von am 15. Mai 2014

IMG_1929Einst war das „Blub“ das populärste Erlebnisspaßbad in Britz. Seit fast zehn Jahren ist es nur noch eine Ruine, die vor sich hin modert. Investoren wollen das Areal wiederbeleben – diesmal sollen Wohnungen gebaut werden.

Die große Crazy River-Rutsche, die Saunalandschaft „Al Andalus“, drei Hot-Whirl-Pools und sprudelnde Geysire waren nur einige der Attraktionen in dem ehemaligen Luft- und Badeparadies „Blub“ in Britz. Im Dezember 2002 hatte es sich dort vorübergehend ausgeblubt. Der Grund: Ratten, die aus dem anliegenden Teltow-Kanal kamen, hatten sich in dem Bad und in den Umkleidekabinen breit gemacht. Zusätzlich gab es Ärger mit Jugendgangs, die die Becken nur für sich in Anspruch nahmen und Besucher vergraulten. Um das Image des Schwimmbades wieder aufzupolieren, wurde die Anlage saniert. Doch auch das brachte letztlich wenig. Das Blub wurde 2005 endgültig dicht gemacht, weil sein Betreiber in die Insolvenz gerutscht war.

2010 kam dann eine Investorengruppe aus Bayern, die sich seitdem für die Brache interessiert. Der Plan: 400 bis 450 Wohnungen sollen auf dem 35.000 Quadratmeter großen Grundstück, dessen Größe im Bebauungsplan schon festgelegt wurde, entstehen. „Welche Art von Wohnungen gebaut werden, kann ich nicht sagen und da hat der Bezirk auch nichts mitzureden“, sagt der 58-jährige Thomas Blesing (SPD), Leiter des Bezirksstadtrates Neukölln. Den Namen der Investorengruppe will der Politiker nicht nennen.

„Offenbar hat Herr Frisch Wahrnehmungsstörungen“

In Schweigen hüllt sich auch der damalige Geschäftsführer des Privatschwimmbades Harald Frisch (77). Er will sich weder über die Vergangenheit des Bades äußern noch darüber, was künftig mit der Ruine geschehen soll. „Ich befinde mich wegen des Blubs in einem laufenden Gerichtsverfahren und ich will nicht, dass das irgendwie negativ beeinträchtig wird“, sagt er am Telefon. Auch zu einem Treffen vor Ort war der Unternehmer nicht bereit, der sich nach wie vor als Pächter der Anlage bezeichnet.

Über diese Aussage gerät Thomas Blesing in Rage und dementiert: „Der jetzige Eigentümer ist diese Investorengruppe aus Bayern.“ Und ergänzt: „Offenbar hat Herr Frisch einige Wahrnehmungsstörungen. Wenn sein Name im Zusammenhang mit dem Schwimmbad fällt, kann der eine oder andere ein Lachen nicht unterdrücken.“

Das ehemalige Schwimmbad ist eine Ruine.

Das ehemalige Schwimmbad ist eine Ruine.

Rückblick: Bevor das Freizeitbad Mitte der 1980-er Jahre eröffnet wurde, befand sich auf dem Areal an der Buschkrugallee 64 eine Kleingartenkolonie, die wegen des Bauvorhabens nach Rudow umgesiedelt wurde. „Alle Betroffen wurden bar entschädigt“, sagt Blesing. Das Grundstück auf dem das Bad errichtet wurde, gehörte damals noch dem Land Berlin. „Herr Frisch war nur Besitzer der Anlage. Der Grund und Boden gehörte zu einer Erbpacht von 99 Jahren“, erklärt Blesing.

Damalige Baukosten für das Blub: 44 Millionen Mark

Nach der Schwimmbadschließung – die Saunalandschaft „Al Andalus“ wurde nach Sanierungsarbeiten erst im April 2012 dicht gemacht – meldete der Projektentwickler Tobias Willmeroth Interesse an, aus dem Freizeitbadeparadies ein „Ferienressort für Familien“ zu errichten. Vom Indoor-Sportplatz (2500 Quadratmeter groß) bis hin zum Ressorthotel mit 300 Appartements sollte alles dabei sein. „Willmeroth kam zu einer Zeit um die Ecke, in der die Bankenkrise anfing und er deshalb auch keinen Rückhalt für sein Projekt bekam“, erinnert sich Blesing. Nach Auskunft des Leiters des Bezirksstadtrates verkaufte Willmeroth 2010 das Areal samt baufälligem Schwimmbad.

