von am 26. November 2015
Matratzenlager in der Sporthalle

Matratzenlager in der Turnhalle am Campus Efeuweg.

Neukölln hat eine weitere Notunterkunft für Flüchtlinge erhalten: Die Sporthalle am Campus Efeuweg wurde am gestrigen Mittwochabend von den zuständigen Behörden beschlagnahmt (dazu die Erklärung des Bezirksamts). Rund zwei Stunden später kamen die ersten Flüchtlinge an. Bis Ende März sollen hier bis zu 200 Menschen untergebracht werden. Unser Autor hat als freiwilliger Helfer die erste Nacht begleitet und berichtet von seinen Erlebnissen.

Um Mitternacht treffen die ersten Geflüchteten an der Sporthalle am Campus Efeuweg ein. Sie kommen mit einem Bus vom LaGeSo und tragen dessen graue Bändchen am Handgelenk. In der Sporthalle haben Freiwillige von „Neukölln hilft“ und anderen Gruppen zusammen mit der Feuerwehr 100 Matratzen hineingetragen, Betten und Bettzeug bezogen, Handtücher und Zahnbürsten verteilt. Es gibt Nudeln mit Tomatensoße und Fladenbrot für alle Neuankömmlinge. Azubis des Bezirksamtes Neukölln helfen freiwillig bei der Registrierung; der Sicherheitsdienst übersetzt Farsi und Arabisch. Viele der Geflüchteten husten.

Mitglieder einer zwölfköpfigen Familie aus Afghanistan kommen völlig erschöpft an der Sporthalle an. Sie tragen ihr Hab und Gut in blauen IKEA-Tüten und in eine durchnässte grüne Decke eingeschlagen. Die jungen Frauen halten kleine Kinder auf dem Arm; eines von ihnen besitzt weder Schuhe noch Strümpfe. Alle husten stark. Die Großmutter wirkt apathisch und sieht aus, als ob sie schon ein Jahrhundert auf der Erde weilt. Sie kennt ihr Geburtsdatum nicht. Es gibt keine Ärzte; ein Betreiber ist auch noch nicht gefunden.

Kurzer Schlaf unter grellen Leuchten

Obwohl die Verwaltung dem LaGeSo obliegt, hat der Neuköllner Bezirksstadtrat Bernd Szczepanski die Koordination vor Ort mitübernommen. Er bleibt, wie einige Helfer, bis 3 Uhr morgens und versucht erfolglos, die Beleuchtung der Halle zu dimmen oder partiell abzuschalten. Am Ende bleiben die grellen Lichter an. Die Geflüchteten wollen wissen, ob sie morgens früh geweckt werden, wie es weitergeht. Doch das kann ihnen niemand sagen. Irgendwann in den nächsten Tagen wird wieder ein Bus kommen und sie zurück zum LaGeSofahren. Wahrscheinlich. Mit dem Kissen auf dem Gesicht schlafen die Erschöpften langsam ein. Eine Medizinstudentin, die zu den dutzenden ehrenamtlichen Helfern gehört, die sich im Internet organisiert haben, misst noch das Fieber der kleinen afghanischen Jungen. Sie weinen und husten abwechselnd. Sie gibt ihnen Hustensaft.

Zurück bleibt der Sicherheitsdienst. Sie verbringen die Nacht in der Halle mit den Neuankömmlingen. Morgens kommt der Caterer zurück und bereitet das Frühstück vor.

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