von am 2. November 2015
Foto: Cara Wuchold

Eine Reihe Fahrräder wartet im Innenhof darauf repariert zu werden.

Mobil sein ist in einer Stadt wie Berlin ein wichtiger Teil des Alltags. Für die hier ankommenden Flüchtlinge sind die Tickets der BVG aber zu teuer. Also dachte sich der Student Lukas Heidenreich, dass man doch gemeinsam mit Geflüchteten alte Drahtesel wieder fit machen könnte, und gründete kurzerhand einen Verein.

Fahrräder. Das las Lukas Heidenreich Anfang des Jahres auf der Bedarfsliste für Geflüchtete von „Moabit hilft!“ im Internet. Er selbst, in Falkensee aufgewachsen, ist schon immer gerne Rad gefahren und dachte sich, dass wahrscheinlich sehr viele Fahrräder in Kellern verstauben. Für Geflüchtete ohne BVG-Ticket wären die eine große Hilfe. Und dann dachte er, dass sich gemeinsames Werkeln eigentlich sehr gut eigne, um miteinander in Kontakt zu kommen – und erzählte Freunden und Freunden von Freunden von der Idee.

Seitdem ist viel passiert. Lukas Heidenreich und seine Mitstreiter haben den Verein „Rückenwind – Fahrräder fur Flüchtlinge“ gegründet. Und mehrere Aktionstage veranstaltet, an denen gespendete Fahrräder gemeinsam mit Geflüchteten repariert werden, um sie ihnen schließlich zu vermachen. „Wir lernen das beim Tun“, sagt Lukas Heidenreich auf die Frage, woher er denn weiß, wie man Fahrräder repariert. Außerdem kämen immer genügend Profis vorbei. „Fahrradmenschen sind ein cooler Schlag Leute“, freut er sich, „total entspannt, die haben Lust zu helfen und schrauben auch mal fünf Stunden durch.“

Crowdfunding-Ziel erreicht

Anfang Oktober war so ein Reparaturtag. Im Innenhof des „Refugio“ wurde eifrig gebastelt und geschraubt. So heißt das sogenannte Sharehaus in der Lenaustraße, in dem 40 Menschen aus aller Welt zusammenleben, darunter viele Geflüchtete, und wo der Verein von Lukas Heidenreich günstige Räume gefunden hat. Im Laufe des Aktionstages wechselten rund 50 Fahrräder den Besitzer. Und ein weiterer Meilenstein wurde an diesem Tag geschafft. Unterstützt von „Drive4Help“, die sich – mit dem Fahrrad! – auf eine Spendentour von Zürich nach Berlin machten, erreichte „Rückenwind“ sein Crowdfunding-Ziel: 20.000 Euro – womit das nächste Jahr finanziell gesichert ist.

Aufgebockt - und bald fertig repariert

Aufgebockt – und bald fertig repariert

Inzwischen ist auch der Werkstattraum mit vier Arbeitsplätzen fertig eingerichtet. Werkzeuge, Schläuche, Vorder- und Hinterräder hängen gut sortiert an den Wänden. Hier sollen auch im Winter Aktionstage stattfinden, zudem ist die Werkstatt zweimal wöchentlich geöffnet. Aber es gibt weitere Ziele. „Wir möchten die Geflüchteten auch weitergehend einbinden. Einmal in der Werkstatt als festes Teammitglied, so dass sie im Prinzip zu Mechanikern ausgebildet werden von uns, was dann vielleicht auch Empfehlung für andere Fahrradläden wäre, um dort anzufangen“, erzählt Lukas Heidenreich. Zudem werden sie Teil eines Ausbildungsprogramms der Berliner Stadtmission für ehemalige Drogenabhängige und Gefängnisinsassen und jetzt auch für Geflüchtete. Die Stadtmission ist Trägerverein des Sharehauses.

Vom Verein zum sozialen Unternehmen

Das alles bedeutet viel Arbeit. Lukas Heidenreich studiert Wirtschaftsingenieurwesen und hat nebenher noch einen weiteren Job. Er wünscht sich, dass sie irgendwann nicht mehr nur auf Spenden angewiesen sind und aus dem Verein ein soziales Unternehmen wird. Und auch dafür gibt es schon eine Finanzierungsidee, aber die braucht noch ein bisschen Zeit. Kurzfristig hat sich erst einmal eine andere Baustelle aufgetan: „Das Haus in dem sich unsere Werkstatt befindet, hat sich als sehr hellhörig herausgestellt. Die Nachbarn über uns bekommen jedes kleinste Geräusch von uns mit. Wir möchten dies gern ändern und ihnen nicht mehr zur Last fallen“, schreibt „Rückenwind“ auf seiner Facebook-Seite. Jetzt gilt es die Decke zu dämmen – falls ihr Experten seid, euer Fachwissen ist dort gefragt!

Autodidakten und Profis am Werk

Fotos: Der Zwölfjährige Patricio und sein siebenjähriger Bruder Hazim aus dem „Refugio“ haben sich und anderes am Reparaturtag Anfang Oktober im Innenhof des Sharehauses geknipst.

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