von am 17. August 2015
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Referenz an islamische Paradiesgärten: Skulpturen von Barbara Eitel.

Die Ausstellung „Andere Gärten“ in der Galerie im Körnerpark verhandelt unseren Umgang mit Nutzpflanzen. Ein Siegeszug des Menschen über die Natur? Diese Rechnung geht nur bedingt auf, stattdessen zeigen die Künstler unser ambivalentes Verhältnis zur Flora.

Text: Jana J. Bach, Fotos: Anke Hohmeister 

Manche Menschen schwören ja auf die verbale Pflege ihrer Pflanzen. Daher dürfte der Besucher, wenn er im Körnerpark die luftige Galerie in der ehemaligen Orangerie betritt, bereit sein für die Gruppenausstellung „Andere Gärten“, in der Fragen auftauchen wie: „Kommunizieren Pflanzen mit uns?“. Passend dazu reckt eine Büropalme ihre Wedel wie ein Oktopus seine Tentakel durch eine geschlossene Jalousie. Rück- oder Feldzug? Solche teils aberwitzigen Auswüchse haben Leslie Kuo und Sara Bouchard in Fotoserien festgehalten – von Berlin über Lyon bis San Francisco. Das Künstlerinnenduo kennt sich mit Pflanzen aus: Ein Video am Eingang zeigt Ausschnitte aus ihrem 2006 begonnenen „Urban Plant Research“, zu dem auch ein Herbarium zählt.

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Ausstellungsansicht „Andere Gärten“

Artifizielle Garten-Utopien

Es folgen Zeichnungen, Plastiken und Installationen von sechs weiteren Künstlerinnen und Künstlern. „Implantat“, eine Raumcollage des Berliner Künstlers Jörg Finus, macht vor, wie sich eine Gartenlandschaft nach Schema F bauen lässt, und führt diese Setzkasten-Methode ad absurdum: Alle wesentlichen Elemente sind erkennbar, doch bestehen Rasen, Lianen und Kaktus aus Kacheln, Plastik oder Abflussrohren. Dahinter sind durch die Fenstertüren Liegestühle, Palmen und die Zierbeete der realen Grünanlage zu sehen – das Ganze wirkt utopisch.

Der Körnerpark ist ein Kleinod, neobarock, denkmalgeschützt nach historischem Vorbild saniert. Aber an Sommertagen kann diese rund zweieinhalb Hektar große Oase im tiefsten Neukölln geradezu berauschen. Gebaut wie ein Schwimmbad, wie zum „Kopfüber-Eintauchen“, umarmt der Garten Ankömmlinge förmlich: Als ehemalige Kiesgrube liegt er fünf bis sieben Meter tiefer als das Gelände ringsum. So umschließen bis zum Kinn bewachsene Mauern umgeben Kaskaden und Rabatten. Spätestens wenn eine fast zwei Meter hochgeschossene Sonnenblume und die dionysisch anmutenden Putten (Ver, Aestas, Autumnus und Hiems) des Bildhauers Kube passiert sind, haben sich etwaige Schulterlasten verflüchtigt.

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Versuch einer Analyse: Papierarbeit von Jörg Finus

Spirituelle Orte

An traditionelle Meditationsstätten wie Klostergärten sollen Nele Ströbels Pfähle, sogenannte Wandelhölzer, mit den eingeschnitzten Ornamenten erinnern. Ihr Titel „hortus conclusus“ vergegenwärtigt den ge­schlossenen Garten als Symbol in Marien­bildern und Mythen. Von islamischen Para­diesgärten dagegen hat sich Barbara Eitel für ihre Bodenarbeit, eine Art Vorgarten, mit inspirieren lassen. Mensch und Gewächs: Das ist ein amouröses bis gestörtes Verhältnis, das fächert die Ausstellung kaleidoskopisch auf. Wer nach Hintergrundinformationen sucht, findet sie nur sehr versteckt. Aber allemal angeregt geht es hinaus, vielleicht mit einem Picknickkorb, den das Café ver­ leiht, bestückt mit Kuchen und Salaten.

Mehr über die Geschichte des Körnerparks in unserer Zeitreise „Berlins schönste Kiesgrube“

Galerie im Körnerpark
Ausstellungsdauer: bis 11.10.2015
Di-So 10-20 Uhr
Website

Der Artikel ist in leicht abgewandelter Form erstmals im Stadtmagazin Zitty, Heft 20/2015, erschienen.

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