von am 7. November 2012

Ist er denn jetzt ein Law-and-order-Mann? War Neukölln nicht immer ein bisschen härter als andere Orte? Und was denkt er über das so genannte „Kreuzkölln“? Zweiter Teil unseres großen Interviews mit Heinz Buschkowsky.

Lassen Sie uns ein bisschen über die Inhalte des Buches selbst reden. Zunächst einmal: Was ist eine gute Kinderstube?

Das ist die Weitergabe von Dingen, die in keinem Gesetz stehen. Kurz gefasst: Was tut man, was tut man nicht. Und wie benimmt man sich anderen Menschen gegenüber. Man wünscht anderen Menschen einen guten Tag, bietet älteren Menschen einen Sitzplatz an und führt den Löffel zum Mund anstatt die Suppe zu schlürfen. Das heißt nicht, dass ich jeden Menschen lieb haben muss, aber zum zivilisierten Umgang sollte es schon reichen.

Ist das generell verloren gegangen?

Das ist mein Eindruck. Viele Eltern machen sich nicht mehr die Mühe, ihre Kinder zu formen. Man nennt das auch Erziehung. Das führt auf lange Sicht zur Verwahrlosung.

Dennoch sagen Sie auch, Neukölln war schon immer ein hartes Pflaster.

Das ist richtig. Neukölln ist ein traditioneller Arbeiterbezirk, das Leben war hier schon immer etwas rustikaler und mit folkloristischen Elementen durchsetzt als in den Gegenden der „feiner Leut’“. Bockbierfest in der Neuen Welt ohne abschließende Hauerei war rausgeschmissenes Geld.

Was hat sich dann verändert? Ist die Gesellschaft heutzutage zu empfindlich, wenn wir an diese ganzen Sachen denken?

Die Gewaltbereitschaft und die Brutalität haben eine völlig andere Dimension erreicht. Früher ist niemand auf den Kopf eines anderen Menschen herumgesprungen oder hat aus nichtigem Anlass dem anderen ein Messer in den Körper gehauen. Es gab nicht diesen Vernichtungswillen, das Inkaufnehmen schwerster Verletzungen des anderen, ja diese latente Tötungsabsicht, die gab es so nicht. Natürlich hatten wir auch früher schon Revierverhalten unter den jungen Männern. Wer ist der Stärkste, wer hat was in der Straße zu melden? Und wer imponiert den Mädchen am meisten? Das hatte aber mit der Gleichgültigkeit von heute, was aus dem Opfer wird, nichts zu tun.

Woran liegt das?

Zum einen an der Erziehungsunfähigkeit oder Erziehungsunwilligkeit von Eltern. Zum anderen liegt es auch an der Macho-Unkultur, die mit den Einwanderern ins Land gekommen ist. Wenn Sie Ihrem Sohn von frühster Kindheit an beibringen, dass er tapfer, mutig, kampfbereit und ein Beschützer von Ehre und Familie zu sein hat, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn er seinem Auftrag als Kämpfer auch nachkommt. Man kann über einen Achtjährigen lachen, der mit dem Käsedolch in der Tasche durch den Hort spaziert und als Begründung erklärt, dass er die Ehre seiner Mutter verteidigen muss. Man kann aber auch darüber nachdenken, wo der Junge das her hat.

Also doch die Einwanderer? Das dürften dann doch einige Menschen als rassistisch auffassen.

Ich denke mir diese Dinge ja nicht aus. Lesen Sie die Forschungsergebnisse des Kriminologischen Instituts Niedersachen nach. Oder nehmen Sie einfach nur die Veröffentlichung des Türkischen Bundes, die die höhere Gewaltakzeptanz in türkischen Familien als Problem einstuft. Die Ursache sieht der Türkische Bund darin, dass 70 bis 80 Prozent der türkischen Familien aus den niedrigsten sozialen Schichten der Türkei stammen. Fast jeder zweite türkischstämmige Jugendliche hat bei Umfragen erklärt, Gewalt in der Erziehung erlitten zu haben.

