von am 2. Juni 2012

Die Kunstinstallation P A C K E T – S O U P in der Rixdorfer Galerie SAVVY Contemporary konfrontiert mit dem alltäglichen Plastikwahn und geht heute mit einer Recycling-Party zu Ende.

Text: KMM

K wie Kunstoff – K wie Konsum

Ein Kunststoffbeutel wird im Durschnitt 25 Minuten benutzt. Sein Zersetzungsprozess dauert 100 bis 500 Jahre. Eine Tatsache, die in manchen Ländern schon zu Reglementierungen der Vergabe von kostenlosen Plastiktüten geführt hat: Seit dem 1. Juni 2008 bekommt man beim Einkauf in China keine Tragetasche aus Plastik mehr. Im vergangenen Berliner Wahlkampf  plädierten Die Grünen auf dem Markt am Maybachufer für Jute statt organischen Polymer. „Plastik? Nein, danke!“ hieß es im Sommer 2011 und nahm den Kampf gegen eine Industrie auf, die jährlich 800 Milliarden Euro Umsatz macht, indem sie 200 Millionen Tonnen Kunststoff  pro Jahr produziert. Davon deckt Europa, wo der jährliche Plastikverbrauch 2008, laut einer Studie von PlasticsEurope, bei 48,5 Millionen Tonnen lag, ein Viertel des Plastikonsums weltweit ab. Deutschland ist, gefolgt von Italien und Frankreich, mit einem Bedarf von 11,5 Millionen Tonnen der größte europäische Markt für Kunststoffe.

Baden im Plastik 

10.000 Plastiktüten der 11,5 Millionen Tonnen schwimmen derzeit in der Galerie SAVVY Contemporary. Im Rahmen der Ausstellung P A C K E T – S O U P, kuratiert von Claudia Lamas C., installierte der Künstler Jan Kuck einen  Pool voller Plastik. Wer will kann sich im Kunststoff treiben lassen oder direkt darin versinken. Einen Raum weiter in der Galerie wird man schnell in die eigene Kindheit versetzt, in der Eltern versuchten an der Meeresküste noch den letzten Funken Recycling zu prägen, um mit dem Sammeln von Seegut gemeinsam eine kreative Sandburg zu bauen. Verspielt hat hier die Künstlerin Pamela Longbardi genau solches Strandgut aus Kunststoff wie ein wildes Mobilée an die Decke gehängt. Es sind Plastikfunde als Teil ihres „Drifters Project“, die sie an den Meeresufern dieser Welt aufgelesen hat.

Samt begehbarem Archiv ist Steve Mc Pherson mit von der Plastik-Partie. In liebevoller Kleinarbeit hat der britische Künstler Setzkästen aus gefundenem Kinderspielzeug zusammengestellt und zeigt die fotografische Dokumentation dessen, was die Nordsee in Großbritannien täglich an Plastik an Land spült.

Trailer von P A C K E T – S O U P

Globus aus Kunststoff

Neben den interaktiven Konfrontation der Installationen spielt SAVVY Contemporary in diesem Rahmen den Dokumentarfilm „Plastic Planet“.

Der österreichische Regisseur und Enkel eines Pioniers der Plastikindustrie Werner Boote reiste knapp 10 Jahre um die gesamte Welt, um die  Sphären des Plastiks zu ergründen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, gleichwohl wird Erschreckendes aufgedeckt. Naturwissenschaftler sind sich über die Gefahren von Kunststoff einig, doch die Industrie weigert sich auf diese hinzuweisen oder gar gefährliche Stoffe vom Markt zu nehmen.  Ein Film bei dem einem vor Schreck die Kunststoff-Flasche aus den Händen gleitet.

Sollte man im Anschluss an den Film oder dem Besuch von P A C K E T – S O U P das Pausenbrot nicht mehr in der Dose eines allgegenwärtigen US-amerikanischen Kunststoffherstellers transportieren wollen, wird spätestens die alternative Aludose vom Outdoor-Ausstatter einen neuen Aspekt des Umweltschutzes aufwerfen.

Doch wie sagt man im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft: Sensibilisierung ist die halbe Tüte.

P A C K E T – S O U P  kann man am heutigen Samstag ab 20 Uhr – mit abschließender Recycling-Party – nochmals begehen.

 

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