von am 29. August 2012

Der Platz der Stadt Hof vor der Umgestaltung: Nicht mehr als ein besserer Gehweg.

Der nördliche Teil der Karl-Marx-Straße wird in den nächsten Jahren umgebaut. Ein wichtiges Projekt dabei ist die nun beginnende Neugestaltung des Platzes der Stadt Hof. Eine Zusammenfassung der Pläne.

Auch wenn außer einem Schild zurzeit noch nicht viel darauf hindeutet, der Platz der Stadt Hof wird in Kürze zur Baustelle. Während einer kompletten Sperrung soll dieser dann bis Dezember 2013 vollständig verändert werden.

Das Ganze ist Teil der [Aktion! Karl-Marx-Straße]: Ein Infrastrukturprojekt, durch das die Karl-Marx-Straße vom Hermannplatz bis zur Lahnstraße umgestaltet werden soll. Zwar ist sie auch heute die wichtigste Einkaufsstraße Nordneuköllns, doch leidet die Karl-Marx-Straße bisher noch sehr unter dem starken Autoverkehr. Zudem bietet die Straße mit ihrer jetzigen Gestaltung nur wenig Platz zum Aufenthalt. Um dies zu ändern, wird die Fahrbahn auf eine Spur pro Fahrrichtung verkleinert. Der dadurch gewonnene Platz soll genutzt werden, um die Gehwege zu verbreitern, Fahrradwege zu bauen und einen durchgängigen mittleren Grünstreifen anzulegen. Ziel ist es, die Karl-Marx-Straße dadurch im Allgemeinen attraktiver zu machen.

Im Mittelpunkt der Platz der Stadt Hof

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Platz der Stadt Hof zu. Dieser soll durch die Neugestaltung zum neuen Mittelpunkt der Karl-Marx-Straße werden, indem er zum Treffpunkt und Veranstaltungsort für die Anwohner umgebaut wird.

Zu diesem Zweck wird der Platz unter anderem durch die beschriebene Verkleinerung der Karl-Marx-Straße vergrößert. Genauso trägt aber auch die Verlängerung des Platzes bis zur Einmündung der Richardstraße und die damit verbundene Schließung des Zugangs zur Ganghofer Straße dazu bei, dass die Fläche des Platzes wächst und am Ende das Doppelte der jetzigen Fläche ausmachen wird.

Für die Gestaltung des durch die Bauvorhaben deutlich vergrößerten Platzes wurde schon vor mehreren Jahren ein Wettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen haben ihn das Architektenbüro el:ch Landschaftsarchitekten gemeinsam mit der Künstlerin Nadia Kaabi Linke. Deren Entwurf sieht unter anderem das Aufstellen zahlreicher Sitzgelegenheiten vor. Genauso werden zusätzlich zur bereits vorhandenen Platane zehn weitere Bäume auf dem Bereich des Platzes gepflanzt.

Demographisches Pflaster“

Zentral am Siegerentwurf ist jedoch die Gestaltung des Bodens durch ein großflächiges Mosaik. Das besondere an diesem Mosaik ist, dass es nach den Vorstellungen der Künstlerin Kaabi Linke eine Art „demographisches Pflaster“ werden soll dass die Einwohner Neuköllns symbolisiert. Zu diesem Zweck werden bei der Pflastergestaltung verschiedene demographische Daten berücksichtigt: So beträgt etwa die Anzahl der Steine 300.000 entsprechend der ungefähren Einwohnerzahl Neuköllns. Des Weiteren wurden für das Mosaik acht verschiedene Steinsorten aus unterschiedlichen Erdregionen ausgewählt. Diese sollen die verschiedenen Herkunftsregionen der Bewohner Neuköllns darstellen (Deutschland, Naher/Mittlerer Osten, Osteuropa, Westeuropa, Ungeklärte Herkunft, Afrika, Ferner Osten und Amerika) und später entsprechend der demographischen Verteilung in dem Mosaik vorkommen (wir berichteten).

Zusätzlich dazu soll das Muster des Mosaiks aber auch die persönlichen Geschichten der Neuköllner darstellen. Dies geschieht im Zuge des Projekts meinstein. Dabei wurden über einen längeren Zeitraum hinweg Workshops mit Schulen, Vereinen und anderen Freiwilligen aus Neukölln abgehalten. Dort mussten die Teilnehmer mehrere Fragebögen beantworten, etwa über deren Haupt- und Lieblingsstrecken innerhalb Neuköllns. Die Fragebögen wurden daraufhin mit Hilfe einer speziellen Software zu Daten verarbeitet. Auf Grundlage der so gewonnenen Daten wird dann in einem weiteren Schritt durch dieses Programm ein Muster erstellt, dass letztendlich die Basis für das Mosaikmuster auf dem zukünftigen Platz der Stadt Hof bildet.

Nicht die Künstlerin, ganz Neukölln gestaltet den Platz

Nach Angaben des meinstein-Projekts soll dadurch das Zusammenleben der Neuköllner ausgedrückt werden. „Die endgültige Anordnung wird erst durch das Mitmachen der Stadtteilbewohner/-innen gefunden“, wie es auf der Seite heißt. Dadurch wird „das demographische Pflaster nicht durch die Künstlerin, sondern aus persönlichen Lebenserfahrungen der Neuköllner/-innen heraus gestaltet“.

Für die Künstlerin Nadia Kaabi Linke handelt es sich daher um ein „partizipatorisches Projekt“. „Ein Denkmal für die Neuköllner, von den Neuköllnern gemacht“. Mit Sicherheit ein guter Ansatz, um, genau wie durch die anderen Umgestaltungsmaßnahmen, den Platz der Stadt Hof, aus einem besseren Gehweg bald doch noch zu einem richtigen Platz zu machen.

 

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