Da das „Blub“ kein städtisches Schwimm- und Freizeitbad war, konnte Thomas Blesing keine Angaben über die damaligen Besucherzahlen machen, auch nicht, wie hoch die Investitionssumme war. In dem Wikipedia-Artikel steht dazu: „ … die Baukosten des Blubs betrugen 44 Millionen Mark von denen das Land Berlin neun Millionen Mark als zinslosen Kredit beistellte.“ Laut eines Berichts der Berliner Zeitung  aus dem Jahr 2005 besuchten in den 1980er Jahren bis zu 600.000 Gäste jährlich das Bad. Im Jahr 2004 sollen nur noch 220.000 Besucher zum Planschen und Saunen vorbei gekommen sein.

Traurig darüber, dass kein zweites Freizeitbad mit großer Wellness-Oase auf dem Gelände entsteht, wirkt Thomas Blesing nicht. „Ich bin vor Jahren einmal mit dem Ausschuss im Saunabereich gewesen. Schrecklich war das! Als zahlender Gast wäre ich dort nie hingegangen“, erinnert er sich.

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6 Kommentare:

  • Robert Parzer sagt:

    Hallo,

    der Wikipedia-Artikel führt eine HGroup als Investoren an, auf der Website von brh Architekten wird dies auch bestätigt.http://brh-berlin.de/blub/
    Dort auch die Info, dass ein Konzept schon 2012 dem Stadtplanungsamt vorgestellt wurde. Warum sich da Thomas Blesing in Schweigen hüllt, muss unverständlich bleiben.

  • Robert Parzer sagt:

    Nachschlag: Es handelt sich um die „Hoecherlgruppe“ http://www.hoecherlgruppe.de/
    „H GROUP

    KAISERSTRASSE 14B, 80801 MÜNCHEN

    TEL +49 (0)89 45 83 10
    MAIL@HGRP.COM

    GESCHÄFTSFÜHRER: SEBASTIAN HÖCHERL, CHRISTINA HÖCHERL“

    Die Hoecherlgruppe will in Berlin u.a. die sog. Spreelofts bauen:
    http://www.spreelofts.de/de/objekt.html

    Sicher ein weiteres Beispiel für sozial verträgliches Bauen. Wer will wetten, dass die auch auf dem Feld bauen werden?

  • […] auch vor einiger Zeit die Geschichte des Bades und seiner Jugendgangsangs, Ratten und Schließung aufgeschrieben […]

  • […] are some really good posts about Blub Berlin on Abandoned Berlin, Neukoellner, LittleCity, The Lost Places and Finding Berlin. But most of what we wrote here came from […]

  • FlorianB sagt:

    „Traurig darüber, dass kein zweites Freizeitbad mit großer Wellness-Oase auf dem Gelände entsteht, wirkt Thomas Blesing nicht. „Ich bin vor Jahren einmal mit dem Ausschuss im Saunabereich gewesen. Schrecklich war das! Als zahlender Gast wäre ich dort nie hingegangen“, erinnert er sich.“

    Bei so einem arroganten Geschwätz platzt mir fast die Hutschnur…dass war ein sehr schönes Bad und nicht nur ich finde es sehr schade dass es nun so sinnlos dahinsiecht und bald für eine Allerweltsnutzung platt gemacht wird. Wie schade für Herrn Blesing dass es in der Sauna keine goldenen Wasserhähne gab wie er es offenbar gewohnt ist, dass kann er ja dann in seinen tollen Luxuswohnungen jetzt nachholen….

  • […] Blub-Abriss. Von der verlassenen Spaßbad-Ruine müssen wir uns wohl bald verabschieden. Dort brannte es in dieser Woche nicht nur (die B.Z. hat spektakuläre Fotos) – wie im Tagesspiegel zu lesen ist, will der Eigentümer das Gelände von einem Wachschutz sichern lassen – Wohnungen sollen gebaut werden. Über die Hintergründe  zur Schließung des Blubs hatten wir bereits vor einem Jahr berichtet. […]

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