von am 17. September 2012

Ali (2. v.l.) und Frank (6. v.l.) mit Freunden nach dem Fußballspiel

Über das Leben im Kiez aus der Sicht von drei Jungs aus dem Jugendzentrum YO!22 in der Oderstraße.

Ali, Aki und Frank sind drei junge Menschen, heute knapp 20, die im Schillerkiez aufgewachsen sind und die Entwicklung der Jugendarbeit hier im Kiez in den letzten Jahren hautnah miterlebt haben. Vor sechs Jahren, bevor das YO!22 seine Türen öffnete, „hatten wir unseren eigenen Jugendclub“, erzählen sie. Ihre Tage verbrachten sie an den U-Bahnhöfen Hermannstraße und Rathaus Neukölln. „Wir haben dort gechillt. Saßen dort den ganzen Tag rum. Bis zum Morgengrauen… und haben Scheiß gebaut.“

Die Eröffnung des, mit Mitteln des Programms „soziale Stadt“ vom Quartiersmanagement Schillerpromenade finanzierten, neuen Jugendclubs in der Oderstraße traf die Bedürfnisse der Jugend offensichtlich genau. Sobald Ali, Aki und Frank von diesem Ort erfuhren, sind sie hierher gekommen. „Wir sind seit dem ersten oder zweiten Tag hier.“ Damals waren sie 12 bis 14 Jahre alt und heute, sechs Jahre später, sind sie immer noch da. Mittlerweile fühlen sie sich mit den BetreuerInnen und SozialpädagogInnen vom YO!22 „wie beste Freunde“.

Ein Club nur für Jungs?

Das Angebot des Jugenzentrums richtet sich in erster Linie an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Aber auch Jüngere und Ältere sind gerne willkommen. Hier finden sie einen Ort, an dem sie ihre Freizeit, nach der Schule oder in den Ferien von Montag bis Samstag zwischen 16 und 21 Uhr, mit Gleichaltrigen verbringen können.

Die Palette an Möglichkeiten, die von den drei Jungs aufgelistet werden, ist sehr breit: „Hier kann man Billard spielen, Tischtennis, Kicker, Fußball. Im Studio kann man rappen. An den PC kann man gehen. Bewerbungen schreiben. Kochen kann man hier auch.“
Es ist ein angenehmer Club, in dem alle sehr freundlich und offen sind. Und wenn die Jugendlichen Probleme haben, stehen SozialpädagogInnen zur Verfügung, um darüber zu reden und ihnen bei der Lösungsfindung zu helfen.

Es fällt auf, dass zum Zeitpunkt dieses Interviews keine Mädchen im Club sind. Aber „für Mädchen ist er auch gedacht“, erklären die Jungs auf Nachfrage. „Manchmal kommen welche zum Tanzen. Aber die chillen nicht so mit uns. Keine Ahnung. Die Generation ist anders geworden als früher. Es ist nicht mehr so, dass Mädchen und Jungs zusammen chillen, in Neukölln hauptsächlich.“ Der Montag ist Mädchentag im YO!22.

Vergessener Ortsteil: Siegfriedstraße

Wie schätzen die drei Jungs das Leben im Kiez außerhalb des Jugendclubs ein? Was gefällt ihnen und was nicht? „Was mich aufregt“, erklärt Aki, „ist die U-Bahnstation mit den Drogendealern und so. Hermannstraße, Leinestraße, Boddinstraße… bis zum Hermannplatz … bis zum Kottbusser Tor. Die ganze U8 einfach.“ Worauf Ali, im Bezug auf den U-Bahnhof Hermannstraße, ergänzt: „Dort trauen sich nicht einmal meine kleinen Geschwister in die U-Bahn zu steigen.“

Auch die Situation in der Siegfriedstraße wird bemängelt. Häuser mit dreckigen Fluren, kaputte Fahrstühle und eine Hausverwaltung, die sich nicht darum kümmert. Schon mehrmals habe Ali, auch mit Unterstützung der SozialpädagogInnen vom YO!22 versucht, Kontakt mit der Hausverwaltung aufzunehmen. Aber die Situation ändert sich nicht. „Das ist echt traurig“, meint Aki und empfindet diesen Teil des Kiezes wie einen vergessenen Ort, um den sich keiner kümmert.

Oder fast keiner. Sie erkennen nämlich auch einen positiven Wandel im Kiez. „Die Straßen sind ruhiger geworden. Die Kriminalität ist gesunken. Früher war hier in der Gegend alle paar Stunden immer wieder die Polizei da“, erzählt Aki. Und den wesentlichen Grund für diese Entwicklung sieht Ali in der intensiven Jugendarbeit, die im Kiez gleistet wird: „Die haben wirklich die Jugendlichen aus der Straße rausgeholt. Es haben viele Jugendeinrichtungen aufgemacht.“

„Ich will als Sozialpädagoge arbeiten“

Ob sie auch heute noch so oft hierherkommen wie früher? „Ja, meistens. Wir spielen hier Fußball.” Aber die große Freiheit, die sie zur Schulzeit und in den Ferien hatten, wird sich bald ändern. „Man wird älter und man denkt auch anders.“ Die Schulzeit ist vorüber. Im September werden die Jungs ins Berufsleben einsteigen und somit mit einem neuen Lebensabschnitt beginnen

Frank machte eine Ausbildung zum Gebäude- und Energietechniker. Aki hofft, einen Ausbildungplatz als Einzelhandelskaufmann zu bekommen. Das Vorstellungsgespräch steht noch an. Ali bereitet sich auf die Ausbildung zum Maler und Lackierer vor. Eigentlich will er Sozialpädagoge werden. Aber als erstes möchte er eine Ausbildung „in der Tasche haben“, um sich anschließend weiterzubilden.

Ali: „Ich will als Sozialpädagoge in einem Jugendclub arbeiten. Ich kenne alles in- und auswendig. Ich weiß, wie man arbeitet. Vielleicht klappt es. Also, das ist mein Wunschberuf. Ich werde arbeiten und werde es auch durchziehen!”

Jugendclub YO!22

Oderstraße 22, 12051 Berlin
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 16 bis 21 Uhr
Montag ist Mädchentag

Der Text stammt aus der August-/Septemberausgabe der Promenadenmischung

 

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