Der Mord am jungen Mann am Alexanderplatz dürfte die Debatte um kriminelle Jugendliche wieder entfachen.

Die Geschichte mit dem jungen Mann auf dem Alex geht mir auch persönlich sehr nahe. Auch ich habe in meiner Jugend durchaus einmal ein Glas zu viel getrunken. Wären die Verhältnisse schon so gewesen wie heute, hätte ich das gleiche Schicksal erleiden können. Ich empfinde eine tiefe Abscheu für Leute, die sich an wehrlosen, behinderten und alten Menschen meinen abarbeiten zu müssen. Für die sehe ich keinerlei Möglichkeiten der Bewährung. Wer sich an Leib und Leben eines anderen Menschen vergeht, ihn in den Rollstuhl prügelt oder ihm das Leben nimmt, der hat „einzufahren“. Ohne Debatte.

Law-and-Order-Man Buschkowsky?

Ja, warum nicht? Eine Gesellschaft muss klare Grenzen zeigen, was sie duldet und was nicht. Was sollte nach dem Totschlag auf dem Alexanderplatz die Forderung des Innensenators nach einer neuen Wertedebatte? Wer soll denn da mit wem debattieren? Mir wäre lieber, dass der Staat an den bekannten Brennpunkten einfach präsenter ist und Einhalt gebietet. Jeder, der abends auf die Piste geht, hat das Recht, auch wieder gesund nach Hause zu kommen.

Lernen Menschen generell nur über Bestrafung?

Das ist mir zu negativ formuliert. Eine Gesellschaft muss Leitlinien haben und Grenzen zeigen. Demokratie ist nicht die Anleitung zur Beliebigkeit. Die Gesellschaft kann sich nicht einfach nur konsumieren und geschehen lassen. Sie muss sich aktiv gestalten und Fehlentwicklungen entgegensteuern. Sie muss intervenieren und nicht beobachten. Deswegen sage ich auch: „Multikulti ist gescheitert“. Es ist einfach realitätsferne Sozialromantik, dass sich aus den Reibungen unterschiedlicher Kulturen die Symbiose einer neuen menschlichen Gesellschaft, eben die multikulturelle Gesellschaft quasi naturgesetzlich ergeben soll. Multikulti mag ein Lebensgefühl sein, aber es kann niemals die Normen eines friedlichen Zusammenlebens ersetzen.

Keine Chance auf Kooperation?

Natürlich gibt es Kooperationen. Sonst gäbe es auch keine Fortschritte und keine gelungenen Integrationskarrieren, die es zuhauf gibt. Aber, wenn Sie mit dem Türkisch-Deutschen-Zentrum oder dem Arabischen Kulturinstitut und ähnlichen Institutionen der Einwanderergesellschaft zusammen arbeiten, dann treffen Sie natürlich auf das Bildungsbürgertum der Einwanderer. Die sind es auch, die mit uns gemeinsam gegen Bildungsferne und Kriminalität kämpfen.

Ein Thema, das in ihrem Buch nur am Rande erwähnt wird, ist der Prozess der Verdrängung, der vielen Menschen vor allem in Nordneukölln Sorgen macht. Wie beurteilen Sie diese Thematik?

Ich finde es klasse, wenn junge Leute hierherkommen. Sie bilden eine kleine Bohème und sind zumeist gut qualifiziert. Hochabschlüsse sind keine Seltenheit, sondern die Regel. Aber die Menschen kommen vielfach nicht zu uns, um Neuköllner zu werden, hier eine Familie zu gründen und ihre Kinder bei uns in die Schule zu schicken. Sie kommen, weil hier die Mieten erträglicher sind als in anderen Bezirken. Deshalb ziehen sie häufig nach einer gewissen Zeit leider auch wieder fort. Wir sind dann nur eine Episode in der Sturm- und Drangzeit ihres Lebens. Eine Stadt kann nur gedeihen, wenn sie unterschiedliche Bildungs- und Bevölkerungsstrukturen beheimatet. Deswegen halte ich auch nichts davon, die Käseglocke über Hartz-IV-Milieus zu stülpen. Ich bin auch für Sanierung der Gebäude mit Augenmaß. Wohnungen mit der Toilette eine halbe Treppe tiefer passen für mich nicht mehr in die Zeit. Ein ganz normaler Wohnstandard ist nun einmal für drei Euro kalt pro Quadratmeter nicht zu haben. Das hat auch im Übrigen nichts mit Verdrängung zu tun, weil auch die Richtlinien für die Übernahme der Mietkosten von Hartz-IV-Empfängern nicht von solchen Substandardmieten ausgehen.

