Die Kunstinstallation P A C K E T – S O U P in der Rixdorfer Galerie SAVVY Contemporary konfrontiert mit dem alltäglichen Plastikwahn und geht heute mit einer Recycling-Party zu Ende.
K wie Kunstoff – K wie Konsum
Ein Kunststoffbeutel wird im Durschnitt 25 Minuten benutzt. Sein Zersetzungsprozess dauert 100 bis 500 Jahre. Eine Tatsache, die in manchen Ländern schon zu Reglementierungen der Vergabe von kostenlosen Plastiktüten geführt hat: Seit dem 1. Juni 2008 bekommt man beim Einkauf in China keine Tragetasche aus Plastik mehr. Im vergangenen Berliner Wahlkampf plädierten Die Grünen auf dem Markt am Maybachufer für Jute statt organischen Polymer. „Plastik? Nein, danke!“ hieß es im Sommer 2011 und nahm den Kampf gegen eine Industrie auf, die jährlich 800 Milliarden Euro Umsatz macht, indem sie 200 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr produziert. Davon deckt Europa, wo der jährliche Plastikverbrauch 2008, laut einer Studie von PlasticsEurope, bei 48,5 Millionen Tonnen lag, ein Viertel des Plastikonsums weltweit ab. Deutschland ist, gefolgt von Italien und Frankreich, mit einem Bedarf von 11,5 Millionen Tonnen der größte europäische Markt für Kunststoffe.
Baden im Plastik
10.000 Plastiktüten der 11,5 Millionen Tonnen schwimmen derzeit in der Galerie SAVVY Contemporary. Im Rahmen der Ausstellung P A C K E T – S O U P, kuratiert von Claudia Lamas C., installierte der Künstler Jan Kuck einen Pool voller Plastik. Wer will kann sich im Kunststoff treiben lassen oder direkt darin versinken. Einen Raum weiter in der Galerie wird man schnell in die eigene Kindheit versetzt, in der Eltern versuchten an der Meeresküste noch den letzten Funken Recycling zu prägen, um mit dem Sammeln von Seegut gemeinsam eine kreative Sandburg zu bauen. Verspielt hat hier die Künstlerin Pamela Longbardi genau solches Strandgut aus Kunststoff wie ein wildes Mobilée an die Decke gehängt. Es sind Plastikfunde als Teil ihres „Drifters Project“, die sie an den Meeresufern dieser Welt aufgelesen hat.
Samt begehbarem Archiv ist Steve Mc Pherson mit von der Plastik-Partie. In liebevoller Kleinarbeit hat der britische Künstler Setzkästen aus gefundenem Kinderspielzeug zusammengestellt und zeigt die fotografische Dokumentation dessen, was die Nordsee in Großbritannien täglich an Plastik an Land spült.
Trailer von P A C K E T – S O U P
Globus aus Kunststoff
Neben den interaktiven Konfrontation der Installationen spielt SAVVY Contemporary in diesem Rahmen den Dokumentarfilm „Plastic Planet“.
Der österreichische Regisseur und Enkel eines Pioniers der Plastikindustrie Werner Boote reiste knapp 10 Jahre um die gesamte Welt, um die Sphären des Plastiks zu ergründen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, gleichwohl wird Erschreckendes aufgedeckt. Naturwissenschaftler sind sich über die Gefahren von Kunststoff einig, doch die Industrie weigert sich auf diese hinzuweisen oder gar gefährliche Stoffe vom Markt zu nehmen. Ein Film bei dem einem vor Schreck die Kunststoff-Flasche aus den Händen gleitet.
Sollte man im Anschluss an den Film oder dem Besuch von P A C K E T – S O U P das Pausenbrot nicht mehr in der Dose eines allgegenwärtigen US-amerikanischen Kunststoffherstellers transportieren wollen, wird spätestens die alternative Aludose vom Outdoor-Ausstatter einen neuen Aspekt des Umweltschutzes aufwerfen.
Doch wie sagt man im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft: Sensibilisierung ist die halbe Tüte.
P A C K E T – S O U P kann man am heutigen Samstag ab 20 Uhr – mit abschließender Recycling-Party – nochmals begehen.
Mehr Kunst & Kitsch

Streetart, Kitsch oder kleine Zufälligkeiten – was interessant, amüsant oder Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Straßenspaziergang Numero 9. weiterlesen →

Kaffeebecher an jeder Ecke. Eine Foto-Dokumentation von weggeworfenen "Coffee-to-go" auf Neuköllns Straßen. weiterlesen →

Florian Reischauer zeigt auf seinem Foto-Blog “Pieces of Berlin” die Ecken und Kanten der Stadt und ihrer Bewohner. Diesmal präsentieren wir einen kleinen Teil seines Langzeitprojekts "Ringbahn Special". weiterlesen →

Unterwegs im Epizentrum. In Neukölln hat sich eine lebhafte Szene englischsprachiger Comedy entwickelt. So lebhaft, dass auch ein Deutsch-Muttersprachler mitmischen möchte. weiterlesen →
NEUKOELLNER ZEITVERTREIB
Mittwoch, 19. Juno, 18 Uhr - Lesung: Die Frauenrechtlerin Seyran Ates liest aus ihrem Buch "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution" im Morus 14, moderiert von Tagesspiegel-Atorin Claudia Keller.
Donnerstag, 20. Juno, 20 Uhr - Oper: Rossini meets Schönefeld – Die Theatertruppe von Yasou Aida! erlaubt sich eine Opéra oligarchique zur Flughafeneröffnung, heute auf der Bühne der Neuköllner Oper.
Freitag, 21. Juno, 19 Uhr - Festival: Das Agora Collective veranstaltet bis Sonntag ein Festival mit Kulturschaffenden aus allen Bereichen, von Urban Gardening bis Techno Yoga.
unterstützen & weitererzählen
48-H-NK: PAS – 25 “Er Kontra Bass”
Neukoellner Newsgoogle- Bürgeramt Zwickauer Damm ab 1. Juli bargeldlos - Berliner Morgenpost 19. Juni 2013
- Streit mit Passagieren in Berlin-Neukölln : Taxi gegen Hauswand gesetzt - Tagesspiegel 19. Juni 2013
- Inhaberin von Zeitungsladen gefesselt und beraubt - Berliner Morgenpost 19. Juni 2013
- Berlin-Neukölln : Kioskbesitzerin mit Schusswaffe überfallen und beraubt - Tagesspiegel 19. Juni 2013
- Zwischen Kicker, Kiez und Koran - neukoellner.net 19. Juni 2013
- MiGAZIN - Integration und Migration in Deutschland - MiGAZIN 19. Juni 2013
- Am 7. Juni wurden im Bezirk neue Stolpersteine verlegt - Berliner Woche 19. Juni 2013
Und warst du so? Impressionen von den 48 Stunden am Freitag
NEUKÖLLNER TWITTER








