von am 1. Mai 2013

Bildungsproteste in Neukölln, Foto: Uwe Hiksch/aktion-freiheitstattangst.org/flickr

Bildung soll zu kritischem Denken anregen – zumindest auf dem Papier. Eine Schülergruppe der Ernst-Abbe-Schule geht den Schritt von der Theorie in die Praxis und initiiert einen Bildungsprotest gegen das Schulsystem.

Oft wird jungen Menschen heute vorgeworfen, dass sie nicht kritisch genug seien und sich nicht genug politisch engagieren würden. Es wird dann lamentiert über eine Generation von Ja-Sagern, denen eine erfolgreiche Karriere als einziges Lebensziel eingeimpft wurde.

Dass es aber auch heute noch anders geht, beweist beispielsweise die AG Bildungsproteste, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Ernst-Abbe-Schule in der Sonnenallee. Diese organisierten am 12. April eine Demonstration durch Nord-Neukölln, „um das Thema Bildungspolitik wieder stärker in die Öffentlichkeit zu rücken“, wie es im Demoaufruf heißt.

Lehrkräftestreik als Initialzündung

Richtig angefangen hat eigentlich alles damit, dass Berlins angestellte Lehrer in den Streik getreten sind, um das gleiche Gehalt wie ihre verbeamteten Kollegen zu erhalten: „Da haben wir in der SV überlegt, wie wir diese unterstützen können und haben die AG Bildungsproteste ins Leben gerufen“, erzählt Ben Geier, Schülersprecher der Ernst-Abbe-Schule.

Bildungsprotest am 12. April durch Neukölln, Foto: Uwe Hiksch/aktion-freiheitstattangst.org/flickr

Dabei wurde ihnen jedoch schnell klar, „dass wir über die Solidarität mit den Streikenden Lehrerinnen und Lehrern und der Forderung ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ hinaus gehen wollen und größere bildungspolitische Forderungen aufstellen wollen“, wie Geier weiter ausführt. Diese Forderungen klingen im Demoaufruf dann unter anderem so: Man wolle „die miserable Finanzierung der Bildung kritisieren“, „mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für SchülerInnen in der Schule “ und so letztlich die „Erziehung mündiger Menschen“.

Grundsätzlich sei die Resonanz dazu an der Schule trotz teils kritischer Stimmen positiv gewesen. Und auch seitens mancher Lehrern gab es durchaus Zuspruch. „Unsere Schulleiterin steht dem aber eher kritisch gegenüber“, schätzt Geier die Situation an der Schule ein. Wobei sich jedoch letztlich auch die Mehrheit unter den Schülern einfach nicht für das Thema interessiere. Schließlich geht es vor allem um die Verbesserung ihrer Situation, wie die Möglichkeit, über Inhalte und Zielsetzung des Unterrichts mitzubestimmen.

Zielsetzung noch umstritten

Wie eine Alternative zum derzeitigen Bildungssystem letztlich aber aussehen könnte, ist innerhalb der Gruppe noch sehr umstritten. Dort gebe es noch sehr „unterschiedliche Positionen“, so Geier: „Das sind Gedanken von ‚Freien Schulen‘ bis hin zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, weil eine freie Bildung in dieser Gesellschaft nicht möglich ist. Da gibt es ein relativ weites Spektrum“.

Unumstritten ist bisher aber zumindest ein Punkt: Der Einsatz für eine schulinterne Zivilklausel, wonach die Bundeswehr von Schulveranstaltungen grundsätzlich ausgeschlossen werden soll. Hintergrund dabei ist, dass Vertreter der Bundeswehr beim Berufsinformationstag warben, woraufhin die Schülervertreter beschlossen, in der Schulkonferenz einen entsprechenden Antrag einzubringen. Dessen Beschluss ist bisher noch nicht sicher, hat aber durchaus Chancen. „Wir sind da in einer ständigen Diskussion und bemühen uns, das in der Schulkonferenz durchzusetzen“, so Geier.

Ob ihr Protest also bald die ersten Früchte trägt, wird sich demnächst zeigen. Eines ist jedoch jetzt schon sicher: Schule wird ihrem Auftrag zur Bildung und Erziehung zur Mündigkeit erst da gerecht, wo es in kritisches Denken und politisches Engagement mündet. Der Einsatz der AG Bildungsproteste ist ein gutes Beispiel dafür.

 

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