Wie begegnen Ihnen die Menschen in „Kreuzkölln“?

Offen, freundlich, machen die Tür auf und sagen Bürgermeister, komm rein. Die Formel „Jung gleich Anarcho gleich Linksextrem“ ist zu platt und nicht die Regel in Neukölln. Ich erlebe junge Leute, die genau wissen, was sie wollen, die sich ausprobieren und die Schläger und Straßenbanden genauso bescheuert finden wie ich. Es gibt Boutiquen, die am Tage abschließen, weil Inhaber und Personal keinen Bock darauf haben, sich als Gentrifizierer beschimpfen oder die Warenständer umschmeißen zu lassen. Bei der letzten Wahl haben die GRÜNEN im Neuköllner Norden für den Bezirk jede vierte Stimme an mich verloren. Das hat mir Spaß gemacht. Es gibt viele junge Menschen ohne Scheuklappen und ohne Kapitalismusphobie, aber dafür mit mehr Robin-Hood-Virus. Das nette T-Shirt mit dem „The Big Buschkowsky“-Logo wurde im Kiez entwickelt und nicht von mir bestellt. Dabei gab es übrigens eine kleine Geschichte…

…ja?

Die Designer sind zu mir gekommen und haben mich um Erlaubnis gefragt, ob sie meinen Namen und mein Konterfei benutzen dürfen. Ich sagte ihnen, dass sie doch gar nicht zu fragen bräuchten bei einer Person des öffentlichen Lebens. „Ja, das wissen wir, aber es ist trotzdem ein Akt der Höflichkeit zu fragen.“ Das ist das, was ich vorhin mit Kinderstube meinte.

Das Interview führten Insa Eekhoff und Patrick Schirmer Sastre.

 

17 Kommentare:

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Ich werde bei der nächsten Kommunalwahl wohl GRÜN wählen, zum ersten Mal in meinem Leben werde ich mein Kreuzchen nicht bei der SPD setzen.
    Buschkowsky „sei Dank“.

  • facebookfan sagt:

    Liebe Frau Lehrerin, aus ihnen machen wir wohl keinen Buschkowsky-Fan mehr… 😉 Schönen Tag noch

  • Morfeus sagt:

    Na dass gleicht sich dann ja aus. Ich werde bei der nächsten Wahl das erste Mal mein Kreuz nicht bei Grün machen, sondern Buschkowsky wählen. Chapeau, Heinz Buschkowsky!

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Ursprünglich fand ich den Menschen gar nicht so schlecht; zwar etwas plump, aber doch immerhin bodenständig und präsent an Neuköllner Schulen, in Jugend-/ Freizeitheimen, an öffentlichen Plätzen. Ich hatte länger den Eindruck gehabt, dass er sich sehr wohl kümmere und auch wisse, wovon er spricht…
    Schade, dass er dieses sehr plakative Buch herausgegeben hat. Selbiges enthält nämlich leider vor allem Generalisierungen, zeigt nur einen Teil der Realität.
    -Kein Wunder also, dass dieses Machwerk bei Leuten rechts der CDU der Renner geworden ist…zum Brechen.

  • @ Lehrerin:

    Halten Sie Menschenrechtsvereine und humanistische Initiativen für „rechts von der CDU“???

    Sie scheinen nicht zu wissen, von wem das Buch gelobt wird.

