von am 14. September 2015

_DSC0235-2Schon seit 1737 werden Strohballen durch Rixdorf gerollt, wenn auch mit langer Unterbrechung. Seit 2008 findet der Wettstreit jährlich wieder statt. Am vergangenen Samstag rollten kostümierte Teams die Strohballen rund um den Richardplatz – ein witziges Spektakel mit spannender Geschichte.

Fotos & Text: Michalina Kowol

Plötzlich sind da eine Menge Flüchtlinge mitten in Rixdorf. Sie sprechen eine fremde Sprache, haben andere Bräuche und bekommen vom Staat allerhand Vorteile. Das passt den Alteingesessenen gar nicht, es kommt regelmäßig zu Schlägereien. Zum Glück keine Geschichte von 2015, sondern eine Episode aus dem Jahr 1737, als böhmische Auswanderer nach Rixdorf kamen. Und genauso wie in Europa 2015 gab es auch schon vor 200 Jahren Menschen, die die neuen Nachbarn nicht als Fremde wahrnehmen wollten. Auf diesem Weg enstand die Idee von „Popráci“ – tschechisch für Feierabend. Ein Rixdorfer und ein Böhme heckten den Plan aus, Teams beider Gruppen in einem freundschaftlichen Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen. Und siehe da: Mit dem Rollen der Strohballen kam auch die Erkenntnis, dass der neue Nachbar vielleicht doch gar nicht so verkehrt ist.

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1912 wurde das Ereignis allerdings von Kaiser Wilhelm II. verboten. 2008 belebten die Künstlerkolonie Rixdorf und die Botschaft der Tschechischen Republik Popráci wieder, mit einem bunten Straßenfest und natürlich dem traditionellen Rollen der Strohballen. Sie wiegen 200 Kilo und sind 160 Zentimeter hoch. Am vergangenen Samstag nahmen am 182. Popráci 20 Mannschaften aus Deutschland und Tschechien teil. Prämiert wurden das schnellste, das gemütlichste und das originellste Team. Bei der Originalität fiel es der Jury offenbar am schwersten, sich für einen Sieger zu entscheiden, da er zwei Mal vergeben wurde: An Haywatch und Popöchen aus Horní Čermná ex aequo. Den Preis für die gemütlichste Mannschaft ging an die Rolling Squaws und am schnellsten waren die Cácorňáci mit einem beeindruckenden Ergebnis von 1:34,26.

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An diesem warmen und sonnigen Nachmittag erinnerte vieles im malerischen Rixdorf an vergangene Zeiten. Man trank damals bestimmt kaltes, tschechisches Bier, es flogen Strohhalme überall durch die goldene Luft und die Kinder spielten wie heute im Stroh. Gut, vielleicht konnte man im 18. Jahrhundert noch kein Essen aus Südafrika probieren oder Bauchtanz gucken. Auch waren da wahrscheinlich keine Mädels mit Bart oder Jungs in Miniröcken dabei. Aber sicherlich war es genauso viel Spaß für alle wie heute.

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