von am 5. Juli 2012

Die IGA ist vom Feld, die Pläne zum Bau von Mietshäusern im Osten des Parks allerdings nicht. „Die Menschen brauchen diese Freiheit. Der Park wirkt wie eine Therapie, und die Leute fühlen sich besser.” Ein Blick vom Schillerkiez auf das Tempelhofer Feld

Sobald der Sommer zurückkehrt und Licht und Wärme die Straßen füllen, zeigt auch der Schillerkiez wieder sein schönstes Gesicht. Ein lebhaftes Grün, das aus allen Ecken wächst: kaum beginnt die Natur wieder üppig zu sprießen, füllen sich auch die Parks und Spielplätze mit Kindern und Erwachsenen aller Altersgruppen. Und immer ist – als wäre es von der Natur so vorgesehen –   ein Eiswagen in der Nähe, dessen vielfältiges Angebot das Leben versüßt.

Im Schillerkiez heißt der Verantwortliche dafür Mauro Luongo. Seit sieben Jahren ist er schon in Neukölln unterwegs und bringt das im Schillerkiez hergestellte Eis an alle Orte, wo Leute den Sommer und die Freiräume genießen. Ein Umstand, den er als das „wunderschönste Erlebnis“ bezeichnet.

Was er an dieser Arbeit besonders schätzt, ist die Freiheit und der Kontakt zu den Leuten. Und man merkt es ihm auch an. Er ist ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Mensch, der gerne mit anderen redet und sich auch für deren Leben interessiert. In seiner 26-jährigen Berufslaufbahn war er bisher Eisverkäufer, Kellner und Restaurantbetreiber. Obwohl der menschliche Aspekt immer vorhanden war, hat ihm im Restaurant die Freiheit gefehlt und die Zeit für sich und seine Familie. Er erklärt mir, dass man bei dieser Arbeit zwar wusste, wann man beginnt, aber nicht, wann man wieder nach Hause geht. Und das wollte er nicht länger mitmachen.

Wie eine Therapie

Heute fühlt er sich als ein freier und glücklicher Mensch, der sich bewegen kann, wie er will und an keinen festen Ort gebunden ist. Wenn nun sein Eiswagen vor dem Eingang der “Tempelhofer Freiheit” auf der Oderstraße inzwischen wie ein fester Bestandteil des Kiezbildes erscheint, kann das nur bedeuten, dass er sich hier wohl fühlt. Seit der Eröffnung des Geländes vor zwei Jahren ist er bei schönem Wetter immer da.

„Die Leute wollen kein Wohngebiet in diesem Park“

Den Wunsch nach Freiheit und Freiräumen erkennt er auch bei den Leuten, die täglich diesen Park besuchen. In seinen Augen braucht der Mensch freie Flächen wie diese, denn sie wirkten wie eine Therapie auf eine doch öfter durch den Stress und die Stadt belastete Psyche. Aber ob dieses Feld so bleibt, oder was mit ihm geschehen soll, das wisse keiner. Ständig sieht er neue Broschüren mit interessanten Projekten, aber was am Ende tatsächlich passieren wird, bleibt ihm ein Rätsel. Was seiner Meinung nach definitiv nicht passieren  sollte, weiß er allerdings genau: „Die Leute wollen kein Wohngebiet in diesem Park. Und ich selbst bin auch dagegen. Weil dieser Park der Öffentlichkeit gehört.“

Aber zur Zeit seien die Menschen sehr froh mit diesem riesengroßen Park. Nur „abends ist es traurig“, sagt er. Mauro Luongo bleibt meistens, bis die Tore geschlossen werden. Er erzählt mir, wie alle den Park verlassen müssten und sich dann einige draußen auf den Boden setzten und dort weiter redeten. Er bedauert es, dass die Leute nicht im Park bleiben dürften. Besonders zu dieser Zeit, in der man diese schönen Nächte genießen könne. „Solche Nächte bekommt man nicht immer.“ Seiner Meinung nach könnte man einen Teil des Parks offen lassen, damit die Leute bis zum nächsten Tag bleiben könnten, wenn sie wollten.

 

Der Text ist in der Juni-/Juliausgabe der Schillerkiezzeitung Promenadenmischung erschienen

 

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