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Herr Baader, Buschkowskys Machwerk ist ein platter Text, der nur die halbe Wahrheit aufdeckt, Statistiken einseitig beleuchtet und große Menschengruppen in einen Topf wirft. Das erinnert an den primitiven und indiskutablen Stammtisch-Stil der NPD und wird auch von solchen Gestalten in VON SPD-MITGLIEDERN „MODERIERTEN“ FOREN gut geheißen. Das allein ist eine Blamage sondergleichen und ermöglicht wohl kaum eine intelligente, konstruktive Debatte.
    Selbstverständlich gibt es in Neukölln Armut, Gewalt, bestimmt auch arrangierte Ehen, gar Zwangsehen. Zwangsehe und Co. sind mit dem Grundgesetz nicht zu vereinen und werden meiner Wahrnehmung nach auch von der Mehrheit der Zivilgesellschaft geächtet. Das ist wichtig und die Leute, die sich in dieser Angelegenheit engagieren, verdienen Unterstützung und Schutz.
    Ich kritisiere also an Heinzchen vor allem, dass er komplexe Sachzusammenhänge gefährlich stark vereinfacht (=und damit, wie gesagt, hübsch dem Tenor mental dunkelbrauner Verfassungsfeinde entspricht) und dass er die Erfolge, die in Neukölln bereits erzielt worden sind und tagtäglich weiterhin tapfer erkämpft werden (auch mit Unterstützung der QMs), in nicht zu rechtfertigender Art und Weise vernachlässigt.
    -Wenn Heinzelmann sich hier unwohl fühlt, weil er angeblich keine Bockwurscht mehr finden kann, dann sollte er vielleicht doch lieber abdanken und weniger desillusionierten und Damen oder Herren weichen.

  • Liebe Lehrerin,

    ich habe das Buch sehr konzentriert gelesen und sowohl seinen Inhalt als auch die Reaktionen darauf umfassend analysiert. Dazu habe ich mehrere Artikel veröffentlicht, die an verschiedener Stelle veröffentlicht wurden. Sie können sie finden, wenn Sie nach meinem und Buschkowskys Namen googeln.

    Ich war an einem Solidaritätsaufruf für Heinz Buschkowsky beteiligt, den mehrere Initiativen gemeinsam entwickelt haben. Sie finden den Text unter anderem hier:

    http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de/page8.php?post=1099

    Die Unterstützerliste des Aufrufs:

    Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime e. V.
    Thomas Baader, Pressesprecher von peri e. V. Verein für Menschenrechte und Integration
    Dr. Frank Berghaus, Hrsg. von http://www.wissenbloggt.de und Gründer der Initiative Humanismus
    Dr. Ronald Bilik, Freidenkerbund Österreich
    Serap Çileli, peri e. V. Verein für Menschenrechte und Integration
    Free Minds (betroffene Musliminnen und Muslime, aus Sicherheitsgründen anonymisiert)
    Sabatina James, Sabatina e. V.
    Dr. Johannes Kandel, Publizist und Politikwissenschaftler, Berlin
    Hartmut Krauss, Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte (GAM)
    Thomas Müller, Verein für Aufklärung und Freiheit (VAF e. V.)
    Paul Nellen, Politologe und Journalist, Mitglied der Grünen Hamburg
    Dr. Michael Schmidt-Salomon, Giordano-Bruno-Stiftung
    Karin Vogelpohl, HINTERGRUND-Verlag

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Ja, das ist wahrlich eine beeindruckende Liste mit namhaften, erfahrenen und sicherlich versierten Personen und Institutionen.
    Dennoch bleibe ich dabei: Buschkowsky generalisiert anstatt seiner alten Linie treu zu bleiben und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage zu machen (ich behaupte ja nicht, dass der Currywurstfan in der Vergangenheit nichts bewegt hätte). Die Problemherde in Neukölln haben viel mit Bildungsarmut zu tun, sind aber wahrlich nicht auf Migrantenfamilien allein zu beziehen.
    Meine Sicht auf die Dinge können Sie den Beiträgen zum ersten Teil des Interviews entnehmen (sofern Sie Interesse daran haben).

