ für Hunde. Sie selbst selbst kommt aus Chartres und hat lange in Paris gelebt. „Es gibt sehr viele Grünflächen und viele Parks, in denen man die Hunde frei rumlaufen lassen kann.“ In Frankreich dürfe man die Hunde nie von der Leine nehmen. „Die Haufen sammele ich immer auf, aber oft rufen mir die Leute schon hinterher, wenn der Hund noch am Scheißen ist. Das nervt brutal.“

 

Haarige GesellenAnne, 30, Juri, fast 2 und Ivy, 4

„Keine Angst, der bellt nur“, meint Anne, stellt ihren Hund kurz mal ab, wie sie sagt und kommt mit mit Juri im Gepäck rüber. „Der ist grundnervös.“ Anne lebt seit neun Jahren im Schillerkiez und früher sei einfach ein bisschen ruhiger gewesen – weniger Fahrradfahrer zum Beispiel. Da komme es mittlerweile oft zu Zusammenstößen. Wie reagieren die Bewohner im Kiez auf ihren Hund? „Es gibt zwei Extreme: Sie fahren darauf ab oder sie können Hunde gar nicht leiden. Manche Kinder rennen sogar weg.“ Früher habe sie immer Aufklärungsarbeit gemacht, aber das hat sie mittlerweile eigentlich aufgegeben.

 

Haarige GesellenLocke, 42, Tanja, 34 und Torsten, 45 mit Schira, 10, Monti, 2, Woody, 14 Monate, Hexe, 4 und Doro, 2

„Der Platz soll erhalten bleiben.“ Der Grünstreifen neben Papas Weg, auf dem Gelände des ehemaligen St. Thomas Friedhofs, ist eine sichere Anlaufstelle, wenn es darum geht, Hundebesitzer aus dem Schillerkiez zu treffen. Die größte Sorge, und das ist ihnen wirklich wichtig, ist die Zukunft dieses „Urwalds“ oder „Paradieses für Hunde“. Es gäbe so viele seltene Vogelarten, dass man daraus eigentlich ein Naturschutzgebiet machen müsse, meint Tanja. Sie und die anderen rund 20 Hundebesitzer kümmern sich um das geliebte Grün, sie machen auch regelmäßig sauber. „Alle paar Wochen ist Großputz.“

Florian Reischauer zeigt auf seinem Foto-Blog pieces of berlin die Ecken und Kanten der Stadt und ihrer Bewohner. Regelmäßig veröffentlichen wir aus seinem Fundus die „Pieces of Neukölln“.

Der Artikel wurde erstmals am 31. Oktober 2013 auf neukoellner.net veröffentlicht

 

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