von am 4. November 2013
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Arbeiter des kleinen Weingutes in Britz sammeln die übrig gebliebene Maische.

Neukölln eilt nicht gerade der Ruf voraus ein Mekka für Weinliebhaber zu sein. Dabei wird auch hier angebaut und gekeltert. In Britz liegt versteckt zwischen Einfamilienhäusern und Kleingartenanlagen Neuköllns einziges Weingut.

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Nach jedem Pressvorgang muss die Weinpresse gesäubert werden. Vor allem, wenn anschließend weiße statt rote Trauben gepresst werden.

Ein süßlich-blumiger Duft zieht über das kleine Weingut in Britz in der Kleingartenkolonie „Guter Wille“. Zwei Männer säubern eine altmodisch aussehende Weinpresse mit einem Wasserschlauch. Die roten und matschigen Weintraubenschalen und ihre Kerne werfen sie auf eine weiße Kunststoffplane. Die Überbleibsel stammen aus der letzten Pressung (Keltern) für dieses Jahr und landen später als Dünger zwischen den Weinreben, die mittlerweile keine Trauben mehr tragen.
Das Britzer Weingut liegt nahe der Bahnschienen der Neuköllner-Mittenwalder Eisenbahn, die heute nur noch teilweise in Betrieb sind. Betreiber des Kleinods ist der 32-jährige Viktor Sucksdorf. Er ist gelernter Winzer und stammt aus der Republik Moldawien. Vor 14 Jahren hat er aus politischen Gründen sein Heimatland verlassen und ist nach Deutschland gekommen.

„Würziger als im Westen Deutschlands“

Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern baut Sucksdorf zusammen mit sieben Helfern etwa 28 Weinsorten wie Muskat, Weiß-, Grau-, Spätburgunder, Phönix und Dornfelder an. Die Sorten stammen aus Franken, dem Rheingau, Italien und aus Moldawien. „Das Klima ist gut für den Wein, dadurch schmeckt er würziger als im Westen Deutschlands“, erzählt der Winzer, während er in moldawischer Tracht durch die Reben spaziert und die neuen und alten Triebe der Pflanzen begutachtet. Der sandig-lehmige Boden, der mit ein wenig Kalk versetzt ist, tut sein Übriges. „Aber Verhältnisse wie in Italien, wo der Wein überall wächst, werden wir hier nie bekommen“, fügt er hinzu. Traurig stimmt ihn diese Tatsache nicht. Viktor Sucksdorf hat schon genug mit dem Weingut zu tun. 365 Tage im Jahr nehmen ihn die Reben in Anspruch. Sie seien wie ein kleines Kind, meint er. „Ständig muss man sich darum kümmern und es hegen und pflegen.“

In Reih und Glied sind die Rebstöcke gepflanzt und schlängeln sich an Rankhilfen empor. Kaum zu glauben, dass die Fläche im Jahre 2002 noch einem Urwald glich. „Überall standen wilde Büsche, Bäume und Sträucher“, erinnert sich Viktor Sucksdorf. Es dauerte lange, bis das Brachland gerodet und halbwegs ordentlich aussah. Die Frau des Winzers glaubte nicht, dass er die Arbeit bewältigen würde. Aber sie irrte. Nur viel Geld lässt sich mit dem Neuköllner Weingut noch immer nicht verdienen. Dafür ist die Fläche auch einfach zu klein. Viktor Sucksdorf ist auf Spenden und die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Und selbst wenn ein wenig Geld fließt, werden davon neue Filter, Geräte und Pumpen angeschafft. „Wir brauchen jedes Jahr neue Filter. Die sind leider sehr teuer“, sagt er.

200 bis 300 Liter Wein pro Jahr

Egal, welches Abfallprodukt bei der Weinpressung entsteht, es wird nicht weggeworfen. Die Kerne der weißen und roten Trauben werden mühevoll gesammelt und getrocknet. Viktor Sucksdorf hofft, dass der „Verein zur Förderung des Britzer Weinguts“ – einer von insgesamt zehn Weingutvereinen in ganz Berlin – diese für Kosmetikprodukte weiterverarbeiten kann. Allerdings fehlen dazu noch die entsprechenden finanziellen Mittel. Selbst für das Material zur Lagerung des Weines ist das Geld knapp. Große und traditionelle Eichenfässer kann sich der Verein nicht leisten. Ein 360-Liter-Fass kostet ab 500 Euro aufwärts. Aus diesem Grund wird der Wein in Kunststofffässer aufgefüllt und gärt dort weiter. Solch ein Fass kostet nur 200 Euro. Allerdings trägt das Eichenholz zum Reifungsprozess des Weines bei. Aus diesem Grund wird ein Stück Eichenholz in das Kunststofffass gelegt, damit der Wein noch kräftiger wird. Etwa sechs Monate lagert der Wein in den Fässern.

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Die Endprodukte: Gegen einen kleinen Obolus von 8 bis 9 Euro kann der Wein direkt auf dem Gut gekauft werden.

Der gesamte Prozess, also von der reifen Traube bis zum Abfüllen in die Weinflaschen, dauert ein Jahr. Auf dem Gut werden im Jahr etwa 200 bis 300 Liter Wein produziert. Beim Traubensaft sind es sogar 700 Liter jährlich. In Geschäften wird der Wein nicht angeboten. Nur gegen einen kleinen Obolus von 8 bis 9 Euro pro Flasche kann man den Wein direkt auf dem Gut erstehen. Oder auf dem Weihnachtsmarkt.

Kontakt und Informationen:
Viktor Sucksdorf
Tel.: 0178-5263431 / 0177-8324254
Homepage: www.britzer-weingut.de

 

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