  • facebookfan sagt:

    Baader, vergessen sie es. Die Dame „Lehrerin“ pickt sich eben aus dem Buch Sachverhalte heraus, aus denen sie sich ihre Meinung bildet. Das könnte man über ihre eigens verfassten postings ebenso tun: “ Zwangsehe und Co. sind mit dem Grundgesetz nicht zu vereinen und werden meiner Wahrnehmung nach auch von der Mehrheit der Zivilgesellschaft geächtet.“ Man könnte sich darüber nun ebenfalls mukieren und feststellen, dass diese Form der Eheschließung in der islamischen Welt eine lange Tradition hat, diesen Kulturkreis in diffamierender Weise darstellt, usw. und so fort…Buschkowskys „Vorschläge zur Verbesserung der Lage“ hat sie glatt überlesen…Ich glaube, dieser Frau ist selbst nicht klar, was sie will..von ihr habe ich bis jetzt jedenfalls noch keinen Lösungsvorschlag gehört, welchen nicht auch schon Buschy in seinem Buch erwähnt hätte. Aber mit Beleidigungen gegenüber dem amtierenden, zum 4. mal in Folge VOM VOLK gewählten Bürgermeister Buschkowsky spart sie an keiner Stelle. Was wiederum für ihre Eignung als Lehrerin spricht. Pädagogisch äußerst wertvolle, von guter Kinderstube zeugender Aussagen.

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Oh je, hier geht´s ja niveautechnisch wirklich IMMER WEITER vergab. Viel Spaß noch mit „Buschy“ und den „facebookfans“ dieser Welt, Herr Baader!

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    bergab

  • facebookfan sagt:

    …zwanghafter Rechtschreib-Fanatismus… 😉

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    Ja, Sprachen und Literatur liegen mir sehr am Herzen. Das haben Sie gut erkannt. Deswegen finde ich es auch toll, wie viele Menschen sich in Neukölln (und anderswo) auf diesem Gebiet engagieren: es gibt Vorlesenachmittage für Kinder und Eltern in der „Schule des Lebens“, die selbstverständlich für alle offen sind, aber insbesondere Menschen mit den Familiensprachen Türkisch und Arabisch Lust aufs Lesen machen sollen.
    Im Mädchenzentrum „Szenenwechsel“ gibt es vielfältige Freizeitangebote und Nachhilfe in den sog. Kernfächern….und diese Angebote werden mit Begeisterung wahrgenommen! In meiner Nähe gibt es ein neues Kulturzentrum, in welchem laut Aushang im Fenster auch Nachhilfe bis zur 8. Klasse angeboten wird. Wenn ich nicht schon in meiner Freizeit kostenlos Deutsch für Asylbewerber in einer anderen Institution anböte, dann würde ich dort auch gern noch einsteigen und z.B. Nachhilfe in Deutsch und Englisch auf MSA-/ Abitur-Niveau anbieten. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich auch das ja wohl sehr erfolgreiche Projekt „Neuköllner Talente“ unterstützen wollen!
    Auch die Rütli-Schule hat sich Dank hoher Investitionen (Personal, Ideen, Zeit, Geld) wahnsinnig entwickeln können (jetzt darf dann auch langsam gern ´mal in andere Schulen investiert werden…).
    Die Liste der erfolgreichen Projekte und tollen Ideen ist lang…aber Baader und „Buschy“ wissen das sicherlich schon alles und finden trotzdem, dass jeder Döner-Verkäufer auch Bockwurst und Sauerkraut im Angebot haben sollte. „By the way“: schon ´mal versucht, eine Bockwurst -so richtig aus Schwein und nicht aus Tofu- im Prenzlauer Berg zu ergattern?? Auch nicht einfach…
    „Buschy“ findet es ja laut seiner sprachlich sehr schlichten Lektüre auch unschön, dass die Sonnenallee mit lauter arabischen Geschäften zugepflastert sei…also ich finde das spannend (und auch aus linguistischer Perspektive) sehr bereichernd. Zudem bin ich persönlich in diesen Geschäften bislang stets höflich und gut beraten worden. So mancher Fleisch- oder Gemüsehändler hat mir schon alle möglichen mir bis zu jenem Tage unbekannten Produkte erläutert, Kochtipps gegeben, ständig gibt´s noch ´ne Frucht oder eine Süßigkeit gratis dazu…also, DAS erlebe ich bei LIDL oder REWE eher nicht…los, sag mal, „Buschy“, wann gab es denn bei deinem deutschen Würstchenverkäufer zuletzt ´n Brötchen oder einen Tee oder Kaffee zur Verdauung gratis dazu?

