von am 21. August 2013
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Café Happiness in Gropiusstadt (Foto: Undine Ungethüm)

Mittagessen in Gropiusstadt ist gar nicht so einfach, ob des Mangels an Restaurants und Cafés. Aber auch dort gibt es Wohlfühlorte mit Leckereien – multikulturell und mit Herz.

Von Undine Ungethüm

In der Gropiusstadt ist es mittags eher ruhig. Kein Vergleich zu Nord-Neukölln, wo sich Gerüche kreuzen und Essen das Straßenbild prägt. Aber essen tun die Gropiusstädter natürlich auch. Es gibt aber kaum Cafés und Restaurants, denn Gewerberäume waren in den Hochhäusern nicht vorgesehen. So findet das Essen meist hinter den tausenden Wohnungstüren statt – oder aber rund um die U-Bahnhöfe, in den Gropiuspassagen und im neuen Wutzky-Center. In den vielen kleinen Restaurants und Verkaufsständen werden Pizza, Brezeln auf die Hand, Chinapfanne, Bockwurst oder Backfisch verkauft. Wer zu Fuß durch die Gropiusstadt geht, muss auch nicht verhungern – es gibt ja Imbissbuden. Bei Chicken World, Gyros-Express, Bibis Backshop oder Lipschitz-Grill bekommt man das übliche Fast-Food to go. In den meisten Imbissen gibt es ein, zwei Tische, man kann sich hinsetzen und beim Essen ein Schwätzchen halten. Und bei Monis Imbiss auf dem Wildmeisterdamm bekommen die Kinder aus der Umgebung außer Pommes noch eine große Portion Mütterlichkeit dazu.

Manna – Mittagessen für alle Kinder

Auch im Malteser Familienzentrum Manna am Lipschitzplatz ist Essen Programm. Deshalb ist das Haus nach dieser göttlichen Speise benannt, die nachts vom Himmel fiel und den Israeliten auf ihrer 40-jährigen Wanderschaft durch die Wüste half, nicht zu verhungern. Im Manna bekommen mittags um 14 Uhr alle Kinder im Grundschulalter für wenige Euro ein warmes Essen. Egal, von welcher Schule, egal woher sie kommen, so gegen Viertel vor Zwei trudeln sie nach und nach in die helle, freundliche Mensa ein und besorgen sich Essensmarken.

Heute gibt es Makkaroniauflauf und Gurken-Tomatensalat. „Tischlein Deck Dich“ steht einladend über der Essensausgabe. Es gibt vollwertige Biokost, niemals Schweinefleisch. Nur ein kleines hölzernes Kreuz an der Wand zeigt, dass das Manna ein konfessionelles Haus ist. Kathrin Baron, die Leiterin des Manna, will nicht missionieren, das geht auch gar nicht bei den vielen Kindern unterschiedlichster Herkunft – es kommenja auch viele muslimische Kinder. Sie möchte vor allem, dass die Kinder ein warmes Essen bekommen, auf die zuhause keines wartet. Weil zuwenig Geld da ist oder die Eltern bis abends arbeiten. „Wir haben wirklich einige Kinder, die essen soviel sie können, weil es die einzige richtige Mahlzeit ist, die sie bekommen.“ Das Mittagessen im Manna wird ausschließlich über Spendengelder finanziert.

Erst Kerze anzünden, später abräumen

Ein Kind zündet immer zuerst die dicke Kerze auf dem Tisch an. Erst dann dürfen alle anfangen. Und das Kind, das die Kerze anzündet, ist auch fürs Abräumen zuständig. Das wird jedes Mal ausgelost. Arne Schwarz betreut fast immer das Mittagessen, meist zusammen mit noch ein oder zwei Team-Kolleginnen. Er isst mit den Kindern, unterhält sich mit ihnen und muss natürlich auch für Ordnung sorgen. Aufpassen, dass nicht zuviel rumgezappelt wird. Einen Sack Flöhe hüten ist wohl leichter, denn alle plappern durcheinander, sind erst einmal aufgedreht und machen Quatsch. Aber wenn die Kerze brennt, wird es ein bisschen ruhiger. Der Betreuer hat auch ein Auge auf die stillen Kinder und manchmal muss er auch ein bisschen helfen. Einige haben motorische Probleme und noch Schwierigkeiten mit Messer und Gabel. Auch wenn es leiser geworden ist, wird immer wieder gelacht. Arne macht Scherze und die Jungen sind auch ganz gerne witzig! Der Makkaroniauflauf ist richtig lecker und die Teller sind bald leer. Gut, dass es diesen Ort gibt, wo Kinder jeden Mittag freundlich empfangen werden und in entspannter, liebevoller Atmosphäre zusammen essen können.

