von am 2. Oktober 2013
U-Bahnhof Grenzallee – der Ausgangspunkt unserer Erkundungstour

U-Bahnhof Grenzallee – der Ausgangspunkt unserer Erkundungstour

Eine Grenze mitten in Neukölln? Das lässt zumindest der Name der Grenzallee vermuten. Ein Spaziergang durch Geschichte und Gegenwart einer Straße, in der sich allerhand Entdeckungen machen lassen.

Unsere Erkundung der Grenzallee startet am gleichnamigen U-Bahnhof. Die hellblaue Linie U7 hält hier auf ihrem Weg vom Rathaus Spandau in Richtung Rudow. Fahrgäste kennen also den Namen, auch wenn sie die Straße selbst vielleicht noch nie gesehen haben. Um von der U-Bahnstation zur Grenzallee zu gelangen, muss man die Kreuzung überqueren, an der sich die Karl-Marx-Straße in die Buschkrugallee verwandelt.

Ihr Name verrät es schon: der Grenzallee wohnt eine zumindest historische Bedeutsamkeit inne. Sie bildete zu der Zeit, als Neukölln noch Rixdorf hieß, die Grenze zwischen den Gemarkungen Britz und Rixdorf. Damals trug sie in Britz noch den Namen „Grenzstraße“ und wurde im Jahr 1901 in Grenzallee umbenannt. Im Jahr 1969 gewann die Grenzalle noch ein Stück Straße dazu, als der Abschnitt zwischen Sonnenallee und Neuköllnische Allee, der zuvor zum Dammweg zählte, ebenfalls in Grenzallee umgewandelt wurde. Seitdem bringt sie es auf eine Länge von 1,6 Kilometern.

Möbel kaufen

Jede Menge Baumärkte und Möbelhäuser

Feiern, wohnen, Möbel kaufen

Gleich zu Beginn der Grenzallee fällt einem eine eingezäunte Brachfläche auf, die auf der linken Straßenseite vor sich hin vegetiert. Nur ein verwaistes Werbeschild für den Baumarkt hat dort seinen Platz. Ob hier schon mal ein potentieller Investor vorbei gefahren ist? Folgt man dem Straßenverlauf, bietet sich linksseitig weiterhin ein graues Bild. Es reihen sich KFZ-Werkstätten, Autohändler und Baumärkte aneinander. Manchmal sogar in XXL-Dimensionen. Wohnhäuser sucht man vergebens. Das Ganze hat den Charme eines Industriegebiets. Wirft man jedoch einen Blick über die mehrspurige Fahrbahn, sieht man Mehrfamilienhäuser aus den Sechzigern. Die Straße ist also doch bewohnt. Eine Bar oder gar einen Club gibt es hier nicht. Laut ist es trotzdem. Die Grenzallee als wichtige Verbindungsstraße schläft nie. Ganz Berlin eben. Ganz Berlin ist aber auch, dass sich, zwischen all den Möbelhäusern im Überfluss, doch noch ein Ort zum Feiern findet. Freilufttänzer zelebrieren hier bei regelmäßigen Open Airs sich selbst, das Leben und die Musik. Gegenüber des Leiser Outlet Stores und gut versteckt hinter einer umzäunten Kleingartenkolonie gelegen, befindet sich das Rasenstück, auf dem man sich von elektronisch-psychedelischer Musik beschallen lassen kann. Während man seinen Füßen eine Abkühlung im Nass des Kanals gönnt. Der Neuköllner Schiffartskanal grenzt westlich an das Gelände, wodurch die Party auch problemlos über den Wasserweg zu erreichen wäre. Zumindest in der Theorie.

 

Nach etwa  500 Metern erhebt sich die Grenzallee zu einer Brücke, die den Schifffahrtskanal und den dazugehörigen Oberhafen überquert. Besonders nach Sonnenuntergang  ist das ein schöner Anblick. Kurz vor Beginn der Brücke befindet sich die Vereinigung für Jugendhilfe e.V (VfJ), in deren Haus Menschen mit und ohne Behinderung in problematischen Lebenslagen ein Zuhause finden. Auch nach der Kanal-Überquerung behält die Grenzallee ihre industrielle Tristesse bei, allerdings weiterhin nur auf der linken Seite. Mittlerweile durch drei Spuren pro Seite getrennt, zeigt die rechte Straßenseite seinen gemütlichen Charakter: urige Häuser samt grüner Hinterhöfe und Gärten. Für die Mobilität der Bewohner ist gesorgt. Die Buslinie 277, die zwischen Stadtrandsiedlung und S Bahnhof Plänterwald verkehrt, hält an mehreren Punkten entlang der Straße. Den Radfahrern ist zu raten, bei der Befahrung des linken Fahrradweges besonders vorsichtig zu sein. Der marode Weg bietet eine Menge Möglichkeiten, zu stürzen.

Grenzallee_12

Blick in den Oberhafen

Möchte man die Grenzallee verlassen, kann man mehrere Abzweigungen nehmen: Etwa die Naumburger Straße, die zur Lahnstraße führt, oder die Ballinstraße und Am Oberhafen, die einen weiter hinein ins Industriegebiet bringen. Über die Bergiusstraße gelangt man auf einen Rad-und Wanderweg. Auf Höhe der Hausnummer 12 kreuzt die Neuköllnische Allee die Grenzallee. Hinter verwachsenen Zäunen verbirgt sich neben Industriebaracken eine herrliche Freifläche, die zum Verweilen einlädt. Auf ihrem letzten Stück passiert die Grenzallee ein Jugendzentrum und das Neukölln Carree, hinter dessen Backsteinfassaden sich eine Auswahl an Discountern, Drogeriemärkten und Fast Food Restaurants verbirgt. Bevor die Grenzallee an der Kreuzung zur Sonnenallee endet, kann man noch einen Blick auf die Agentur für Arbeit Berlin Süd werfen.

Die Grenzallee ist sicherlich auf den ersten Blick keine Schönheit. Nimmt man sich jedoch die Zeit und sieht genauer hin, entdeckt man Pfade ins Grüne und eine Industrieromantik, die es so sonst nur im Ruhrgebiet gibt.

 

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