    Auf dem Rückweg von der Kirche -selbige suche ich im Schnitt alle 2 Wochen auf- gucke ich immer bei einer sehr freundlichen und unglaublich guten Bäckerin (auch Sonnenallee, „Buschy“!) vorbei, die nicht nur außerordentlich gute Kuchen backt (als Einkaufstipp: ganz in der Nähe des Bierbaums II….oder III?! Na, jedenfalls auf der Sonnenallee, unweit der Fuldastraße), sondern auch gern spontan Tortenheber, Bleche oder auch ihren Sohn als Hilfe beim Tragen „verleiht“ (kostenlos, natürlich). Nein, ich bin keine 80 Jahre alt, ich wirke sicherlich auch nicht hilf- oder kraftlos, sondern ich profitiere wohl von meiner offenen und interessierten Art. -Also, nehme ich an.

    Was ich sonst noch toll an Neukölln finde? Ich mag die arabischen Reisebüros (selten haben mich Reiseverkehrskaufleute SO sehr bei der Organisation einer Klassenfahrt unterstützt und waren auch ständig telefonisch für mich erreichbar), mit Genugtuung nehme ich wahr, dass sich Teenager brav entschuligen, wenn sie einen versehentlich anrempeln (weil sie ihrem Kumpel gerade wild gestikulierend irgend etwas erzählen und dabei die Welt um sich herum vergessen).
    Was ich nicht mag: Herumrotzen auf der Straße, Rauchen im U-Bahn-Bereich, lautstarkes Herumpöbeln (auf der Straße), Kampfhunde ohne Leine, Hundehaufen auf dem Gehweg oder auf liebevoll bepflanzten Baumscheiben, illegaler (Sperr)Müll auf den Gehwegen, Drogendealer in der Hasenheide und in der U8, der Gebrauch von Schimpfwörtern, die über „Arschloch“ oder „Leck mich!“ hinausgehen…
    Aber, und das werden Sie aber sicherlich nicht lesen/ hören wollen: dies sind Phänomene, die meiner Erfahrung nach genauso in anderen weniger gut betuchten Gegenden mit geringe(re)m Migrantenanteil vorkommen. Unschön sind sie dennoch, das ist wohl wahr.
    So, ich muss jetzt einkaufen…auf der Sonnenallee.

  • Neuköllner sagt:

    Buschkowsky soll endlich zurücktreten. Ein Mann mit solchen Einstellungen ist eine Katastrophe für unseren Bezirk und für die SPD. Ab in den Ruhestand mit ihm. Gibt es keine Kleingärten mehr in Britz?

  • Lehrerin aus Neukölln sagt:

    @Neuköllner: YES! Endlich mal eine vernünftige Stellungnahme (also, mal abgesehen von meinen eigenen *räusper*)!! 🙂

  • Emser Str sagt:

    Für ihren (längeren) tollen Beitrag, Frau Lehrerin, VIELEN DANK! Sie sprechen mir als Neuköllner aus der Seele!

  • […] Ein weiterer großer Aufreger war das Buch “Neukölln ist überall” von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Hier nochmal unsere Rezension zum Buch und unser Interview mit Buschkowsky: Teil 1 und Teil 2. […]

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