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Gesund und warm: Mittagessen im Familienzentrum Manna (Foto: Undine Ungethüm)

„Kinder stark machen“ ist das Motto des Malteser Familienzentrums. Das Beste kommt natürlich zum Schluss. Als die Betreuer den Nachtisch ausgeben, bildet sich im Nullkommanichts eine Kindertraube an der Ausgabe, denn es gibt Eis. Danach wird mit Karten ausgelost, wer diesmal mit Abräumen dran ist. Der Kreuz-Bube sticht diesmal und die kleine Jasmin hat ihn gezogen. Abräumen will natürlich keiner so gern. Aber es muss ja sein und natürlich bekommt die kleine Küchenfee Hilfe vom Erwachsenen-Küchendienst – und nächstes Mal ist ein anderer dran. Als erstes pustet sie die Kerze aus, das Zeichen, dass jetzt alle aufstehen dürfen. Manche gehen noch zur Hausaufgabenbetreuung oder spielen zusammen, die anderen gehen gleich nach Hause. Satt, fröhlich und gesund ernährt – Manna eben.

Café Happiness

In der Gropiusstadt gibt es kaum Cafés. Das Café Happiness am Lipschitzplatz ist eins der wenigen. Dort sitzen um die Mittagszeit alle möglichen Leute: Jüngere, Ältere, aus der Türkei, Deutschland, Polen – eine bunte Neuköllner Mischung. Dass das so ist, ist Necmettin Cakmak zu verdanken. Ihm gehört das Happiness. Als er das Café eröffnete, nach Schließung der Bäckerei, die vorher darin war, da waren manche der ehemaligen deutschen Gäste erstmal ziemlich reserviert. Hier in der Gropiusstadt gibt es immer noch viele Vorurteile und Berührungsängste zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Aber Necmettin Cakmak geht auf die Leute zu und spricht mit ihnen. Er ist so freundlich und interessiert, dass er schnell das Misstrauen abbauen konnte. „Ich rede einfach mit den Menschen. Wir sind doch alle gleich, egal wo wir herkommen! Und ich möchte, dass meine Gäste sich wohlfühlen.“ „Wer als Fremder kommt, soll als Freund gehen“, das ist sein Wahlspruch.

Und es funktioniert. Das Happiness ist mittlerweile mit seinem selbstverständlichen Miteinander vom Lipschitzplatz nicht mehr wegzudenken. Türkische Mütter kommen auf einen Tee, Handwerker zur Pause und die älteren Damen aus den Seniorenwohnheimen rund um den Platz essen mittags gern mal was anderes als das langweilige „Essen auf Rädern“. Im Happiness gibt es mittags multikulturelle Küche: Rührei mit Knoblauchwurst, Gözleme (hauchdünner Teigfladen) mit Käse, Fleisch, Spinat oder Kartoffeln gefüllt, türkische Pizza, Köfte, Suppen und auch Würstchen mit Kartoffelsalat. Zudem ist das Essen hausgemacht. „Wir machen alles selbst, Fertiggerichte gibt’s bei mir nicht“, sagt Cakmak. Bald wird auch noch eine Terrasse eröffnet, mit Lounge-Feeling. Die freundlichen Frauen hinter dem Tresen gehören zur Familie – das Happiness ist Familienbetrieb. Necmettin Cakmak selbst sitzt gerade mit dem Jobcenter zusammen, da er längerfristig auch Arbeitsplätze schaffen möchte. Der Name „Café Happiness“ war übrigens eine Idee seiner Tochter. Nachmittags kommen viele Ältere zu einem kleinen Kaffeeklatsch mit Kuchen. „Ich habe vier ältere Damen, die kommen mehrmals in der Woche. Das sind meine vier Engel, sage ich immer“, schwärmt Herr Cakmak. „Die sind so süß, ich freue mich jedes Mal, wenn sie kommen.“ Wenn das kein glücklicher Ort ist, für alle, auch und gerade für ältere Menschen.

Für die Sommerausgabe haben alle Neuköllner Kiezzeitungen einige ihrer Seiten dem gemeinsamen Thema “Essen in Neukölln” gewidmet – wir haben für neukoellner.net daraus ein kleine Sommerserie gemacht. Dieser Text ist ursprünglich in der Stadtteilzeitung walter – Nachrichten aus der Gropiusstadt erschienen.

 

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